Lammersdorf: Märchenklassiker: Stadtmusikanten „heizen ein“

Lammersdorf: Märchenklassiker: Stadtmusikanten „heizen ein“

Obwohl die Hauptdarsteller ohne Zweifel tierisch gut spielten, konnten sie im Endeffekt auch bei der Premiere am letzten Wochenende im Lammersdorfer Pfarrheim nicht den Nachweis ihrer Musikalität erbringen. Dies tat der Begeisterung bei den 60 Besuchern aber keinen Abbruch, da weder sie, noch die Kenner der deutschen Märchenszene erwartet hatten, dass ein aus den Federn der Gebrüder Grimm entstandener Hahn, eine Katze, ein Hund und ein Esel sich zu professionellen Musikern entwickeln.

Die Theatergruppe des Heimatvereins Lammersdorf hatte zu ihrem traditionellen Weihnachtsmärchen geladen und präsentierte auf den Bühnenbrettern des Pfarrheims zum allgemeinen Vergnügen der großen und kleinen Besucher den Märchenklassiker der Gebrüder Grimm „Die Bremer Stadtmusikanten“.

Unabhängig von den aufwendigen Bühnenbildern hatte sich der Heimatverein schon bei der Außengestaltung des Pfarrheims und im Eingangsbereich mächtig ins Zeug gelegt.

Alles strahlte im weihnachtlichen Glanz, so dass den Besucher bereits im Vorfeld ein angenehmes Ambiente geboten wurde. Mit diesem war es für die tierischen Protagonisten im Stück endgültig vorbei.

Ihre Besitzer, das Bauernehepaar Fritz und Hanna (Erich Offermann und Ute Bartz-Jacobs) teilten ihren Tieren kurz und schmerzlos mit, dass sie infolge ihres Alters nicht mehr nützlich seien und es ihnen daher an den Kragen gehen sollte. Der Esel (Lioba Wynands-Görke) war alt und schwach, der Hund (Elena Jacobs) konnte nicht mehr gut riechen, die Katze (Leonie Engelter) sah fast nichts mehr und der Hahn (Roman Schädler) krähte immer zur falschen Zeit.

Aufgrund der mitgeteilten Hiobsbotschaft machte sich das Quartett aus dem Staub, um in Bremen Stadtmusikanten zu werden. Eine turbulente Reise durch dunkle Wälder stand daher an, wobei in der Lammersdorfer Inszenierung eine achtköpfige Tanzgruppe mit einer gelungenen Schwarzlichtvorführung die Spannung noch zu steigern wusste.

Gekonnt führten im übrigen das Kräuterweib Kathi und ihr Gehilfe Wurzel (Iris Kahl und Ann-Cathrin Jacobs) durch die gesamte Handlung. Das Duo begeisterte ebenso, wie die bald im Wald auftauchende furchterregende und tölpelhafte Räuberbande, die vom glänzend aufgelegten Holger Günzl und seiner Räuberbraut Fanny (Feline Savelsberg) geführt wurden. Die Räuber Schummel und Schwindel (Nadine Feuchter und Josh Alders) machten dabei ihrem Namen alle Ehre.

Räuberische Viererbande

Dass die betagten Bremer Stadtmusikanten bei ihrem Anblick zunächst verängstigt waren, verwunderte nicht. Letztlich nahmen sie aber all ihren Mut zusammen und bildeten im Kampf gegen die räuberische Viererbande eine kämpferische Notgemeinschaft. Im Ringen um ein Haus im Wald, in dem sich die Räuber breit gemacht hatten, kam dem Hahn als jüngstes Ensemblemitglied, das zwischendurch immer wieder als „halbes Hähnchen“ bezeichnet wurde, als Motivator neue Bedeutung zu.

Vor dem Generalangriff auf die neue Räuberhochburg meinte das halbe Hühnchen keck: „Gehen wir nach Bremen und heizen denen dort mal so richtig ein“. Dieses Vorhaben gelang natürlich durch einen geschickt ausgetüftelten Plan, bei dem die gebildete Tierpyramide bei den Räubern für Angst und Schrecken sorgte.

Weitere Aufführungen

Am nächsten Wochenende stehen die Bremer Stadtmusikanten mit drei weiteren Vorführungen im Lammersdorfer Pfarheim wieder auf dem Programm. Am kommenden Samstag wird das Stück um 15 Uhr aufgeführt und am 15. Dezember stehen um 10.30 Uhr und 15 Uhr zwei weitere Aufführungen an.

Von den Bremer Stadtmusikanten, einem der Wahrzeichen der Hansestadt, steht neben dem dortigen Rathaus übrigens seit 1953 eine zwei Meter hohe Bronzestatue. Verbreitet ist in dem Zusammenhang, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man die Vorderbeine des Esels umfasst.

(ho)