Monschau: „Mörderische Schwestern” machen Monschau unsicher

Monschau: „Mörderische Schwestern” machen Monschau unsicher

Am Ende hat es neben einem kräftigen Applaus Rosen und Monschauer Senfpralinen für sechs Autorinnen gegeben: Anlässlich der Präsentation der mittlerweile sechsten Ausgabe der Literaturzeitschrift „Haller” waren sie ins Eifelstädtchen angereist, um ihre neuesten Texte einem interessierten Publikum vorzustellen.

Dieses fanden sie im gut gefüllten Untergeschoss des KuK, des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen. „Haller”-Herausgeberin Corinna Griesbach hatte eingeladen: Seit 2009 bringt sie die Literaturzeitschrift heraus und versammelt zu ausgeschriebenen Themen Texte von Autoren aus ganz Deutschland. Trotzdem betrachtet sie die Zeitschrift auch als regionales Produkt und veranstaltet somit bereits zum dritten Mal eine Lesung in Monschau.

Rund ums Thema Fernsehen

„Die Kellerräume mit Rurterasse sind für solche Veranstaltungen ideal”, freute sie sich, „wir bedanken uns herzlich bei Nina Mika-Helfmeier, der Kulturreferentin der Städteregion und Leiterin des KuK, die hier sehr geholfen hat.” Ihre einleitenden Worte fasste Corinna Griesbach kurz, denn schließlich saßen nicht weniger als sechs Autorinnen in den Startlöchern. So stellte sie nur knapp das Thema „Im Fernsehen” und die Lesenden dieses Nachmittags vor. Vier davon gehören den „Mörderischen Schwestern” an, der größten Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen - für Spannung war also gesorgt!

Anja Balschun aus Koblenz machte den Anfang mit einer bitterbösen und doch sehr amüsanten Satire auf dummdeutsche TV-Shows („Germanys First Top-Leiche”), Ruth Möbius-Hansen sorgte für Überraschendes bei einer Live-Fußballübertragung („Klassenerhalt”).

Mit Betina Thilmann-Marx betrat eine waschechte Nachwuchsautorin die kleine Bühne: „Es handelt sich um meine erste Lesung!” Mit „Ich hab dich im Fernsehen gesehen” verließ sie den eingeschlagenen Krimipfad der Veranstaltung.

Petra Reategui aus Köln nahm diesen dann wieder auf. Ihre Lesung geriet zur Performance, für die sie vor dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes in ihre Erzählerrolle schlüpfte. Mit Sweatshirt und Baseballkappe berichtete sie aus Männerperspektive von den gefährlichen Verführungen, die ein Pornokanal im TV-Angebot so mit sich bringen kann („Ein hautenges rotes Kleid”).

Regina Schleheck aus Leverkusen, die mit weit über hundert Kurzgeschichten eigentlich eine Spezialistin für Prosa ist, stellte mit „drieben” ein interessantes Gedicht vor, das sich mit der viel zu schnell vergessenen Perspektive zweier Deutschlands und dem Phänomen des West-Fernsehens auseinandersetzt. Mit der letzten Autorin, Ingrid Schlicht aus Roetgen, wurde der regionale Bogen auch erzählerisch geschlossen. Mit „Der schwarze Panther” erinnerte sie an die mediale Aufregung, die ein angeblich entlaufenes Tier zwischen Eifel und Ardennen verursacht hatte.

Das Publikum zeigte sich begeistert von der Vielfalt und den Variationsmöglichkeiten, die die Autorinnen um das Thema „Fernsehen” entwickelt hatten.

Den Dank von Corinna Griesbach erwiderten sie herzlich und lobten den kleinen, aber feinen Veranstaltungsort: „Nach Monschau kommen wir immer gerne, und gerade das KuK eignet sich für solche Veranstaltungen ganz besonders”, so Ruth Möbius-Hansen.

Nach getaner Arbeit nutzten die „mörderischen Schwestern” die Möglichkeit, den französischen Gourmet-Markt in der Altstadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie Zeugen bestätigen konnten, kam dabei aber niemand zu Schaden.

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