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Lammersdorf: Lammersdorfer Kirchenchor begeistert

Lammersdorf : Lammersdorfer Kirchenchor begeistert

Sonntagnachmittag, kurz vor 16 Uhr, verstummen die Geräusche auf der Orgelbühne der Lammersdorfer Pfarrkirche.

Diakon Friedrich-Wilhelm Grewe, Präses des Kirchenchores St. Johannes der Täufer, tritt an den Ambo und gibt eine Einführung zu den einzelnen Programmpunkten und zu den Komponisten Felix Alexandre Guilmant und César Franck, die der französischen Romantik zugerechnet werden.

Die Kirche ist so voll wie sonst nur an Festtagen. Es müssen sogar noch Stühle aus dem Pfarrheim herbeigeschafft werden, damit alle einen Sitzplatz erhalten.

Harfe und Cello

Nach der Einleitung herrscht für einige Augenblicke vollkommene Stille. Plötzlich beginnen Harfe und Cello mit ihrem Spiel. Die Musik schwebt durch den Kirchenraum und entführt die Zuhörer gleich in eine andere Welt, weit weg von den Geräuschen und den Gedanken des Alltags. Nach einigen Takten eröffnet die Stimme des Tenors den Gesang. Ihr folgen in kurzen Abständen Orgel und Chor.

Im ersten Moment war es ein wenig ungewohnt, dass das Konzert nicht vom Chorraum der Kirche, sondern von der Orgelbühne aus gegeben wurde. Doch das hatte allein technische Gründe. Auch wenn der eine oder andere Besucher es bedauert haben mag, den Blick nicht direkt auf die Musiker sowie auf die Sängerinnen und Sänger richten zu können, für die Aufführung selbst war es nur von Vorteil.

Hervorragende Akustik

Unterstützt von der hervorragenden Akustik der Kirche konnte sich der Klang auf diese Weise voll entfalten. Wenn die Orgel von hinten und die Sänger von vorne zu hören gewesen wären, hätte das, so Gabriele Scheidweiler-Pleines, Leiterin des Lammersdorfer Kirchenchores, bei den Zuhörern wie auch bei den Mitwirkenden zu Irritationen führen können.

Während des Credos der „Messe in A” von César Franck wird es draußen spürbar dunkler. Die Dämmerung hat eingesetzt. Spätestens jetzt erhält das Konzert einen fast meditativen Charakter. Es ist ein Ereignis für alle Sinne.

In den beiden vorderen Jochen der Kirche sind die Lampen erst gar nicht eingeschaltet worden. Der Chor mit dem prächtigen Hochaltar und der vor einigen Jahren restaurierten Ausmalung erstrahlt jetzt zunehmend in einem warmen Licht. Das Tabernakel leuchtet golden. Und das hat schon fast symbolische Bedeutung. Schließlich geht es bei dem Konzert gerade auch um diesen Ort, wo die geweihten Hostien aufbewahrt werden.

„Ecce panis angelorum - Seht das Engelsbrot”, so lautete der Titel des Konzerts. Und das nicht ohne Grund. Sowohl bei dem gleichnamigen Stück von Felix Alexandre Guilmant, der Vertonung eines Textes von Thomas von Aquin, als auch bei der „Messe in A” von César Franck steht das Eucharistie- und Fronleichnamsthema im Vordergrund.

Zwischen 15 und 78 Jahren

Ein Grund, warum das einstündige Konzert ein so einprägsames Erlebnis werden konnte, war die brillante Besetzung. Ein Jahr lang hatten die Sängerinnen und Sänger des Lammersdorfer Kirchenchores im Alter zwischen 15 und 78 Jahren mit Gabriele Scheidweiler-Pleines auf diese Aufführung hingearbeitet. An den letzten beiden Samstagen wurden sogar Sonderproben eingelegt.

Ganz besonders freute es die Chorleiterin, dass mit Judith Scheidweiler (Sopran) und Ingo Pleines (Bass) gleich zwei Solisten aus den eigenen Reihen kamen. Unterstützt wurde der Chor von Walter Drees (Tenor), Kantor an der Pfarre St. Johannes Evangelist in Düren-Gürzenich.

Dass außerdem drei renommierte Musiker in Lammersdorf auftraten, ist auf die familiären Beziehungen von Gabriele Scheidweiler-Pleines zurückzuführen. An erster Stelle ist da ihr Vater Hans-Josef Roth zu nennen, von 1986 bis 2000 Domkapellmeister am hohen Dom zu Aachen, der in Lammersdorf erneut sein Können an der Orgel unter Beweis stellte. Seinen persönlichen Kontakten ist es zu verdanken, dass mit Stana Beißwänger (Harfe) und Eberhard Beißwänger (Cello) zwei Virtuosen des Aachener Orchesters gewonnen werden konnten.

Zu diesem Kirchenchor, der selbst anspruchsvolle Musik auf so hohem Niveau darzubieten versteht, kann man Lammersdorf nur gratulieren. Dieser Meinung waren auch die Zuhörer, die sich minutenlang mit stehenden Ovationen für das Konzerterlebnis bedankten.