Mitfahrbänke als neues Angebot für mehr Mobilität im ländlichen Raum

Neue Form des Autostopps : Erst auf der Bank Platz nehmen und dann mitfahren

Während man in den 1970er oder 1980er Jahren am Straßenrand oft Menschen sah, die mit ausgestrecktem Daumen um eine Mitfahrgelegenheit baten, ist diese Form der Fortbewegung inzwischen aus der Mode gekommen.

Seit einiger Zeit gibt es aber eine neue Form des Autostopps mit offiziellem Charakter.

Es handelt sich um sogenannte Mitfahrbänke, mit denen als Ergänzung zum ÖPNV ein alternatives Angebot für mehr Mobilität im ländlichen Raum geschaffen werden soll, das sich an einigen Orten bereits bewährt hat.

Wer von einem Auto mitgenommen werden möchte, kann auf einer dieser Bänke Platz nehmen und auf einer Tafel sein Fahrtziel angeben. „Dahinter steckt die Hoffnung, dass sich die Autofahrer rasch daran gewöhnen, dass an den Mitfahrbänken müde Wanderer, junge Leute ohne Führerschein oder Senioren warten, um mitgenommen zu werden“, sagt Sascha Schmitz von der Leader-Region Eifel, die in diesem Jahr das Projekt „Mitfahrbänke Nordeifel – Nimm doch ene mit“ umgesetzt und dafür gesorgt hat, dass in sechs Eifelkommunen 64 dieser Bänke aufgestellt wurden.

Die Gesamtkosten lagen bei rund 60.000 Euro, 65 Prozent davon wurden über die Leader-Förderung finanziert, den Rest haben die Kommunen übernommen. Daneben ist auch ein Internetauftritt Teil des Förderprojektes. Unter der Adresse www.leader-eifel.de/de/mitfahrbank kann man sich vorab zu Fahrten verabreden und findet neben einer Karte der Standorte auch ein Erklärvideo. Das Aufstellen der Bänke und Schilder haben die Bauhöfe der beteiligten Kommunen übernommen.

20 dieser Mitfahrbänke gibt es nun in der Stadt Schleiden, zwölf in Bad Münstereifel, zehn in der Stadt Heimbach, vier in der Gemeinde Dahlem, 14 in der Stadt Nideggen (davon drei in Schmidt an der Monschauer Straße, der Nideggener Straße und in Froitscheidt) und vier im Stadtgebiet Monschau. Dort sind sie in Imgenbroich an der Trierer Straße und in Kalterherberg an der Monschauer Straße, der Elsenborner Straße und am Messeweg zu finden.

Neben den Mitfahrbänken befindet sich eine Tafel, auf der das gewünschte Fahrtziel angegeben werden kann. In Imgenbroich ist nur Kalterherberg wählbar. Foto: Andreas Gabbert

Zu erkennen sind die im Rahmen des Leader-Projektes aufgestellten Bänke an ihrer blauen Farbe. Gleich daneben befindet sich das Schild, auf dem das gewünschte Fahrtziel angegeben werden kann. In Imgenbroich ist nur Kalterherberg wählbar. An den Stationen in Kalterherberg kann man zusätzlich zwischen Fahrtzielen innerhalb des Ortes wählen. Außerdem ist an der Elsenborner Straße und der Monschauer Straße das Fahrtziel Simmerath möglich. Von der Monschauer Straße und vom Messeweg geht es auch in Richtung Belgien. Am Messeweg ist zudem das Fahrtziel Mützenich möglich.

Auf einem anderen Schild sind alle weiteren Standorte der Mitfahrbänke aufgelistet. Außerdem wird das Prinzip erklärt und darauf hingewiesen, dass das Mitnehmen und Mitfahren freiwillig ist und auf eigene Gefahr geschieht, dass die Mitfahrer über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters versichert sind und ansonsten keine Haftung übernommen wird. Des Weiteren findet sich der Hinweis, dass die Nutzung ab 18 Jahren empfohlen wird.

In der Gemeinde Simmerath wurden zu Testzwecken bereits vor zwei Jahren jeweils eine Mitfahrbank in Rollesbroich und Erkensruhr errichtet. Als die Bänke in Betrieb genommen wurden, hatte der Bürgermeister erklärt, dass in anderen Orten weitere Bänke aufgestellt werden könnten, falls das Projekt gut angenommen würde. Aussagekräftige Erkenntnisse liegen der Gemeinde bislang aber nicht vor. Bisher gibt es keine weiteren Mitfahrbänke, von denen aus auch die Rückfahrt nach Rollesbroich oder Erkensruhr angetreten werden könnte. An dem Leader-Projekt hat sich die Gemeinde Simmerath nicht beteiligt, sonst hätten die beiden vorhandenen Bänke gegen anders gestaltete Leader-Bänke ersetzt werden müssen.

Auch in Roetgen wurde bereits über Mitfahrbänke nachgedacht. An dem Leader-Projekt hat sich die Gemeinde aber auch nicht beteiligt. Laut Bürgermeister Jorma Klauss geht es nämlich in erster Linie um eine Verbindung zwischen Rott und Relais Königsberg. Aus seiner Sicht müsse eine Lösung insbesondere auch für Jugendliche geeignet sein, und aufgrund der Nähe zur Stadt Aachen hat er da bei Mitfahrbänken so seine Bedenken. „Wenn ich eine junge Tochter hätte, würde ich nicht wollen, dass sie an Relais Königsberg auf einer Mitfahrbank Platz nimmt“, sagt Klauss. Es sei besser, über andere Lösungen nachzudenken. Denkbar seien zum Beispiel eine bessere Anbindung für Fußgänger und Radfahrer oder der Einsatz des Netliners.

In Kalterherberg wurde auch die Zukunftswerkstatt, die den vielschichtigen Folgen des demografischen Wandels und der Landflucht mit zukunftsweisenden Projekten begegnen will, in das Projekt mit einbezogen. „Wir haben uns in der Zukunftswerkstatt und mit dem Ortsvorsteher beraten und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Bänke eine sinnvolle Ergänzung zum ÖPNV sein können“, sagt der 1. Vorsitzende Jochen Leyendecker. Das könne aber nur funktionieren, wenn es auch eine Mitfahrbank in einem anderem Ort gebe, um den Rückweg anzutreten. „Imgenbroich ist da aufgrund der vorhandenen Infrastruktur ideal“, meint Leyendecker. Da in Kalterherberg die Wege innerorts ziemlich lang sein können, sei Wert darauf gelegt worden, auch Fahrtziele innerhalb des Ortes einzubeziehen. Am ersten Tag nachdem die Bank an der Elsenborner Straße aufgestellt wurde, habe sich gleich eine Anwohnerin gemeldet und berichtet, dass die Mitfahrbank schon erfolgreich getestet worden sei. Ansonsten sei aber schwer zu sagen, wie die Mitfahrbänke genutzt würden, erklärt Leyendecker. „Wir sind noch in der Startphase und hoffen, dass die Sache Fahrt aufnimmt“, sagt er.

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