1. Lokales
  2. Eifel

Kesternich: Mannshohe Schönheiten werden gekocht

Kesternich : Mannshohe Schönheiten werden gekocht

Die „Mutter aller Herkulesstauden” im Weidenbachtal, so vermuten Fachleute, hat auf der alten Deponie gestanden. Dort werden derzeit auch ihre Nachkommen bekämpft.

Seit Mittwoch ist eine Konzener Fachfirma zu Gange, kocht die Knollen nach einem Lanzenstich und duscht die Blätter des Riesen-Bärenklaus mit einer tödlichen Lösung.

Firmenchef Udo Thoma ist, wie auch die Fachleute der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Aachen überzeugt, dass sich die gefährliche Herkulesstaude von der ehemaligen Müllkippe aus verbreitet hat.

Früher Samen im Fachhandel

Ob man die Samen der Herkulesstaude auch heute noch im Fachhandel kaufen kann, ist nicht bekannt. Früher jedenfalls war das möglich, und so landete die imposante Pflanze in zahlreichen Gärten als Ziergewächs.

Weil sie aber zu viel Platz wegnahm und die Haut selbst bei leichter Berührung brannte, wurde sie abgehackt und auf die Müllkippe gefahren. Wie man inzwischen weiß, keine gelungene Lösung.

Denn nur Hitze kann die Giftpflanzen erledigen. Ansonsten überleben die Samen, bis zu 50.000 Stück pro Staude, und verbreiten sich durch Wind und Wasser.

So ist es also nicht nur die alte Regel, das Übel an der Wurzel zu packen, die Udo Thoma und seine Mitarbeiter im Weidenbachtal an die Arbeit treibt. Es gibt auch noch andere Gründe.

Einer ist die unmittelbare Nähe des Grillplatzes. Die Gefährdung der Benutzer ist groß, weil aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit die notwendige Distanz zum Riesen-Bärenklau nicht eingehalten wird.

Denn bei Berührung aller Pflanzenteile werden in Verbindung mit UV-Strahlung die phototoxischen Substanzen der Herkulesstaude freigesetzt, die zu Verbrennungen 1. und 2. Grades führen können, schlimmstenfalls sogar zu Hautkrebs.

Der zweite Grund: Der Weidenbach mündet in den Rursee und stellt einen idealen Transportweg für die Samen der Herkulesstaude dar. Die Samenkörner landen irgendwann am Seeufer an und breiten sich rund um den Rursee aus. Spätestens dann läuft die Angelegenheit aus dem Ruder. Deshalb wird jetzt gehandelt.

Viele junge Pflanzen sind auf dem Terrain zu finden, aber auch etliche bis zu vier Meter hohe Prachtexemplare dieser botanischen Schönheit.

Für Udo Thoma und seine Mitarbeiter keine einfache Aufgabe, denn teilweise fällt der Hang so steil ab, dass sich der Lanzenträger mit dem restlichen Equipment quasi abseilen muss. Doch es hilft nichts: Werden die großen Stauden im unteren Teil des Tales nicht erledigt, ist die ganze Arbeit für die Katz´.

Harmloser kleiner Bruder

Der Riesen-Bärenklau unterscheidet sich von seinem kleinen Bruder, dem völlig harmlosen Bärenklau, nicht nur durch seinen hohen Wuchs. Auch die Blätter des Riesen-Bärenklaus sind ebenfalls viel größer und „zackiger”.

Außerdem trägt der Riesen-Bärenklau im Gegensatz zum Bärenklau auf dem Stengel violette Punkte. Doch, um das festzustellen: Nur gucken, nicht anfassen!