Massenandrang bei Aktion "Weihnachtsbäume selber schlagen"

Weihnachtsbaum-Aktion mit Charme : Zuerst diskutieren und dann absägen

Zehn Euro für die gewöhnliche Fichte, 15 Euro für die Blaufichte und 20 Euro für die Edeltanne: Dieses Angebot lockte am Samstag wieder rund 1500 Besucher in die Weihnachtsbaumkulturen des Forstbezirks Buhlert.

Bei leichten Minustemperaturen, aber trockener Witterung, verfolgten alle Gäste das gleiche Ziel, nämlich den idealen Baum fürs Fest zu finden. Meist in Gruppen schlugen die potentiellen Käufer auf, um auf der insgesamt drei Hektar großen Fläche entlang der Landstraße 246 fündig zu werden. Die seit rund 20 Jahren angebotene Aktion der Gemeinde Simmerath mit dem auffordernden Motto „Schlagen Sie Ihren Weihnachtsbaum selbst!“ sorgte auch in diesem Jahr für Massenandrang in der Schonung und hohes Verkehrsaufkommen entlang der Straße.

Nach fünf Stunden konnte Gemeindeförster Dietmar Wunderlich, der mit seinem achtköpfigen Team insgesamt drei Verkaufsstellen eingerichtet hatte, wieder eine positive Bilanz ziehen: 220 Fichten, 83 Blaufichten, und 162 Edeltannen hatten den Besitzer gewechselt. Mit insgesamt 465 verkauften Nadelbäumen bewegte sich Aktion leicht unter der Größenordnung des Vorjahres (534 Bäume). Die rund 6685 Euro Einnahmen decken in etwa die Kosten. Einen forstwirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, sei auch nicht das vorrangige Ziel, erläutert Wunderlich, der die Aktion seit 17 Jahren betreut. Die Möglichkeit, Weihnachtsbäume im Rahmen eines kleinen Familienausfluges selbst zu schlagen, habe sich zu einer beliebten Tradition entwickelt, denn neben der freien Wahl des Weihnachtsbaumes bietet der Besuch im Buhlert auch nach weitere Besonderheiten. Die Kinder können am Feuer Stockbrot selber backen, und beim Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath gibt es warme Getränke und Glühwein. Hier wurde ein bemerkenswerter Erlös in Höhe von 835 Euro erzielt, der dem Förderverein zugutekommt. „Die Aktion hat einfach einen ganz besonderen Charme“, beschreibt Wunderlich das Weihnachtsbaum-Event im Buhlert.

Das passende Exemplar gefunden: Auch Markus Kernegger aus Roetgen und seine Familie verband die Suche nach dem passendem Baum mit einem kleinen Ausflug. Foto: Peter Stollenwerk

Den Bedarf an Weihnachtsbäumen wird die Gemeinde Simmerath im Buhlert auch weiterhin über Jahre hinaus decken können, erläutert Dietmar Wunderlich. Jährlich würden rund 2000 Bäume nachgepflanzt. Da die Fichte im Jahr rund 50 Zentimeter an Höhe zulege und die Edeltanne zwischen 30 und 40 Zentimetern, brauche man sich um den Nachwuchs an Nadelbäumen also keine Sorgen zu machen. Auch der trockene Sommer 2018 habe den Beständen kaum zugesetzt, die Bäume fänden in tieferen Bodenschichten immer noch genug Nahrung. Allenfalls bei den Neuanpflanzungen habe es erhöhte Trockenschäden gegeben; etwa 500 Jungpflanzen konnten sich nicht durchsetzen, was aus forstwirtschaftlicher Sicht aber kaum ins Gewicht falle. „Die Bäume wachsen ganz natürlich auf und kommen auch nicht mit Chemie in Berührung. Mehr Bio geht nicht“, sagt der Gemeindeförster, der diesen Aspekt bei den zukünftigen Aktionen noch stärker herausstellen möchte. Die Weihnachtsbaumkulturen befinden sich unmittelbar unter der Hochspannungsleitung. In diesem Bereich ist Forstwirtschaft ohnehinnur eingeschränkt möglich, und so bieten die Weihnachtsbaumkulturen die einzig möglich sinnvolle Nutzung.

Aus dem gesamten Rheinland finden sich inzwischen Besucher ein, aber ob Einheimische oder Gäste: Das Ritual des Weihnachtsbaumschlagens läuft fast immer nach dem gleichen Muster ab: Zuerst einmal wird das Angebot begutachtet, dann wird in der Schonung mit Kindern und Ehefrau diskutiert, und schließlich setzt der Vater als finalen Akt die mitgebrachte Handsäge an. Dieses Vorgehen kann auch Jens Schiemann bestätigen. Der junge Familienvater aus Eilendorf ist mit seinen beiden Kindern zum zweiten Mal im Buhlert. „Für die Kinder ist das ein Riesenspaß“, erzählt er, „auch wenn wir ausgiebig diskutiert haben, ehe wir den richtigen Baum gefunden hatten.“ Doch viel wichtiger als die perfekte Form sei das gemeinsame Erlebnis in der Natur, erzählt Schiemann, der sich die auserwählte Edeltanne unter den Arm klemmt und zum Auto transportiert. Schon am Sonntag , also zwei Wochen vor Weihnachten, werde der Baum bereits aufgestellt. „Das machen immer mehr Leute so“, erzählt er.

Alle Hände voll zu tun hatte das Waldarbeiterteam rund um Simmeraths Gemeindeförster Dietmar Wunderlich bei der Aktion im Buhlert. Foto: Peter Stollenwerk

Deutlich später, nämlich einen Tag vor Weihnachten wird der Baum bei Familie Kernegger aus Roetgen aufgestellt, die ebenfalls bei ihrem inzwischen dritten Besuch im Buhlert fündig geworden ist. „Natürlich gibt es immer Diskussionsbedarf bei der Auswahl “, sagt Markus Kernegger lachend, „aber für uns steht der gemeinsame Ausflug im Mittelpunkt.“

Entspannend war die Aktion auch für Dietmar Wunderlich. „Der Andrang hat sich über den ganzen Tag gleichmäßig verteilt. Das war sehr angenehm für alle Beteiligten“, sagt er und netzt zufrieden den nächsten Baum ein.

((P. St.))