Mittelständler aus Kalterherberg: MK Plast muss Kurzarbeit anmelden

Mittelständler aus Kalterherberg : MK Plast muss Kurzarbeit anmelden

Erstmals in der Firmengeschichte schickt der mittelständische Folienhersteller MK Plast aus Kalterherberg nahezu alle seine Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Ein Schritt, zu dem es für Geschäftsführer Bernhard Dickmann derzeit keine Alternative gibt.

Bernhard Dickmann hat in den vergangenen Monaten einige schlaflose Nächte verbracht. Den Geschäftsführer des Plastikfolienherstellers MK Plast aus Kalterherberg treibt die aktuelle Debatte um Plastik mit all ihren Widersprüchen um. Die Branche sei derzeit tief verunsichert, Auftraggeber hielten sich mit Bestellungen auffallend zurück und bauten momentan ihre Lagerbestände ab.

Die Folge für das mittelständische Unternehmen, das selbst nicht über große Lagerkapazitäten verfügt: Erstmals in der Firmengeschichte schickt  MK Plast ab der kommenden Woche nahezu alle 47 Mitarbeiter für 14 Tage in die Kurzarbeit.

Ein Schritt, zu dem es für den 55-jährigen Unternehmer, der das 1974 gegründete Unternehmen in der zweiten Generation führt, derzeit keine Alternative gibt. „Wir fahren alles runter, weil es bei uns nicht sinnvoll ist, die Produktion lediglich zu drosseln“, erklärt Dickmann.

Das sei der Geschäftsführung nicht leicht gefallen, weil man in Kalterherberg ein familiäres Verhältnis zu den Mitarbeitern pflege und um deren finanzielle Nachteile wisse. Meldet ein Unternehmen Kurzarbeit an, erhalten die Mitarbeiter vom Staat 60 bis 67 Prozent ihres regulären Gehalts und zahlen in dieser Zeit auch keine Sozialabgaben  – die übernimmt der Betrieb. „Der Verlust fällt in den meisten Fällen nicht sehr hoch aus, doch die Signalwirkung ist natürlich schwierig“, sagt Dickmann.  „Mir ist es wichtig, dass die Mitarbeiter diese Entscheidung mittragen. Sie haben weiterhin Vertrauen in die Zukunft und in das Unternehmen.“ Vor zwei Wochen war die Belegschaft über den Schritt informiert worden. Die Loyalität zur Geschäftsführung sei nach wie vor groß.

Das Lager des mittelständischen Unternehmens ist prall gefüllt: Im Regelfall liefert MK Plast die Waren direkt an Kunden aus. Foto: Marco Rose

MK Plast stellt in erster Linie Industriefolien für die Lebensmittel- und auch Automobilindustrie her. Auf 2500 Quadratmetern Fläche produziert das Unternehmen jährlich 5500 Tonnen Polyethylen und verarbeitet weitere 3700 Tonnen zum Beispiel zu Tüten, die der Großkunde Nestlé zum Verpacken seiner Produkte nutzt. Elf Millionen Euro Umsatz macht der Mittelständler damit. Die Produktion ist seit acht Jahren kontinuierlich digitalisiert und damit hocheffizient geworden. „Ich sehe für die Zukunft keineswegs schwarz“, betont Dickmann.  „Der Beste kommt durch – und wir sind sicher im oberen Drittel.“ Ein Problem der Branche liege unter anderem in der Abkehr von der „guten alten Plastiktüte“ begründet: Selbst stellen die Monschauer zwar gar keine Plastiktüten für den Handel her, doch drängen nun Konkurrenten in die Märkte, die bislang von diesen Tüten gut leben konnten.

„Die Verunsicherung spüren wir natürlich alle. Ich frage mich auch, wie ich meinen Kindern erklären kann, was wir hier machen“, meint Dickmann. Den Geschäftsführer bewegen Bilder von durch Plastik vermüllte Meere sehr. Sein Wahlspruch lautet: Wenn du die Welt verändern willst, beginne mit dem Menschen, den du morgens im Spiegel siehst.“ Für den Plastikproduzenten heißt das vor allem, dass die Gesellschaft ihren Umgang mit Müll grundsätzlich überdenken muss. Leider springe die Politik angesichts der Umweltkatastrophe meist zu kurz.

Zum Beispiel bei den Plastiktüten: Die Ökobilanz einer Papiertüte sei keineswegs besser, auch wenn diese nun als Lösung propagiert würde. „Die Papierindustrie verbraucht Unmengen an kostbarem Wasser und obendrein viel mehr Energie als wir. Wird eine Papiertüte dann nur einmal genutzt, weil sie einfach schnell kaputt ist, ist die Ökobilanz auch noch viel schlechter als die der Plastiktüte.“ Ein vielfach unbeachteter Randaspekt sei, dass Papiertüten das zehnfache Transportvolumen hätten: „Wir erleben Fahrverbote für Diesel in Großstädten und akzeptieren gleichzeitig, dass nun deutlich mehr Lastwagen diese Tüten von A nach B fahren. Ein Irrsinn!“

Diese Gedanken hat Dickmann gemeinsam mit seiner Frau  Ulrike in einem Text mit dem Titel „Ich, Deine Plastiktüte“ zusammengefasst, die er ins Netz gestellt hat und bei der im Oktober anstehenden Großmesse „K20“ in Düsseldorf unter das Fachpublikum bringen will. Die Dickmanns präsentieren sich darin als ökologisch bewegte Unternehmer, die die eigene Branche durchaus kritisch sehen.  Ihre zentrale Forderung: Die Müllentsorgung müsse verstaatlicht werden, die Geschäftemacherei  aufhören. Müll und Wertstoffe müssten in nationaler Verwaltung bleiben und dürften Landesgrenzen nicht überschreiten. „Was mir schlaflose Nächte bereitet ist nicht die Kurzarbeit. Sondern die Fassungslosigkeit über die Frage, wie man die Bevölkerung in diesem Land in die Irre führt.“

Dickmann nennt noch ein Beispiel für diesen Irrsinn: sogenannte Bio-Plastiktüten. Diese seien in herkömmlichen industriellen Kompostieranlagen nicht zu verwerten, dürften daher nicht in den Biomüll, sondern landeten dann im Gelben Sack. „Dort gehören sie aber nicht hin, weil sie die Recyclingkette zerstören.“ Sein Fazit: Wenn der Mensch seinen Umgang mit der Umwelt nicht ändert, ändert die Umwelt den Umgang mit dem Menschen.

Das Schreiben von Ulrike und Bernhard Dickmann im Wortlaut: www.mkplast.de

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