Lammersdorf: Lebensrettende Zellen für einen Leukämiekranken

Lammersdorf: Lebensrettende Zellen für einen Leukämiekranken

Das Schicksal der zehn Monate alten, an Leukämie erkrankten Maike hatte im Februar 2007 in der Eifel eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. In Roetgen hatte es Susanne Rautenhaus übernommen, eine Typisierungsaktion zur Gewinnung von potenziellen Stammzellenspendern zu organisieren.

Der damals 19-jährige Abiturient Kai Coenen aus Lammersdorf und sein Vater Johannes waren seinerzeit unter den ersten, die sich im Spendenlokal die zur Typisierung nötigen 500 Milliliter Blut abnehmen ließen. Mutter Andrea gehörte als Krankenschwester zu den vielen helfenden Händen im Hintergrund, die die Aktion möglich machten.

Der kleinen Maike konnte damals nicht mehr geholfen werden, aber in der Deutschen Knochenmarkspendedatei (DKMS) sind viele Menschen verzeichnet, die auf eine lebensrettende Spende warten. Mehr als zwei Jahre nach der Roetgener Aktion konnte jetzt Kai Coenen möglicherweise einem Schwerkranken das Leben retten.

Anfang des Jahres erhielt er eine erste Mitteilung der DKMS, dass er für einen Leukämiekranken als Spender infrage komme. Die Anfrage wurde zunächst wieder zurückgezogen, weil der Zustand des Patienten zu schlecht war. Vor einigen Wochen wurde die Anfrage jedoch erneut gestellt.

Der 22-Jährige willigte in eine Spende ein und unterzog sich den notwendigen Voruntersuchungen. Dabei wurde er auch ausführlich über die zwei möglichen Verfahren zur Spende informiert. Die direkte Entnahme von Knochenmarkzellen aus dem Beckenknochen birgt für den Spender immer auch ein gewisses Operationsrisiko, und so entschied er sich für die ihm angeratene so genannte Apherese.

Bei dieser Methode werden die Stammzellen aus dem fließenden Blut entnommen. An beiden Armen des Spenders werden venöse Zugänge gelegt. Das Blut fließt von einem Arm aus durch einen Zellseparator. Dieser isoliert die notwendigen Stammzellen aus dem Blut, und die restlichen Blutbestandteile fließen über den zweiten Zugang in den Körper zurück.

Zur Vorbereitung auf diesen Eingriff musste sich Kai mehrere Tage lang ein Medikament spritzen, das eine Anreicherung des Blutes mit Stammzellen bewirkt. Die Anwendung erzeugt grippeähnliche Symptome, ist aber seit 15 Jahren als ansonsten nebenwirkungsfrei erprobt. „Man wird dadurch noch nicht einmal arbeitsunfähig”, sieht er den Aufwand als gering an angesichts der 50-prozentigen Überlebenschance des Empfängers.

Nervenzehrende Tage

Dieser Tage wurden ihm in einer Frankfurter Klinik die Stammzellen durch den Blutspendedienst des DRK entnommen. Der zweitägige Aufenthalt war von der DKMS organisiert worden. Kai hatte sich für die Fahrt im eigenen Auto entschieden und hatte sich auch nicht begleiten lassen.

Ein mögliches Problem lag darin, dass der Empfänger schwergewichtig war - das einzige, was er über die ansonsten anonym bleibende Person erfuhr - und deshalb die Menge der Stammzellen des eher leichtgewichtigen Spenders nicht ausreichen könnte. Dann hätte die Prozedur zur Gewinnung weiteren Materials noch einmal wiederholt werden müssen. Dem war aber glücklicherweise nicht so, und Kai konnte noch am gleichen Tag die Heimreise antreten.

Etwas nervenzehrend waren die letzten Tage vor der Spende, erinnert sich Familie Coenen. Da der Empfänger auf den Eingriff unter anderem durch eine weitgehende Ausschaltung seines Immunsystems vorbereitet werden musste, hätte eine plötzliche Verhinderung des Spenders durch Unfall oder eigene Erkrankung lebensbedrohliche Folgen für den Patienten gehabt. „Da spürt man schon eine besondere Verantwortung”, blickt Kai zurück.

Aber es ist alles gut gegangen. Während des ganzen Verfahrens von der Voruntersuchung bis zur Spende habe er sich gut aufgehoben gefühlt und würde sich sofort wieder so entscheiden, erzählt der junge Auszubildende. Auch sein Ausbildungsbetrieb Grünenthal habe die Aktion durch Freistellung für alle nötigen Termine unterstützt.

Motivationsschub erhofft

„Nach einer großen Aktion wie damals in Roetgen wird sich anschließend so mancher Teilnehmer fragen, ob das Ganze überhaupt Sinn gemacht hat, weil man anschließend nichts mehr davon hört”, glaubt Vater Johannes Coenen und befürchtet, dass sich das negativ auf weitere Aufrufe zur Typisierung auswirken könne. Das Beispiel seines Sohnes zeige jedoch, dass sich der Aufwand selbst nach Jahren noch als segensreich erweisen könne. Auch Susanne Rautenhaus zeigte sich glücklich über den jetzt erzielten Erfolg und erhofft sich davon einen Motivationsschub für weitere Aktionen.

Nach hundert Tagen wird Kai Coenen mitgeteilt, ob seine Stammzellenspende erfolgreich war. Nach zwei Jahren wird die Anonymität des Empfängers aufgehoben.