Konzen: Manege frei für bleibende Erinnerungen beim Mitmachzirkus

Konzen : Manege frei für bleibende Erinnerungen beim Mitmachzirkus

Fast schon geheimnisvoll umgibt das dämmrige Licht das Innere des Zirkuszeltes. Kinderaugen, die gespannt das Geschehen in der Manege beobachten. Es ist noch früh am Morgen, die Ferienkinder haben sich im Zelt versammelt, um sich danach weiter auf ihre große Premiere vorzubereiten.

Für eine Woche hat der Circus Soluna sein rot-gelbes Zelt auf dem Konzener Dorfplatz aufgeschlagen. Bei dem Sommerferienprogramm studieren 150 Kinder aus der Nordeifel in 20 verschiedenen Gruppen allerlei Kunststücke ein.

Das Angebot reicht von Akrobatik und Seiltanzen über Zauberei bis hin zum BMX-Fahren. Dabei wird nicht nur das Gruppengefühl der Ferienkinder gestärkt, die kleinen Nachwuchsartisten wachsen auch selbst über sich hinaus. Einmal im Mittelpunkt stehen, tosenden Applaus von hunderten Zuschauern nach einer gelungenen Aufführung ernten, „das streichelt einfach die Kinderseele. Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder profitiert durch den Mitmachzirkus ungemein“, sagt Ralf Pauli.

„Resonanz ist riesig“

Ralf Pauli organisiert als Jugendpfleger des Amtes für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen das Ferienprojekt in diesem Sommer bereits zum elften Mal. „Eigentlich sollte das damals nur eine einmalige Nummer werden, aber weil die Resonanz so riesig war, haben wir das Projekt fortgeführt. Die Termine für die nächsten zwei Jahre stehen schon fest“, sagt Pauli. Die Kinder würden in dieser Zeit über sich hinauswachsen. Das bliebe natürlich hängen und motiviere.

Währenddessen sitzen 20 kleine Seiltänzerinnen in ihrer Gruppe zusammen. Bevor das Training losgeht, werden nochmal die Übungen besprochen. „Ihr dürft euch zunächst eine der Figuren aussuchen — den Stern, das Vogelnest oder die Fahne“, sagt eine der Betreuerinnen.

Ungewöhnliche Herausforderungen, viel Bewegung und spielerische Herangehensweisen bietet der Mitmachzirkus. „So wird den Kindern klar gemacht, dass jeder etwas Besonderes erreichen kann. Für jedes Kind gibt es hier das Richtige“, sagt Katrin Sittinger, Direktorin und Artistin vom Circus Soluna. Das Team veranstaltet nicht nur solche Sommerferienprojekte, sondern zieht mit ihrem Zirkusprojekt durch Schulen und Kindergärten quer durch Deutschland, Belgien und Österreich.

Aufgebaut wurde das rot-gelbe Zelt am Sonntag von zahlreichen Eltern und Helfern. „Und am Montag kamen dann die Kinder“, sagt Pauli. 30 ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer helfen jetzt die Woche über dabei, die Kinder auf ihre große Premiere vorzubereiten.

Darunter sind neben Eltern und Betreuern aus den Vorjahren auch einige Jugendliche dabei, die damals selbst als kleine Artisten bei der Ferienaktion mitgemacht haben. Bereits am Wochenende wurden sie von den verantwortlichen Pädagogen und Artisten des Circus Soluna zum Umgang mit den Kindern geschult. Die Premiere ist am Samstag. In zwei Durchläufen präsentieren die kleinen Künstler dann Familien und Freunden, was sie gelernt haben.

Dabei sei es laut Pauli einfach unglaublich, was die Kinder in dieser kurzen Zeit für eine Entwicklung machten. „Die kommen am ersten Tag als völlig fremde Kinder nach hier, kennen sich teilweise untereinander nicht, und gehen nach den Premieren mit Tränen in den Augen, weil es schon vorbei ist“, sagt der Jugendpfleger und erinnert sich an die vergangenen Jahre.

Als würde er nie etwas anderes gemacht haben, so schmeißt Max-Fritz den Doppelkegel, der in der Mitte mit einer Achse verbunden ist, in die Luft. Geschickt fängt er den Körper mit einem Seil, an dessen Ende sich zwei Handstöcke befinden, auf. Diabolo nennt sich das.

Auf Interessen eingehen

„Am Montag konnten sich die Kinder alle 20 Möglichkeiten angucken und ausprobieren. Danach mussten sie sich entscheiden, jetzt wird geprobt“, sagt Pauli. Der Zirkus gehe sehr stark auf die Interessen der kleinen Nachwuchsartisten ein. Trotz der kurzen Zeit, lernten die Kinder unheimlich schnell und viel.

Hauptsponsor ist die Raiffeisenbank Simmerath und die Monschauer Land Touristik, ohne die das Projekt nicht funktionierte. „So können wir den Teilnehmerbeitrag gering halten, damit sich das hier viele leisten können“, sagt Pauli. Bei der Organisation unterstützt das Familienzentrum der Städteregion.

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