Roetgen: Lit.Eifel-Premiere in der Wanderstation Roetgen mit britischem Humor

Roetgen: Lit.Eifel-Premiere in der Wanderstation Roetgen mit britischem Humor

Spätestens seit Erscheinen ihres erfolgreichen Debütromans „Der Pfau“ gilt Isabel Bogdan als Expertin für typisch britischen Humor. Humor bewies die Schriftstellerin und preisgekrönte Übersetzerin englischer Literatur auch, als sie jetzt für ihre Lesung im Rahmen der Lit.Eifel-Lesung von ihrem Wohnort Hamburg nach Roetgen reiste, und zwar eine gehörige Portion von der Sorte Galgenhumor.

Selbst ihr als bekennendem Bahnfan trotzte die zweistündige Verspätung des Zuges, gepaart mit dem Ausfall der Klimaanlage an einem der heißesten Tage dieses Sommers, Gleichmut ab. „Klimaanlagen sind für Weicheier“ und „Duschen wäre schön gewesen. Aber man kann wohl nicht alles haben“, simst sie den Lit.Eifel-Organisatoren von unterwegs. Britisches Understatement? Als sie nach sechsstündiger Zugreise und anschließender gut einstündiger Autofahrt von Köln in die Eifel pünktlich mit der Lesung in der Wanderstation in Roetgen beginnt, tut sie das trotzdem gut gelaunt.

Die Begrüßung übernimmt Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss, der sich auf die Premiere freut, denn in der rustikalen Atmosphäre der Wanderstation, zugleich Nationalpark-Infopunkt, ist dies die erste Autorenlesung. Den Zuhörern, die das Buch noch nicht kennen, gibt sie eine lockere Einführung in die Geschichte um einen verrückt gewordenen Pfau auf einem etwas heruntergekommenen Landsitz in den schottischen Highlands und einer Gruppe Banker, die sich dort zum Teambuilding-Seminar samt eigener Köchin und Psychologin einquartiert.

Der hormonell verwirrte Pfau attackiert alles, was blau ist, so auch den blau-metallic lackierten Wagen der Investmentbanking-Abteilungsleiterin. Mit viel Sinn für Situationskomik und Gespür für die Befindlichkeiten ihrer Figuren erzählt Isabel Bogdan von einem turbulenten Wochenende. Zumindest den durchgedrehten Pfau gab es tatsächlich, nämlich auf dem Anwesen von Freunden in Schottland, erzählt Isabel Bogdan dem amüsierten Lit.Eifel-Publikum.

„Die Geschichte war so abgefahren, dass ich sie aufschreiben musste.“ Später habe sie dann erfahren, dass merkwürdiges Verhalten von Vögeln gar nicht mal so selten sei, wenn diese ihre vermeintlichen Rivalen vertreiben wollen. „Etwa vier Millionen mal“ seien ihr Berichte über einen randalierenden Storch in Brandenburg zugemailt und im Urlaub sogar einmal auf die Mailbox gesprochen worden, berichtet sie schmunzelnd.

In der Gesprächsrunde, die sich an die Lesung anschließt, bekennt sie freimütig, dass zwei Ängste sie während des Schreibens geplagt hätten: „Zum einen, die Angst nicht zu wissen, wie meine eigene Autorenstimme klingt, denn als Übersetzerin bin ich es ja gewohnt, so zu schreiben wie andere. Die andere Angst war: Mir fällt nichts ein.“ Weder die eine noch die andere Angst war begründet.

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Ideen kommen, wenn ich mich hinsetze und schreibe.“ Nur das Schreiben parallel zum Übersetzen habe „überhaupt nicht funktioniert“, letztlich habe sie sich dann freigenommen, um ihr Buch zu vollenden. Ihre anhaltende Freude über das erste eigene Buch äußert sie auch in Roetgen unverhohlen: „Das eigene Buch in den Händen zu halten, und da steht der Name drauf, und man wird zu Lesungen eingeladen — das ist der Wahnsinn!“

Ob sich auch englische Verlage für den „Pfau“ interessieren würden, fragt eine Frau. „Was hier als britischer Humor gilt, kauft kein britischer Verlag“, verneint Isabel Bogdan. Generell sei die Übersetzungskultur im englisch- und amerikanischsprachigen Raum viel weniger ausgeprägt, erklärt sie.

Ihr Buch selbst ins Englische zu übersetzen, komme nicht in Frage: „Man übersetzt immer in die Muttersprache.“ Zum Abschluss signiert die sympathische Autorin mitgebrachte oder gekaufte Bücher, bevor sie mit ihren ebenfalls anwesenden Eltern zurückfährt, um die Lit.Eifel-Lesung mit einem Heimatbesuch in ihrer Geburtsstadt Köln zu verbinden.

(pp)