Nordeifel: Mit dem Fahrrad 18.000 Kilometer durch 18 Länder bis nach Singapur

Nordeifel : Mit dem Fahrrad 18.000 Kilometer durch 18 Länder bis nach Singapur

Seine Wohnung wird weitervermietet, ihr Auto verkauft, und die Versicherungen werden vorübergehend stillgelegt. Bei dem, was Marcel Muß (33) aus Imgenbroich und Christina Wilden (22) aus Schmidt vorhaben, wäre das auch nur unnötiger Ballast. Das junge Paar möchte sich nämlich einen Traum erfüllen und plant eine Reise ans andere Ende der Welt — und zwar mit dem Fahrrad.

Von Monschau aus wollen sie auf den Spuren von Marco Polo entlang der Seidenstraße 18.000 Kilometer durch 18 Länder bis nach Singapur in Südostasien radeln.

Dabei ist der Weg das Ziel. Sie wollen keinen neuen Rekord aufstellen, und die Reise soll auch keinen Wettbewerbscharakter haben. „Wir wollen nicht gegen die Uhr anfahren und lieber an den Orten so lange bleiben, wie es uns gefällt“, sagt Christina Wilden. „Neben den kulturellen und landschaftlichen Aspekten sind uns vor allem auch die Begegnungen mit den Menschen unterschiedlichster Länder wichtig. Viele wissen ja nicht mal, wo die verschiedenen Länder liegen“, ergänzt Marcel Muß. Es gehe ihnen darum, losgelöst von Verpflichtungen vorurteilsfrei das Leben anderer Menschen kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern, erklärt er. „Wir wollen die Realität vor Ort selbst erleben“, sagt sie. Deshalb wollen sie sich selbst auch keine Verpflichtungen auferlegen und lieber von Tag zu Tag planen. „Das würde sonst dem Charakter der Reise widersprechen“, sagt er. Ein Jahr will das Paar unterwegs sein, vielleicht auch länger, das ergibt sich unterwegs.

Der gelernte Restaurantfachmann hat seinen Job in einem Monschauer Hotel schon vor einiger Zeit aufgegeben. Christina Wilden arbeitet bis nächste Woche noch als Erzieherin in einem Kinder- und Jugendheim in Hellenthal. Dann wird sie beurlaubt und kann nach der Reise wieder in ihren Beruf einsteigen.

Verbinden werden sie die Reise mit einem guten Zweck und über ihre Internetseite www.2rad-mobilität.de, auf der sie auch regelmäßig über ihr Abenteuer berichten wollen, im Rahmen der Aktion „Amnesty in Bewegung“ für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Spenden sammeln. Sie selbst haben für ihr Vorhaben das Motto „Grenzenlos — gemeinsam stark“ gewählt.

Im Internet verfolgbar

Die Idee, ans andere Ende der Welt zu reisen, hatte Marcel Muß schon im Jahr 2012. Er schaute auf der Weltkarte nach, welches Ziel am weitesten entfernt liegt, aber dennoch auf dem Landweg mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Das war Wladiwostok, und das hätte bedeutet, dass die Tour hauptsächlich durch Russland geführt hätte. Da es schon ein paar Länder mehr sein sollten, reifte der Plan, sich auf die Spuren Marco Polos zu begeben. „Die Vorträge von anderen Weltreisenden wie Maximilian Semsch aus München und Felix Strak aus Herxheim in der Pfalz haben mich fasziniert und inspiriert“, erläutert Muß.

Auch seine Partnerin träumte davon, eine längere Zeit im Ausland zu verbringen und mit dem Rucksack durch Australien oder Neuseeland zu wandern. Doch zunächst gab es für beide immer wieder Gründe, es nicht zu tun: Familie, Beruf, Finanzen und viele andere Dinge verzögerten den Aufbruch. „Eines Morgens bin ich aufgewacht und habe ein Datum festgesetzt. Denn es wird immer Gründe geben, es nicht zu tun“, sagt Muß. Nun soll die Reise also am Sonntag, 18. Februar, um 11 Uhr auf dem Marktplatz in Monschau losgehen.

Die Vorbereitungen dafür laufen schon seit etwa einem Jahr. Visa mussten beantragt werden, alte Versicherungen gekündigt und neue abgeschlossen werden, Impfungen mussten erfolgen und Sponsoren gewonnen werden. Jeweils rund 40 Kilo Gepäck werden sie auf den maßgefertigten Reiserädern, die sie zum Teil gesponsert bekommen, zu transportieren haben. Trainiert haben sie für diese besondere Reise aber nicht. „Das wird sich entwickeln“, erzählt Christina Wilden.

Nervös seien sie nicht, sagt das junge Paar. Dennoch sind sie froh, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind und es bald losgeht. „Die Welt ist nicht so schlecht, wie es oft scheint. Dennoch sind wir uns eines gewissen Restrisikos bewusst. Die größte Herausforderung ist aber, sich von Gewohnheiten zu lösen und loszufahren“, sagt Muß.

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