Schwammenauel: Maastrichter lässt Motorrad segnen - der Mutter zuliebe

Schwammenauel: Maastrichter lässt Motorrad segnen - der Mutter zuliebe

„Ich bin eigentlich nur meiner Mutter zu Liebe hier. Die macht sich weniger Sorgen, wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin, wenn ich es vorher segnen lasse.” Willem Vanderkant ist 36 Jahre alt und eigens aus Maastricht nach Schwammenauel in die Eifel gekommen.

Es ist 10.30 Uhr, und der „Obere Parkplatz” direkt am Rursee ist schon mächtig voll. In einer halben Stunde findet dort ein großer Open-Air-Gottesdienst mit Prälat Karl Schain aus Aachen und Diakon Michael Ruland aus Mechernich-Kalmuth mit anschließender Fahrzeugsegnung statt.

Noch bis 12. September

Noch bis Sonntag, 12. September, gibt es an jedem Sonn- und Feiertag um 11 Uhr auf diesem Parkplatz einen Gottesdienst. Der ist immer gut besucht, aber zur Fahrzeugsegnung kommen besonders viele Menschen. So auch am Donnerstag. Schon früh waren hunderte Autos, Motorräder und Wohnmobile vor Ort, aus Düren und mit Aachener, Euskirchener, Bergheimer und niederländischem Kennzeichen.

Viele bleiben in ihren Wagen sitzen, andere haben sich Klappstühle mitgebracht und setzen sich direkt vor den Altar, der auf einem Hügel etwas geschützt aufgebaut ist. Zwei Polizisten sind vor Ort, um den Verkehr zu regeln, Helfer verteilen Liedblätter, außerdem werden kleine Fähnchen ausgegeben, die manche Gläubige sich auf ihr Fahrzeugdach stellen. Martin Hüscken (85) aus Heimbach erklärt: „Wer so ein Fähnchen hat, bekommt die Kommunion bis ins Auto gebracht. Das ist gut, meine Frau kann nämlich nicht mehr gut laufen.”

Die meisten Gottesdienstbesucher sind deutlich jenseits der 50, aber es kommen auch einige jüngere. So wie Willem Vanderkant. „Mein Freund ist vor drei Jahren mit dem Motorrad in der Eifel übel verunglückt. Seitdem hole ich mir hier den Segen, obwohl ich überhaupt nicht katholisch bin. Aber es gibt mir ein besseres Gefühl.”

Mit Gottes Segen besser fahren

Die Touristengottesdienste haben in Schwammenauel eine lange Tradition. Bereits 1963 hat sich Pater Leppich beim damaligen Aachener Bischof Dr. Johannes Pohlschneider dafür eingesetzt. „Wir kommen schon 30 Jahre zur Fahrzeugsegnung”, sagt Peter Bauer aus Düren. „Der Pfingstmontag ist für uns ein fester Termin. Mit Gottes Segen fährt es sich besser.”

„Zumindest hat man ein besseres Gefühl”, ergänzt Marlene Kalmuth aus Hürtgenwald. Nach wie vor passieren in der Eifel zahlreiche Motorradunfälle, allein an Pfingstsamstag vier. Zwei Fahrer wurden schwer verletzt, mussten ins Krankenhaus. Einer schaute zu lange zurück und kam von der Fahrbahn ab, ein anderer fuhr eine Böschung hoch, der nächste knallte gegen die Leitplanken, das Motorrad fuhr führerlos noch 200 Meter weit. Der Letzte übersah beim Wenden einen Pkw.

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