Roetgen: Mit Tieren und Pflanzen auf Augenhöhe leben

Roetgen : Mit Tieren und Pflanzen auf Augenhöhe leben

„Ich nenne meinen Garten ,Schmetterlingsgarten‘. Er entspricht den Grundsätzen des naturnahen Gartens: Verwendung einheimischer Pflanzen und naturnaher regionaler Baustoffe, Vorhandensein unterschiedlicher Biotop-Elemente wie Streuobstwiese, Hecken, Blumenwiese, Hochstaudenflur, Totholz und Steinmauern“, beschreibt Christa Heners ihr gut 4000 Quadratmeter großes Refugium, in dem sie mit Tieren und Pflanzen, wie sie es sagt „auf Augenhöhe“ lebt.

Wege in diesem mutigen und wilden Garten in Roetgen am Ortsrand werden alle paar Wochen mit dem Balkenmäher frei gemacht. Mal wächst hier ein Weg mit Pflanzen zu, die bleiben wollen, mal öffnet sich an anderer Stelle wieder ein Durchlass. Das Ergebnis: Viele Pflanzen werden mannshoch und die Blüten öffnen ihre Kelche direkt in Augenhöhe.

Das zieht nach sich, dass auch Insekten, vor allem Schmetterlinge, herumflattern und direkt betrachtet werden können. Christa Heners, die diesen Garten seit 30 Jahren bewohnt, hat ihn zunächst zum großen Teil als Pferdekoppel genutzt und bewirtschaftet ihn seit 2002 als Naturgarten. „Ganz bewusst verzichte ich auf chemische Dünger beziehungsweise Pflanzenschutzmittel. Das würde nicht zu meinem Garten passen, den ich eben als Wild- oder Insektengarten sehe.“ Das würde diesem Garten auch nicht gerecht werden.

Die 56-Jährige hat sich vor vielen Jahren dem Roetgener Gartentreff angeschlossen, der sich jeden dritten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im „Alten Markt“ in Roetgen trifft. Auch gehört sie dem Verein Naturgarten an, der seinen Sitz in Heilbronn unterhält. Pflanzenbörsen initiiert sie gemeinsam mit weiteren Gleichgesinnten zwei Mal pro Jahr in der Region. Die vierfache Mutter sagt dazu: „Tauschbörsen haben sich als nicht so praktikabel erwiesen, da nicht alle Besucher des Angebotes Pflanzen zum Tauschen mitbringen. Dennoch hat sich die Pflanzenbörse bewährt, da Gewächse angeboten werden, die aus der hiesigen Region stammen und somit mit den Bedingungen gut klarkommen.“

In den Gärten, die die Roetgenerin in ihren Fokus rückt, steht vor allem das Naturerlebnis ganz oben an. Christa Heners: „Erst durch die im Garten lebenden Tiere wird der Garten komplett.“ In Christa Heners Naturgarten versammeln sich sehr viele Tiere, es summt und brummt und zirpt Tag wie Nacht. Zu den Schmetterlingen kommen die Wildbienen, Libellen, Heuschrecken, Käfer, Wanzen, Schwebfliegen, aber auch Eidechsen, Schlangen, Dachse, Füchse und Wild sowie Vögel aller Art.

Einige Hühner hält die Naturfreundin in einem großen Gehege, ein Imker gesellt sich mit Bienenvölkern hinzu. Die Fauna ist ebenso vielfältig wie die Flora, da der Garten, bedingt durch einen Entwässerungsgraben und einen angrenzenden Bachlauf, unterschiedliche Klimazonen beinhaltet:

Unterschiedliche Arten von Mädesüß duften aktuell sehr angenehm, es gibt den Riesenschuppenkopf, Baldrian, Disteln, Brennnesseln, die Telekie, Kartäusernelken, Schilf, Rohrkolben, die Sumpfiris, den echten Eibisch, Blutweiderich, Rhabarber und unzählige Wildkräuter wie Spitzwegerich, Knoblauchrauke, Löwenzahn und Gundermann. Christa Heners dokumentiert und bebildert alles mit der Kamera. Sie schmunzelt, als sie überlegt:

„Mein wichtigstes Gartengerät ist der Fotoapparat.“

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