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Ausstellung in Mützenich: Mitten ins Leben gemalt

Ausstellung in Mützenich : Mitten ins Leben gemalt

Eine inklusive Ausstellung in Mützenich zeigt Werke von Eifeler Künstlern.

Wie bereichernd und kreativ Gespräche mit behinderten Menschen sind, das weiß Hedi Ponten aus unzähligen Stunden, die sich in ihrem Alltag oft auch ganz spontan ergeben. Gespräche mit ihrem jüngsten Sohn Nils etwa. Er erkrankte mit 16 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie und lebt heute in einer Schleidener Wohngruppe. Seine bildreichen Wortschöpfungen eröffneten Hedi Ponten die Möglichkeit, in ganz neue Gedankenwelten einzutauchen, aus ihnen zu lernen. Drei Gedichtbände resultieren aus dem Zusammenwirken der beiden.

„Ich arbeite schon lange mit Kindern und habe gesehen, wie leicht und unbeschwingt sie mit Materialien umgehen. Die Arbeit mit ihnen ist kreativ und lehrreich. Seit einem Jahr bereiten wir die Ausstellung vor“, erzählt Hedi Ponten, sozialpädagogische Fachkraft. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und Pflegemutter von zwei behinderten Mädchen. Gemeinsam mit ihnen hat Hedi Ponten zu den verschiedensten Materialien, Pinsel und Farbe gegriffen. Die Ergebnisse dieser Stunden sind selbstverständlich Teil der Ausstellung, wie etwa bemalte Kacheln, Zeichnungen oder aus den verschiedensten Materialien geformte Tiere.

Für die „Art der Inklusion“ brauchte Hedi Ponten bei ihren Künstlerfreunden nicht viele Worte zu verlieren. Sie alle sind dabei. Etwa ihre Freundin Cao Yi, die mit Ölbildern und Stickkunst vertreten ist. Oder die Monschauerin Monika Andrée, die neben ihren Holzskulpturen gerne auch Fundstücke aus der Natur mit der Acrylfarbe bildnerisch vereint.

Walter Lunz hat vor zwei Jahren eine Wende in seiner Kunst vollgezogen und ist von den Vennlandschaften eher weg hin zur modernen Kunst, von den Öl- zu den Acrylfarben gewechselt. „Eine echte Herausforderung“, wie er rückblickend sieht. „Mittlerweile übermale ich meine alten Bilder“ ist er den Schritt zu geometrischen Formen und kräftig-bunten Farben auch innerhalb der Natur gegangen.

Horst Breiter, der in einem Caritas-Haus in Schleiden lebt, hat sich auf schwarz-weiß Zeichnungen konzentriert, malt auch mit Kohlestiften.

Von dem therapeutischen Aspekt, den Malen mit sich bringt, hat Maf Räderscheidt im letzten Jahr ganz besonders profitiert. Die Malerin und Romanbuch-Autorin, die aus einer Künstlerfamilie stammt, hat in der Gemünder Flut ihr gesamtes künstlerisches Hab und Gut verloren; Geräte, die noch ihren Großeltern gehörten, rund 40000 große Aquarelle, Bühnenbilder, Scherenschnitte und tausende Exemplare ihres Romans „Die Nichtschwimmerin“ wurden mitgerissen.

Dank der Spenden, Mal-Utensilien, Farben und Leinwände, hat sie den Weg aus diesem Tief herausgefunden. „Arbeit heilt. Ich wäre durchgedreht, wenn ich nicht gemalt hätte.“ Maf Räderscheidt ist glücklich, in dieser Ausstellung zumindest die nach der Flut entstandenen kleinformatigen Bilder zeigen zu können.

Die Besucher der inklusiven Ausstellung lernen allerdings nicht nur die Malerin, sondern auch die Autorin Räderscheidt kennen. Sie wird am Tag der Vernissage, am 17. Juli ab 16 Uhr, aus ihrem neuen Buch lesen.

Zuvor, ab 12 Uhr, stellt Miriam Ponten alias May Frost, ihren Debutroman „Flut der Träume“ vor. Zwei Stunden später, um 14 Uhr, werden Hedi Ponten und Elisabeth Okon aus der lyrischen Sammlung von Nils Ponten lesen.

Bis zum 24. Juli bleibt das alte Bauernhaus und der große Garten der Familie Ponten in Mützenich, Reichensteiner Straße 1, von 11 bis 18 Uhr ein offenes Haus.