Nordeifel: Mit Hermann Carl im Venn dem Biber auf der Spur

Nordeifel: Mit Hermann Carl im Venn dem Biber auf der Spur

Auf den Spuren des Bibers waren unsere Leser jetzt mit dem Naturkenner und Leiter des Lernortes Natur, Hermann Carl, im Rahmen unserer Aktion „7 x Sommer“ im Brackvenn bei Mützenich unterwegs. Die Tour war nur wenige Kilometer lang, trotzdem dauerte sie mehrere Stunden. Die Zeit verging dabei wie im Flug, denn Carl versteht es, großen und kleinen Leuten die Natur näher zu bringen und anschaulich zu erklären.

Los ging es am ehemaligen Grenzübergang mit einer kurzen Einführung über die Bedeutung des Hohen Venns, das wie ein rund 400 Quadratkilometer großer Schwamm wirkt und mit seinem Wasser zehn Talsperren in der Region speist.

Schon nach wenigen Metern legt Carl schon den ersten Stopp an einer Buchenhecke ein, um zu erklären woher die Knubbel auf manchen Blättern kommen. Verantwortlich dafür ist die Buchengallmücke, die dort ihre Larven ablegt. Die Larven sondern dann chemische Stoffe ab, durch deren Wirkung die Buchenblätter diese Knubbel rund um die Larve bilden. Korrekt werden sie als Galle bezeichnet. An dieser Stelle erfahren unsere Leser auch, warum die Paarungszeit des Rehwilds auch als Blattzeit bezeichnet wird. Dafür zupft Carl ein Buchenblatt ab, führt es zu den Lippen und ahmt so die Fieplaute des weiblichen Rehs nach. Blatten nennen die Jäger das. Die Paarungszeit (Brunft) des Rehwilds beginnt Anfang Juli und dauert bis Ende August. Häufig wird der gesamte Zeitraum als Blattzeit bezeichnet. Die eigentliche Blattzeit beginnt jedoch erst Ende Juli. Dann ist der überwiegende Teil der Ricken bereits befruchtet und die Rehböcke finden dann kaum noch brunftige weibliche Rehe und lassen sich deshalb auf ihrer Suche häufiger anlocken.

Auch den Brennnesseln, die in der Nähe wachsen weiß Carl einiges zu sagen. Er erklärt, wie sie sich pflücken und sogar essen lassen, ohne sich dabei zu verbrennen. „Die schmecken wie Spinat“, sagt Carl mit einem Brennnesselblatt im Mund. Außerdem hat er noch ein paar Tipps auf Lager: „Wer sich verbrannt hat, sollte nicht reiben. Das macht es nur noch schlimmer.“ Carl zeigt auf eine Spitzwegerich-Pflanze am Wegesrand: „Und das hilft gegen das Brennen.“

Waldsauerklee für den Salat

Als nächstes gibt es eine Empfehlung, wie sich ein Salat etwas aufpeppen lässt. Dafür eignet sich der Waldsauerklee gut, der sich durch die Herzform der Blätter vom normalen Klee unterscheidet und zu den Moosen gehört. „Der hat eine feine Zitronennote“, sagt Carl und lässt seine Zuhörer schnuppern.

Das ein Laubbaum auch Zapfen haben kann, wird am Beispiel einer Schwarzerle deutlich. „Dieser Baum zeigt immer Wasser an“, erklärt Carl. Tatsächlich ist es nicht mehr weit bis zu einem der sogenannten Pingos beziehungsweise Palsen im Brackvenn.

Auf dem Weg zu den Biberbauwerken hat Hermann Carl in einem fast ausgetrockneten Bachbett Tierspuren entdeckt. Jetzt ist Zeit für ein kleines Quiz. Die Teilnehmer dieser Tour sollen erraten, welche Tiere hier vorbeigekommen sind. Hermann Carl zaubert ein Rehbein aus seiner Tasche und drückt es in den Boden. Rehe waren es nicht. Auch der Lauf eines Wildschweines passt nicht zu den Abdrücken. Es können also nur Hirsche gewesen sein, die hier durchgezogen sind. Bei dieser Gelegenheit erfahren unsere Leser auch, wie man die Spuren von Hirsch und Hirschkuh auseinanderhält und woran man erkennt, dass die Hirschkuh trächtig ist.

Wenn niemand spricht ist nur das Rauschen der Bäume zu hören, genau genommen ist nur das Rauschen der Blätter der Zitterpappel zu hören. „Das ist der einzige Baum, den man jetzt hört“, sagt Carl. Durch den abgeflachten Blattstil flattern die Blätter im Wind. Unsere Leser erfahren, dass das Pfeifengras seinen Namen trägt, weil die Torfstecher im Venn früher damit ihre Pfeifen gereinigt haben. Carl erklärt, dass sich Wald- und Rauschbeeren anhand der Farbe der Blätter unterscheiden lassen und welche Vegetation die Preiselbeere zum Wachsen braucht. Auch der Sonnentau, die fleischfressende Pflanze des Hohen Venns, darf in der Reihe von Entdeckungen und Erklärungen nicht fehlen.

100 Meter Damm gebaut

Rechts und links des Weges tauchen dann plötzlich große Teiche auf. Hier war der Biber am Werk. Das ist deutlich an Bissspuren an den gefällten Bäumen zu erkennen. Insgesamt hat der reine Pflanzenfresser dort fast 100 Meter Damm gebaut. Eine Biberburg gibt es aber nicht. „Solch eine Burg baut der Biber nur, wo es keine Uferböschung gibt“, erklärt Carl und erläutert, wozu der Biber seinen markanten Schwanz einsetzt, wie er die Baumrinde verdaut bekommt und warum der Mensch ihm in früheren Jahren so oft an den Kragen wollte.

Am Ende der Tour sind unsere Leser mehr als begeistert. „Das war sehr informativ“, sagt Horst Koll aus Simmerath. Auch Waltraud Braun aus Simmerath haben die Bauwerke des Bibers und die Schilderungen über Tiere und Pflanzen sehr gut gefallen.

„Die Biberteiche waren schon faszinierend, aber auch die Erklärungen links und rechts des Weges“, sagt Elke Meurer aus Simmerath. Annete Mauel aus Monschau fand es „schön noch mal den Sonnentau zu sehen. Ich wusste nicht mehr, wie der aussieht.“ „Die praktischen Erklärungen waren gut, dann behält man es auch“, findet Heike Diederichs aus Rurberg. „Das Wissen von Hermann Carl allein ist es nicht, es ist auch die Art wie er erklärt. Das ist nicht oberlehrerhaft aber mit viel Leidenschaft.“

(ag)