Lammersdorf: Langschoß: Ein offenes Ohr für die Sorgen des Alltags

Lammersdorf: Langschoß: Ein offenes Ohr für die Sorgen des Alltags

Ein schöner Anblick ist die Flüchtlingsunterkunft Langschoß nicht. Dem dürften alle Beteiligten zustimmen. Mitten im Lammersdorfer Wald erhebt sich die graue Fassade des ehemals militärisch genutzten Gebäudes. Einladend sieht anders aus. Erst auf dem zweiten Blick zeigt sich, dass hinter den Mauern und den etwas düster anmutenden Gängen viel Herzblut steckt.

Zu verdanken ist dies 15 Männern und Frauen, die sich regelmäßig dafür einsetzen, dass die vielzitierte Willkommenskultur für die 50 in Langschoß untergebrachten Flüchtlinge keine leere Phrase bleibt. Geld erhalten sie dafür nicht. Ihr Einsatz ist ehrenamtlich.

Vielfältige Hilfe: Elisabeth Hövels-Höfler (Mitte) erklärt Myrvete und Jashar Prekazi aus dem Kosovo, wie er seine Augen nach einer Operation schonen muss. Eduard aus Syrien (rechtes Bild) gewinnt durch sein Fahrrad unersetzbare Mobilität. Fotos (3): Annika Kasties Foto: Annika Kasties

Zu sehen ist dieses Engagement in Langschoß an zahlreichen, teils unscheinbaren Ecken. Weiß auf grün erhebt sich im Aufenthaltsraum auf einer Tafel die Konjugation deutscher Verben. Ein Plakat an einer Tür erklärt, wie eine Zecke aussieht und wie diese nach dem Spielen auf der Wiese vom Körper zu entfernen ist — mit einer Mischung aus englischen, deutschen und französischen Wörtern. An der Hauswand lehnen alte, kürzlich reparierte Fahrräder.

Das Team des Arbeitskreises Langschoß um Leonie Lepers (3.v.r.) unterstützt Flüchtlinge im Alltag. Foto: Annika Kasties

Organisiert wird die Betreuung der Flüchtlinge vom Arbeitskreis Langschoß. Ehemalige Lehrer geben Deutschunterricht, Freiwillige begleiten die Flüchtlinge zum Arzt und zu Behördengängen. Andere widerum arbeiten im Hintergrund und bestücken PCs mit einer Software, mit der die Flüchtlinge auch computergestützt die deutsche Sprache lernen können.

Nicht nur Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns weiß: „Wenn wir die Ehrenamtler nicht hätten, wäre die Situation in Simmerath für die Flüchtlinge viel schlechter.“ Das städtische Personal könnte diese Arbeit nicht kompensieren.

Für Elisabeth Hövels-Höfler führt der Weg regelmäßig in die Flüchtlingsunterkunft. Geduldig erklärt sie Jashar Prekazi den Aufbau des menschlichen Auges. Nach einer Augenoperation muss der Mann, der mit seiner Frau Myrvete aus dem Kosovo geflohen ist, sein Auge schonen. „Viel trinken und nur auf der rechten Seite schlafen“, übersetzt Elisabeth Hövels-Höfler die Dokumente aus dem Krankenhaus in verständliches Deutsch.

Seit fünf Jahren leben Myrvete und Jashar Prekazi in Langschoß. Eine eigene Wohnung hat das Ehepaar bislang nicht finden können. Weil Myrvete Prekazi Probleme mit den Beinen hat, braucht das Paar eine Wohnung im Erdgeschoss. Die eigenen vier Wände kann Elisabeth Hövels-Höfler den Prekazis nicht herzaubern. Doch zuhören, das kann sie. Denn ein offenes Ohr reiche oftmals schon aus, damit sich Flüchtlinge willkommen fühlen.

Für Leonie Lepers, Koordinatorin und Sprecherin des Arbeitskreises, hängt die Integration der Flüchtlinge in die Gemeinde aber nicht nur am Engagement der Ehrenamtler. Sie hebt die Aufnahmebereitschaft der Simmerather Bürger allgemein hervor: „Der Rückhalt hier in der Nordeifel ist einmalig. Ich ziehe vor der Bevölkerung den Hut.“ Dank der hohen Spendenbereitschaft der Bürger verfüge mittlerweile jedes Zimmer in Langschoß über einen Fernseher. Zudem können sich die Flüchtlinge über einen Billard- und einen Tischtennistisch freuen.

Die mitunter wichtigsten Geschenke für die Flüchtlinge in Langschoß stehen jedoch auf zwei Rädern und lehnen an der Hauswand. Sein Fahrrad ist für Eduard unersetzbar. Dank des schwarz-pinken Drahtesels fährt der Syrer innerhalb von 15 Minuten von Langschoß nach Lammersdorf. Zu Fuß hat er für die Strecke eine Stunde gebraucht. Von Lammersdorf aus nimmt er den Bus in die nächstgrößere Stadt.

Grade jetzt sind die Fahrräder, die allesamt gespendet wurden, für die Flüchtlinge unerlässlich. Während der Schulferien hält kein Bus an der Flüchtlingsunterkunft.

Bei all der Hilfe, die den Flüchtlingen vom Arbeitskreis entgegen gebracht wird, die schlechte Verkehrsanbindung von Langschoß bleibt ein Problem. Das weiß auch Bürgermeister Hermanns. „Natürlich ist Langschoß nicht optimal angebunden“, gibt er ohne Umschweife zu. Doch die zentrale Unterbringung der Flüchtlinge biete bei deren Betreuung auch Vorteile. „Wir sind flächenmäßig die größte Gemeinde im ehemaligen Kreis Aachen“, sagt Hermanns. Das bedeute auch für die Betreuer lange Wege.

Um den Flüchtlingen mehr Mobilität zu ermöglichen, sucht der Arbeitskreis weiterhin nach Ehrenamtlern, die die Bewohner ab und zu mit dem Bus in die nächstgrößere Stadt fahren könnten. Ein Kleinbus steht in Langschoß bereit. „Außerdem suchen wir dringend Menschen, die bereit sind, eine Patenschaft zu übernehmen“, sagt Leonie Lepers. Und den Männern und Frauen ein offenes Ohr für ihre Sorgen zu bieten.