Roetgen: Mehr Renaturierung statt forstlicher Nutzung

Roetgen: Mehr Renaturierung statt forstlicher Nutzung

Nicht einverstanden mit allen Positionen im Roetgener Forstwirtschaftsplan 2015 sind die Roetgener Grünen. Für die Sitzung des Umwelt-, Touristik und Forstausschusses am Dienstag stellt die Fraktion daher den Antrag, vor der Beschlussfassung über den Forstwirtschaftsplan über die Herausnahme der Abteilungen 6, 9 und 10 aus der forstlichen Nutzung zu beraten und zu beschließen.

Die Grünen legen eine modifizierte Beschlussempfehlung vor, die da lautet: „Der Ausschuss empfiehlt dem Gemeinderat, die Abteilungen 6, 9 und 10 des Roetgener Gemeindewaldes (Teilfläche des Naturschutzgebietes Nr. 2.1-30 „Hoscheiter Venn und Quellgebiet Dreiläger- und Schleebach“) ab sofort und dauerhaft aus der forstlichen Nutzung herauszunehmen. Die Maßnahmen, die der Landschaftsplan für diesen Bereich vorsieht, insbesondere die Renaturierung der Palsen sollen in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station zügig umgesetzt werden. Die Abrechnung der Maßnahme soll über das Ökopunktekonto erfolgen.“

Weiterhin schlagen die Grünen vor, dass der Gemeindeförster bis zur Ratssitzung im Dezember anstatt der Abteilungen 6, 9 und 10 „alternative Flächen zur Deckung des Bedarfs an Brennholz zu benennen und den Forstwirtschaftsplan entsprechend abzuändern.“

„Wald sich selbst überlassen“

Als Begründung schreiben die Grünen: „Die genannten Abteilungen des Roetgener Gemeindewaldes sind im Landschaftsplan als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Auf dem nassen, moorigen Boden hat sich ein einzigartiger uriger Naturwald entwickelt, der seit Jahrzehnten nicht mehr forstlich bewirtschaftet wird. Die dort wachsenden Laubbäume eignen sich nur als Brennholz. Der aktuelle Forstwirtschaftsplan für 2015 sieht vor, in diesem Bereich auch Laubholz einzuschlagen.

Der Gemeindeförster begründete dies uns gegenüber mit den guten Preisen für Energieholz. Bereits in unserem Wahlprogramm hatten wir angekündigt, diese Flächen dauerhaft aus der forstlichen Nutzung herauszunehmen zu wollen und den Wald sich selber zu überlassen. Wenn wir jetzt zulassen, dass dort alte Eichen und Birken entnommen werden, zerstören wir den Charakter dieses Waldes unwiederbringlich. Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist ein solcher Wald einmalig.

Wir fordern den Förster auf, für die Deckung des Bedarfs an Energieholz andere, weniger schützenswerten Waldbereiche zu benennen und den Forstwirtschaftsplan entsprechend abzuändern. Für die Beratung im UTF wäre es auch sinnvoll, die aus diesen Abteilungen geplanten Erlöse zu beziffern. Das Gebiet zeichnet sich weiter dadurch aus, dass dort seltene Relikte urzeitlicher Palsen zu finden sind. Das Hohe Venn ist in Mitteleuropa die Region, in der noch Palsen zu finden sind.

Das unterstreicht noch einmal die Einzigartigkeit und den Schutzwert der hier bei uns vorhandenen erdgeschichtlichen Strukturen. Aus naturschutzfachlicher Sicht wird angenommen, dass diese Palsen zum jetzigen Zeitpunkt noch renaturierbar sind, da noch kleine Restbestände der für Palsen typischen Moorvegetation vorhanden sind. Als Sofortmaßnahme müssten die Wälle der Palsen fachgerecht wiederverschlossen werden sowie der Fichtenbestand in der direkten Umgebung zurückgenommen werden. Derzeit sind die Palsen geöffnet und das Gebiet ist mit Entwässerungsgräben durchzogen.

Dadurch ist Funktion des Waldes als Wasserspeicher stark eingeschränkt. Ein Wiederverschließen der Palsen und der künstlichen Entwässerungsgräben kann diese Funktion wiederherstellen. Und vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Hochwasserschutz an der Vicht sind auch solche Maßnahmen nicht zu unterschätzen“, schließt Ingrid Karst-Feilen, sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, ihre ausführliche Stellungnahme.

„Der großflächige Eichen-Birkenwald im Westen des Gebietes ist durch seine naturnahe Prägung von sehr hohem Wert.“

Naturnähe Wälder erhalten

Außerdem verweisen die Grünen noch auf die Darstellung im Erläuterungsbericht zum Forstwirtschaftsplan. Darin heißt es: „Das FFH-Gebiet mit seinen angrenzenden Naturschutzgebieten ist auf der deutschen Seite das einzige Gebiet, in dem Relikte der offenen und halboffenen Lebensräume des Hohen Venns noch flächig vorhanden sind und mit wertvollen Relikten der angrenzenden natürlichen Waldvegetation (Birkenmoorwälder, Birken - Eichenwälder) vernetzt werden können.

Insbesondere die naturnahen Birken-Eichen-Wälder entlang der B258 nördlich von Fringshaus sind naturschutzfachlich von herausragender Bedeutung. Der Übergang von der natürlichen Waldvegetation an den Vennnordhängen zur offenen Moor- und Heidevegetation auf dem Vennplateau ist hier exemplarisch wieder herzustellen. Hierzu sollten sämtliche Fichtenbestände in der „Erweiterungsfläche“ entfernt und die Gräben inkl. der Wegerandgräben geschlossen werden.“

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