Simmerath: Leiterin des Jugendcafés: „Liebe die Abwechslung in meinem Beruf“

Simmerath: Leiterin des Jugendcafés: „Liebe die Abwechslung in meinem Beruf“

Freunde treffen, gemeinsam spielen oder auch Ausflüge bis in die Niederlande machen - das können die Jugendlichen aus Simmerath und aus der ganzen Nordeifel schon seit zehn Jahren im Simmerather Jugendcafé. Unstimmigkeiten mit den Nachbarn der Einrichtung wurden überwunden, Jugendlichen Vieles ermöglicht und Kooperationspartner wie das Helena-Stollenwerkshaus gefunden.

Am Samstag lädt das Jugendcafé in die Bickerather Straße 1 ein, um gemeinsam einen Rückblick auf zehn Jahre Jugendarbeit zu werfen. Unsere Mitarbeiterin Julia Bäumler sprach mit der Leiterin Babette Siewe über Entwicklung, Schwerpunkte und Konflikte des Jugendcafés Simmerath.

Breakdance im Jugendcafé Simmerath: Ob wöchentlicher Treff oder besondere Events — seit zehn Jahren bietet die Einrichtung an der Bickerather Straße einen Anlaufpunkt für junge Leute. Foto: Archiv/Stollenwerk

Warum haben Sie überhaupt die Leitung des Jugendcafés in Simmerath im Jahr 2009 übernommen?

Babette Siewe: Ich war auf der Suche nach einer anderen Stelle, da ich aufgrund meiner Familiensituation meine Stunden kürzen wollten. Dann bin ich auf diese Stelle hier gestoßen, und die Arbeit hier lässt sich gut mit meinem privaten Leben und mit meinen Kindern, die erst sieben und neun Jahre alt sind, kombinieren.

Mit welcher Motivation gingen sie an die Arbeit mit Jugendlichen?

Siewe: Ich sage mal so: Jugendarbeit hat sich für mich nach meinem Studium einfach ergeben. Mehr oder weniger zufällig, als ich eine Stelle im Jugendzentrum Mayen, in der südlichen Eifel, bekam. Und das fand ich so toll, dass ich in dem Beruf geblieben bin. Es ist einfach ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Von der Planung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit mache ich eigentlich alles. Und das ist unheimlich vielfältig; das liebe ich an diesem Beruf.

Blicken wir zurück zu dem Zeitpunkt, an dem das Jugendcafé gegründet wurde. Wie kam es dazu?

Siewe: Das Café wurde ja von Dr. Stefan Zaum, Rolf und Gabriele Schwartz und Alexander Wilden gegründet. In der Satzung wurden sich damals vier Punkte zum Ziel gesetzt. Das sind Freizeit, Bildung, Ferien und Begegnung. Diese Ziele finde ich ganz wichtig und vertrete sie auch hier vor Ort. Unter Freizeit fällt der offene Treff, wo die Jugendlichen Spiele spielen, Freunde treffen oder zusammen kochen können.

Zur Bildung haben wir zum Beispiel eine Führung in Vogelsang gemacht, machen aber auch verschiedenen Veranstaltungen zur Berufswahl. Dann haben wir noch ein Ferienprogramm. Wir fahren dann in den Kletterwald, machen Kanufahrten, und in diesem Jahr haben wir auch schon unsere vierte Reise gemacht. Es ging auf die niederländische Insel Vlieland. Und Begegnung findet hier vor Ort statt und auch mit anderen Institutionen, wie das Helena-Stollenwerkshaus oder die Grenzlandjugend Roetgen, so dass Jugendliche lernen, vorurteilsfrei mit anderen in Kontakt zu treten. Demnächst kooperieren wir auch mit der neuen Sekundarschule.

Die von ihnen genannten Gründer bildeten damals den Verein Jugendaktiv Simmerath. Welche Rolle spielt dieser heute?

Siewe: Der Verein ist halt der Träger der ganzen Geschichte. Ich bin sozusagen bei dem Verein angestellt. Das heißt, wenn wir so eine Veranstaltung wie das 10-jährige Bestehen feiern, ist der Vorstand anwesend, und die unterstützen mich auch.

Finanziert sich das Jugendcafé nur über den Verein?

Siewe: Nein, auch die Städteregion unterstützt die Einrichtung, besonders im Hinblick auf das Personal. Die Räumlichkeiten stellt uns die Gemeinde Simmerath zur Verfügung. Wir sind allerdings auch immer auf Spenden angewiesen, um den Jugendlichen, die nicht so viel Geld haben, auch Angebote und Reisen zu ermöglichen.

Wie viele Jugendliche nutzen das Angebot des Jugendcafés und wie oft?

Siewe: Also die meisten, die kommen, kommen auch regelmäßig. Wir haben hier einen Stamm von 20 bis 30 Jugendlichen. Die meisten von ihnen sind zwischen 14 und 16 Jahre alt.

Und warum kommen die Jugendlichen hierher?

Siewe: Zum einen treffen sie ihre Freunde hier im Jugendcafé, das ist glaube ich das Wichtigste für sie. Aber auch die Ferienprogramme werden angenommen. Allerdings ist es auch wichtig, dass immer jemand hier ist, der ein offenes Ohr für sie hat und auch mal Ratschläge gibt.

Sind sie auch außerhalb der Öffnungszeiten für die Jugendlichen zu erreichen?

Siewe: Ja. Ich sag mal, ich habe nicht so 'ne Sprechstunde, aber ich gebe auch meine Handynummer raus. Und es ist auch schon mal vorgekommen, dass jemand anruft und dann bin ich auch da. Genauso wie unsere Streetworker Heidi El-Hallani und Gerold Gröbel auch.

In welchem Verhältnis stehen sie den Jugendlichen gegenüber?

Siewe: Also ich würde sagen, das ist einerseits ein freundschaftliches Verhältnis, andererseits bin ich auch eine Autoritätsperson und verhänge auch mal ein Hausverbot, wenn sich Jugendliche nicht an Regeln halten.

Welche Bedeutung hat das Café für die Entwicklung der Jugendlichen?

Siewe: Das ist eine schwierige Frage, denn den Erfolg festzuhalten, ist nicht so einfach, weil man ja nicht sagen kann, was ohne das Café aus den Jugendlichen geworden wäre. Aber generell denke ich schon, dass es den Jugendlichen hilft. Und ich versuche hier ständig ihren Horizont zu erweitern, so dass die Jugendlichen auch mal in den Urlaub fahren können. Wir machen hier auch Angebote zur Alkohol- und Drogenprävention. Und ich glaube schon, dass es hilft, sich, wie zum Beispiel vor kurzem, mit einem seit zehn Jahren trockenen Alkoholiker zu unterhalten, der das hautnah miterlebt hat.

Gibt es bei den Treffen auch schon mal Konfliktpotenzial?

Siewe: Das gibt es schon mal, es kommt immer wieder vor, dass Reibereien sind, wo man auch schon mal dazwischen gehen muss. Aber die Probleme werden dann in Gesprächen geregelt.

Wie nimmt die Nachbarschaft das Jugendcafé auf?

Siewe: Wir hatten am Anfang hier eine größere Anwohnerversammlung. Es ging darum, dass wir freitags bis 22 Uhr geöffnet haben, und da wurde es dann oft, wenn die Jugendlichen raus gingen, oder auf der anderen Straßenseite rauchten, etwas lauter. Aber ich glaube, wir haben das jetzt ganz gut im Griff, und ich sage den Jugendlichen natürlich auch, dass sie sich benehmen sollen. An dieser Stelle möchte ich auch ganz herzlich alle Nachbarn zu unserem Jubiläumsfest einladen. Wir wollen ein gutes Nachbarschaftsverhältnis führen können.

Denken sie denn, es fehlt in Simmerath generell an öffentlichen Jugendeinrichtungen, insbesondere mit Blick auf den Bushof.

Siewe: Das Problem ist, glaube ich, ein anderes. Manche wollen einfach nicht in eine öffentliche Einrichtung. Dazu kommt, dass bei uns im Jugendcafé Alkoholverbot ist, wir halten uns natürlich an das Jugendschutzgesetz. Und wenn es dann Jugendliche oder junge Erwachsene gibt, die etwas Alkoholisches trinken wollen, dann setzen sie sich an den Bushof. Und ich denke auch, würde es ein Alkoholverbot am Simmerather Bushof geben — das müsste dann natürlich auch kontrolliert werden —, wäre dieser Treffpunkt schon mal weg.

Was geben sie den Jugendlichen mit auf den Weg, die nach langer Zeit das Jugendcafé in Simmerath verlassen?

Siewe: Hoffentlich schöne Erinnerungen, Freunde fürs Leben und vielleicht auch ein Rüstzeug für ihren Charakter, weil sie hier einiges gelernt und ihre Persönlichkeit ein Stück gefestigt haben.

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