Chinesische Studentinnen spielen europäische Klassik

Konzert chinesischer Studentinnen : Europäische Klassik und Werke chinesischer Komponisten

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele junge Menschen aus Ostasien (Korea, Japan, China) sich mit der europäischen klassischen Musik beschäftigen. Und nicht nur das: dieses Studium führt oft zu erstaunlichen virtuosen Leistungen.

Dass es den jungen Leuten aber auch darum geht, die europäische Kultur als solche zu verstehen, war am Freitagabend in der Monschauer Schloßkapelle zu erleben.

Eine Gruppe junger Studentinnen der Nationalen Universität Zhejiang in Ost-China war mit ihrer Dozentin Meng Ying unterwegs in Europa, um die europäische Musik und die Kulturwelt des Westens überhaupt sozusagen hautnah kennenzulernen. Diesen jungen Studentinnen geht es allerdings nicht darum, eine virtuose Karriere anzustreben. Ihr Ziel ist eher wissenschaftlich oder pädagogisch bestimmt. Es war den jungen Leuten aber ein Anliegen, ihr Können vor einem europäischen Publikum zu präsentieren.

Durch die chinesischen Kontakte des Monschauer Pianisten-Ehepaars Xin Wang und Florian Koltun war es möglich, spontan ein kleines Konzert in der Schloßkapelle des Eifelstädtchens zu organisieren. Sehr eindrucksvoll boten die jungen Frauen ihre Arbeitsergebnisse dar. Es waren markante Auszüge aus bekannten Sonaten von Beethoven und Mozart, aber auch Frédéric Chopin scheint zu den Lieblingen in China zu gehören. Die Stücke wurden souverän und mit viel Verständnis für die innere Struktur der Werke interpretiert, wenn auch die eine oder andere virtuose Pointe nicht so ganz funktionieren mochte. Insgesamt zeugte der Abend aber von einem tief gehenden Interesse an einer fremden Kultur.

Das warf umgekehrt die Frage auf, ob wohl von europäischer Seite ein ähnlich großes Engagement für China und chinesische Kultur vorhanden ist. Es waren einige Stücke chinesischer Komponisten, die solche Fragen verstärkten. Vorgetragen vor allem von der Dozentin Meng Ying selber, machten diese Werke einen großen Eindruck, der nach Vertiefung verlangte. Bezeichnend freilich, dass die Namen dieser Komponisten bei uns unbekannt sind. Allerdings ist es auffallend, dass die vorgetragenen Werke ihrerseits großenteils europäischen Einfluss verrieten.

Aber auf jeden Fall war das Konzert im Ganzen und besonders diese Beispiele chinesischer Musik ein starker Hinweis auf die Möglichkeit von Kunst und Musik, die unterschiedlichen Kulturen unserer Welt in Verbindung zu bringen. Florian Koltun moderierte den Abend wie gewohnt souverän. Ihm ist immer wieder zu danken für fruchtbare Anstöße zum Musikleben in Monschau.

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