Monschau: Mobiles Theater: „Der rote Lambert“ im Tuchschererhaus

Monschau: Mobiles Theater: „Der rote Lambert“ im Tuchschererhaus

Das seit rund 20 Jahren in Rocherath ansässige Theater Theatrino hat sich etwas vorgenommen: „Wir möchten“, so der Regisseur Bernward Müller „eine spannende Geschichte aus der Region - für die Region auf die Bühne bringen. Eine kleine, feine Sache, aufgeführt an schönen Spielorten“.

Das mobile Theater „Theatrino“ hat bislang überaus selten den Weg in die deutschsprachige nördliche Eifel gefunden, obwohl es direkt an der Grenze in Rocherath ansässig ist. Nachdem „Theatrino“ vor gut fünf Wochen bereits im Kalterherberger Hof-Cafe spielte, kommt die kleine Truppe jetzt wieder ins Monschauer Stadtgebiet.

Eine Lese-Performance mit Erika Domenik findet am Samstag, 14. November, 18 Uhr und Sonntag, 15. November, 12 Uhr, in der Galerie Beumers im Tuchschererhaus, Laufenstraße 6, in Monschau statt.

Auf der Bühne steht eine einzige Person: die Schauspielerin Erika Domenik. An einem schlichten Pult stehend beginnt sie eine Lesung, die sich mehr und mehr zu schauspielerisch gestalteten Szenen entwickelt — mit Gestik und Mimik, mit Musik und Geräuschen. Worte und Sätze werden im Auge des Zuschauers zu lebhaften Bildern.

Grundlage der Performance ist eine Erzählung des Schriftstellers Ludwig Mathar, der 1882 in Monschau geboren wurde und in zahlreichen Romanen und Erzählungen das Leben der Menschen aus dem Hohen Venn und der Eifel vor rund 100 Jahren beschrieb. Mathar verstarb 1958 im Alter von 76 Jahren.

„Regelrecht ergriffen“

Von der Aufführung in Kalterherberg begeistert zeigte sich auch Albertus Mathar aus Rohren. Der Sohn des Autors Ludwig Mathar hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau die Aufführung besucht und teilte dem Theater seine Wahrnehmung mit: „ Die Lesung hat meine Frau und mich regelrecht ergriffen. Die Performance hat das Leben der damaligen Zeit in Kalterherberg wieder lebendig werden lassen.“

Die Lese-Performance nimmt den Zuschauer mit in eine vergangene Zeit, in die Jahre um 1900. Es geht hinein in eine dörfliche Gesellschaft — mit holzschnittartig typischen Charakteren: Da gibt es den erdbebenartig donnernden Hochwürden, die nichtsnutzigen Wilderer und Trunkenbolde, die rechtschaffen sich abmühenden Torfstecher und Bauern oder die Witwe, die tapfer ihr mühevolles Leben meistert - ganz ohne die Hilfe großtönender Männer.

Einem Torfstecher namens Lambert wird vorgeworfen, gemordet zu haben. An der preußisch-belgischen Grenze, mitten im Hohen Venn, irgendwo zwischen Sourbrodt und Jalhay, soll er beim Wildern das Verbrechen begangen haben. Dank einer unerwarteten Begebenheit gelingt es dem Roten Lambert, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, nach viel Not und Pein. In Wirklichkeit war der arme Torfstecher nie ein Mörder gewesen.

In der Erzählung Mathars heißt es: „In aller Herrgottsfrühe hatte Mareie-Cathrine ihren liederlichen Mann, gerade als sie zur Messe gehen wollte, erschossen vor der Tür ihrer Hütte gefunden… Ganz friedlich, in seinem zerflickten blauen Leinenkittel lag er da… Mareie-Cathrine gewahrte zu ihrem Entsetzen das pulververbrannte Loch in der Kittelbrust… Der ist doch nicht etwa …? Aber Jean Piere, der Ferkesstecher, muckte und duckte sich nicht mehr. Er war mausetot …“

Gezielt hat das mobile Theater sich für eine Geschichte entscheiden, die in der Region spielt. Man möchte endlich auch am Sitz des Theaters die Popularität steigern. Regisseur Bernward Müller bringt es auf den Punkt: „Man kennt uns eher München als in Monschau.“

„Kleiner, knackiger Krimi“

Allerdings hat Theatrino bislang bereits Stücke in Schulen gezeigt und wirkte auch mit beim Programm „Kultur macht Schule“ in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens.

Die Erzählung von Ludwig Mathar bezeichnet Müller „einen kleinen, knackigen Krimi, der uns sofort gefallen hat.“ Der 58-jährige Regisseur wollte diesmal „ein spannende Geschichte aus der Region für die Region auf die Bühne bringen“. In der Regel schreibt er die Stücke für das Zwei-Mann-Theater selbst. Auch das Bühnenbild hat er selbst entwickelt.

Die Philosophie des kleinen Theaters beschreibt Müller so: „Wir wollen nicht unbedingt Stücke aufführen, die einen stringenten Handlungsstrang besitzen, sondern auch die Zuschauer gefühlsmäßig mitnehmen.“

(P. St.)
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