Ausstellung im KuK in Erinnerung an die Kunstaktion von Christo

Ausstellung in Erinnerung an Kunstaktion : Als Christo alte Monschauer Gemäuer verpackte

„Wenn dat Kunst ist, bin ich jeck“ lautet der Titel einer Ausstellung, die im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion Aachen eröffnet wurde. Darin geht es um die Kunstaktion des später weltberühmten Künstlers Christo im Jahr 1971 in Monschau.

„Als langjährige Besucherin des schönen Städtchens Monschau besichtigte ich am vorletzten Sonntag die von Ihnen angekündigte ‚Verpackung’. Ich muss sagen, dass mich der Anblick dieses mit großen Kosten und Mühen verpackten Städtchens erschüttert hat. Burgruine und Haller waren für mich völlig sinnlos mit riesigen Plastikfolien verpackt und verschnürt. Am sonst schönsten Blick auf die Rur war ein riesiger, schmutziger Vorhang aufgehängt, um den Besuchern dadurch den Blick auf diese Partie zu entziehen. Bei den Zuschauern hörte ich nur immer wieder die Frage: ‚Was soll der Quatsch?’“

Diese Zeilen sind einem Leserbrief entnommen, der im Herbst 1971 in der Tageszeitung veröffentlicht wurde. Die Kritik der Monschau-Besucherin zielt auf eine spektakuläre Kunstaktion, die in der Tat die Gemüter erhitzte und das idyllische Rurstädtchen mit einem Schlag bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Der damals noch nicht so bekannte Verhüllungskünstler Christo hatte Gefallen am alten Gemäuer der Altstadt gefunden und sie zum Objekt seiner Verhüllungskunst gemacht und damit heftige und emotionale Diskussionen ausgelöst. „Es steht doch fest, dass der größte Dummkopf, wenn er nur schwindelfrei ist, sehr wohl den Monschauer Haller mit Kunststoff umwickeln könnte“, ereiferte sich anderer Kritiker in einer Zuschrift.

Auch 48 Jahre nach der Aktion ist der Name Christo in Monschau immer noch ein Reizwort, auch wenn sich die Gemüter längst beruhigt haben, und der Stolz darüber überwiegt, dass einer der größten Künstler der Gegenwart einst auch in Monschau aktiv war. „Wenn dat Kunst ist, bin ich jeck“, ist als Zitat einer Monschauer Bürgerin aus jener Zeit überliefert, und so lautet auch der Titel einer Ausstellung, die jetzt im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau eröffnet wurde. Initiator der Aktion war damals der Kunstkreis Monschau, die treibende Kraft dahinter der Journalist Kaspar Vallot, der auch Erinnerungen an die einmalige Aktion sammelte. Auf deren Basis hat das KuK mit hohem Aufwand das Kunstprojekt multimedial aufgearbeitet und präsentiert die Ergebnisse in sieben Räumen der neu gestalteten 2. Etage des KuK.

Exponate, Informationstafeln, Zeitungsausschnitte, eine Hörstation, zwei je etwa zehnminütigen Filmen, ein begehbares „Vergangenheits-Wohnzimmer“ lassen das Projekt noch einmal lebendig werden und geben Zeugnis vom Zeitgeist der 1970er Jahre. Zu den Highlights gehören ein WDR-Film von 1971, der Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, und als „Gegenstück“ aus dem Hier und Jetzt ein vom KuK in Auftrag gegebener Film, in dem Zeitzeugen mit der Distanz zu damals ihre Erinnerungen aufleben lassen.

Fast 80 Gäste sorgten bei der Vernissage für drangvolle Enge im KuK, in deren Mittelpunkt eine Talkrunde unter Leitung von WDR-Moderator Ralf Raspe stand. Daran nahmen Katharina Mayer (Professorin für Fotografie an der University of Applied Sciences Europe), Nina Mika-Helfmeier (Kuratorin und KuK-Leiterin), Linde Rohr-Bongard (führt seit dem Tod ihres Mannes Dr. Willi Bongard, der den Kontakt zu Christo herstellte, dessen „Kunstkompass“ fort) und der Journalist Kaspar Vallot (Mitinitiator des Christo-Projekts 1971) teil. Um den Kunstbegriff an sich und die ewig alte Frage, was denn eigentlich Kunst ist, drehte sich das weitschweifige Gespräch, aber auch einige Anekdoten machten die Runde.

„Mir war von vorneherein klar, dass es Ärger geben würde“, erzählte Kaspar Vallot, aber weitere Aufschlüsse darüber, wie während der Christo-Aktion das Stimmungsbild in der Stadt war, wie die Gruppe der Helfer bei der Kunstaktion die Widerstände in der Bevölkerung wahrgenommen hat und welchen Stellenwert eigentlich das Monschau-Projekt in Christos künstlerischer Vita einnimmt, brachte die wortreiche Gesprächsrunde nicht. Zuvor hatte der stellvertretende Städteregionsrat Axel Wirtz in einführenden Worten daran erinnert, dass das Christo-Projekt in Monschau von großen Teilen als „totale Provokation“ empfunden worden sei, aber eine kleine Gruppe von Initiatoren habe sich von den schwierigen Umständen nicht irritieren lassen.

Während der Verhüllungsaktion war Christo nicht in Monschau, wohl aber im Dezember 1970 zur Vorab-Ortsbesichtigung und im November 1971 nach Ende der Aktion. Am 24. November 1971 reiste Christo mit seiner Frau nach Monschau, um an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. 40 Menschen nahmen daran teil, und Berichten von damals ist zu entnehmen, dass Christo dabei Wert auf die Feststellung legte, dass ihn weder Geld interessiere, noch ob man für oder gegen ihn sei. Dr. Willi Bongard, der Christo für Monschau gewinnen konnte, machte dagegen eine andere Rechnung auf: Die mediale Wirkung, die das Projekt hervorgerufen habe, sei für Monschau 1,2 Millionen Mark wert.

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