Landesjagdgesetz: Was bedeutet es für die Eifel?

Landesjagdgesetz : Eine „Rolle rückwärts“ sorgt für Diskussion

Der Entwurf eines neuen Landesjagdgesetzes in NRW sorgt für Diskussionen zwischen Jägern und Naturschutzorganisationen, auch in der Eifel. Laut Entwurf sollen wieder weitaus mehr Tierarten bejagt werden dürfen – darunter auch vom Aussterben bedrohte Tiere,  kritisieren Naturschutzverbände.

Außerdem sollen umstrittene Trainingsmethoden für Hunde zugelassen werden. Wie genau das Gesetz aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Klar ist aber: Die schwarz-gelbe Landesregierung verabschiedet sich vom rot-grünen ökologischen Jagdgesetz und nähert sich wieder dem Vorgängermodell an.

In der Eifel sehen die Jäger „die Rolle rückwärts“ positiv, weiß Karl-Heinz Kuckelkorn. „Es ist sehr wichtig für uns, dass wieder mehr Tiere ins Jagdrecht aufgenommen werden, damit wir uns um die Tiere kümmern können und im Fall einer Überpopulation reagieren können“, sagt der Jagdberater der Städteregion Aachen.

Denn wenn die Population einer Tierart wächst, weil sie keinen natürlichen Feind hat, können sich mögliche Krankheiten schneller verbreiten, erklärt der Jäger aus Lammersdorf. Ein Beispiel ist die Afrikanische Schweinepest, die bereits Nachbarländer wie Belgien erreicht hat. Auch die Fuchsräude sei ein Problem, das vor allem in der tieferen Eifel bekannt sei, erklärt Kuckelkorn. Damit es nicht zu einer Ausbreitung solcher Seuchen kommt, sei es Aufgabe der Jäger, den Bestand zu regulieren.

Wolf ins Jagdrecht?

Dazu haben Kritiker allerdings eine andere Meinung: Sie sagen, dass sich die Natur selbst reguliert. Je weniger der Mensch eingreife, desto besser gelinge dies. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Aachen, Günther Plum, wiederum argumentiert: „Seit dem Eingriff des Menschen in die Natur besteht kein Gleichgewicht mehr. Man kann die Tiere nicht sich selbst überlassen, weil sie dann an Krankheiten verenden können.“

Die Wildkatze soll laut dem Entwurf für ein neues Landesjagdgesetz wieder auf die Liste der jagbaren Tiere gelangen. Damit wird aber nicht erlaubt, dass seltene Tier, das auch in der Eifel lebt, zu erlegen. Sondern die Jäger werden zur Hege der Wildkatzen in ihren Revieren verpflichtet. Foto: dpa/---

Der Entwurf sieht daher vor, dass künftig alle Greifvogel-, Enten-, Möwen- und Taubenarten ins Jagdrecht aufgenommen werden – auch gefährdete Tierarten, die etwa in der Eifel noch vorkommen wie die Wildkatze oder der Fischotter. Dr. Eike Lange vom Naturschutzbund Aachen-Land hat dafür kein Verständnis: „Warum sollte der Fischotter geschossen werden? Der tut keiner Fliege etwas zuleide.“ Gleiches gelte für den Kormoran, der etwa an Eifeler Gewässern unterwegs ist. Das Argument, dass diese Vögel die Gewässer leerfischen, hält er für unsinnig.

Auch wird in NRW darüber diskutiert, den Wolf, der unter Artenschutz steht, auf die Liste der jagbaren Tiere zu nehmen. Wie auch andere Naturschützer kritisiert Lange diesen Vorstoß, da Wölfe jahrelang in Deutschland als ausgerottet galten. In NRW gibt es erst seit diesem Jahr wieder erste Hinweise auf einen Wolf. „Voll geschützte Tierarten gehören nicht ins Jagdrecht“, sagt Lange ausdrücklich.

Landwirte anderer Regionen sehen allerdings ihre Nutztiere zunehmend bedroht. Auf Bundesebene wird daher aktuell über „wolfsfreie Zonen“ beratschlagt. Karl-Heinz Kuckelkorn betont, dass es nur darum gehe, im Fall einer rasanten Verbreitung reagieren zu können.

Auch Günther Plum will klarmachen, dass es nicht das Anliegen der Jäger ist, Tiere einfach „abzuknallen“. „Kein Jäger ist daran interessiert, sein Revier leerzuschießen. Im Gegenteil: Ziel ist ein nachhaltiger Wildbestand.“ Viele der Tierarten, die wieder ins Jagdrecht aufgenommen werden sollen, werden seit Jahrzehnten nicht bejagt, meint Kuckelkorn. Und daran werde sich auch nichts ändern, weil sie ganzjährigen Schonzeiten unterliegen. Verstößt ein Jäger dagegen, drohen ihm hohe Geldbußen.

Für Naturschützer Lange bleibt die Nachweisbarkeit unklar, wenn es zum Beispiel um seltene Entenarten geht, die anderen zum Verwechseln ähnlich sehen. Der neue Gesetzesentwurf senke seiner Meinung nach die Hemmschwelle zum Abschuss.

Aber warum gelangen Tierarten, die nicht geschossen werden dürfen, überhaupt ins Jagdrecht? „Mit dem Jagdrecht für ein Tier wird der Jäger auch zur Hege verpflichtet“, erklärt Kuckelkorn. Dabei geht es zum Beispiel um die Fütterung. Aber auch beispielsweise bei Wildunfällen muss der Jäger sich dann um das verletzte Tier kümmern und darf es von seinem Leid erlösen.

Bei Tieren, die nicht im Jagdrecht stehen, war das nicht möglich: Zwar ist nach dem Tierschutzgesetz jeder Mensch zur Hilfe verpflichtet, wenn er ein verletztes Tier auffindet. Geht es aber um das Erlegen eines Tieres ist die Gesetzeslage nicht ganz eindeutig. Kuckelkorn kritisiert diese Grauzonen. „Wenn man ein verletztes Wildtier schreien hört, geht einem das durch Mark und Bein. Wenn man das Tier dann nicht erlösen darf, kann das nicht im Sinne des Tierschutzes sein.“

Umstrittene Methoden

Auch würde die Hunde-Trainingsmethode mit der sogenannten Müller-Ente in dem möglichen neuen Gesetz wieder legitimiert. Bei dieser Methode wird einer Ente ein Flügel mit einer Papiermanschette abgebunden. Damit soll eine angeschossene Ente simuliert werden. Dann wird sie aufs Wasser gelassen und der Jagdhund hinterhergeschickt, um die Schwimmspur zu verfolgen. Der Ente soll es dann gelingen, wegzufliegen. Dr. Lange, pensionierter Tierarzt, bewertet diese Methode als Tierquälerei: „Für die Ente bedeutet diese Situation mehr als Stress – es ist eine enorme Nervenbelastung.“ Stattdessen gebe es andere Methoden, etwa könne man mit einer Attrappe arbeiten.

Das Hundetraining an lebenden Füchsen soll wie bisher verboten bleiben und nur an der Duftspur eines Fuchses möglich sein. Das befürworten auch Plum und Kuckelkorn, die längst nicht alles am aktuellen Gesetz schlecht finden. Es seien auch viele Verbesserungen erarbeitet worden, die ihrer Meinung nach übernommen werden sollten. „Da ist auch Vernünftiges dabei, das an die heutigen Zeiten angepasst wurde“, sagt Plum. Es wäre dumm, dass aus Trotz nicht mitzunehmen.“

Aber nicht alles überzeugt, weder im aktuellen Gesetz noch im aktuellen Entwurf. Etwa wenn es um den Nachweis für die Schießfertigkeit der Jäger geht, ist Karl-Heinz Kuckelkorn weder mit dem alten noch mit dem aktuellen und neuen Gesetz zufrieden. Der Lammersdorfer wünscht sich eine strengere Ausbildung mit mehr Qualität: „Ein Jäger muss so ausgebildet werden, dass auch dessen Innerstes in die richtige Richtung geht: nämlich sich als Tierschützer zu sehen. Einem Jäger muss es leidtun, ein Tier zu töten.“

Dass es auch schwarze Schafe unter Jägern gibt, die blindlings drauflosschießen oder denen es um Trophäen geht, weiß auch Kuckelkorn. Und die möchte er möglichst  nicht bei der Jagd sehen.

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