Lammersdorf: Köder mit Klingen versetzen Hundebesitzer in Angst

Funde in Lammersdorf : Köder mit Klingen versetzen Hundebesitzer in Angst

In Lammersdorf sind am Donnerstag 20 teils mit gefährlichen Klingen gespickte Würste aufgetaucht. Der Jagdberater der Städteregion sieht einen kriminellen Tierhasser am Werk. Auch Wildtiere und Katzen seien gefährdet.

Der Schreck sitzt Jennifer Reinartz noch in den Knochen. Am Donnerstag ist die Lammersdorferin mit ihrer Hündin Luna auf ihrer üblichen Runde entlang der Pferdeweide am Ortsrand unterwegs, als Luna im hohen Gras am Wegrand stöbert. „Ich habe dann gesehen, dass Luna eine Wurst in der Schnauze hatte“, sagt Reinartz.

Ihr gelingt es gerade rechtzeitig, der Hündin die Wurst noch abzunehmen. Denn diese hat es in sich: „Es steckten mehrere kleine Klingen darin – es war ein Köder, der Tiere umbringen sollte.“ Reinartz sucht die Umgebung ab und entdeckt insgesamt knapp 20 Würste, die im Abstand von mehreren Metern unweit der Straße Auf der Ley verteilt wurden. Viele davon sind mit kleinen Klingen gespickt, aber nicht alle. „Ich habe die Würste aufgesammelt und das Ordnungsamt informiert“, berichtet Reinartz, die ihren Fund anschließend auf Facebook vermeldet, wo er in den folgenden Stunden in verschiedenen Gruppen aus der Region dutzendfach geteilt wird.

Seither steht auch bei Karl-Heinz Kuckelkorn das Telefon nicht mehr still. Der Jagdberater der Städteregion Aachen wohnt direkt um die Ecke des Fundorts in Lammersdorf und ist entsetzt: „Furchtbar! Für mich sind das völlig kranke Menschen, die so etwas tun!“ Kuckelkorn sieht einen kriminellen Tierhasser am Werk. „Ich habe sofort meine Kollegen informiert, damit alle die Augen aufhalten.“

Tieren, die solche Köder fressen, drohe ein qualvoller Tod. „Es sind nicht nur Hunde gefährdet, sondern alle, die Fleisch aufnehmen – bis hin zu bedrohten Wildvogelarten. Da freuen wir uns hier über den Schwarzstorch, und dann passiert so etwas!“ An einen vergleichbaren Fall im Ort kann sich der Jäger nicht erinnern. Allerdings wurden erst vor einer Woche verdächtige Fleischhappen in der Umgebung von Eicherscheid entdeckt. Der Polizei wiederum liegen zu dem Fund in Lammersdorf keine Informationen vor.

Tatsächlich häufen sich in den vergangenen Wochen und Monaten aber die Meldungen besorgter Tierhalter aus der Region, die sich in Sozialen Medien vernetzt haben, um sich über Fundorte verdächtiger Köder auszutauschen. Nicht immer ist klar, ob es sich tatsächlich um gefährliche Köder handelt, oder ob an den Fundorten nicht nur Essensreste entsorgt wurden.

Das Problem bewegt derart viele Menschen, dass es inzwischen sogar Apps gibt, mit denen Hundebesitzer die Fundorte in Sekundenschnelle melden können. Zeit spielt vor allem dann eine Rolle, wenn ein Hund einen verdächtigen Gegenstand aufgenommen hat und Symptome zeigt, die der Halter nicht zuordnen kann. „Erbrechen ist ein häufiges und oft das erste Symptom von Vergiftungen. Auch beispielsweise übermäßiges Hecheln, vermehrt weißer Speichel, blasse Schleimhäute, veränderte Pupillen und eine allgemeine Teilnahmslosigkeit deuten auf eine Vergiftung hin“, erklärt der Tierschutzverein Tasso.

Die Reaktionen sind jedoch von dem verwendeten Gift oder den Klingen abhängig. Verschluckt ein Hund Rasierklingen, droht er binnen kürzester Zeit innerlich zu verbluten. Wurde der Köder mit Rattengift versetzt, können die Symptome auch erst nach einigen Tagen auftreten. „Neben Müdigkeit und Erbrechen sind blutiger Durchfall oder auch eine herabgesetzte Körpertemperatur einige Anzeichen, die auf Rattengift hinweisen. Zudem treten zwei bis drei Tage nach der Aufnahme Blutungen auf Schleimhäuten und aus den Körperöffnungen auf“, erklärt Tasso.

Grundsätzlich wird Hundebesitzern geraten, ihre Tiere bei entsprechenden Warnungen nur mit Maulkorb auszuführen. Es gelte, den Hund gut zu beobachten und vorausschauend zu handeln. So müsse man mit dem Tier trainieren, vermeintliche Leckerbissen im Tausch abzugeben, anstatt zu schimpfen. Längst bieten Hundeschulen eigens Kurse an, die den Besitzern den richtigen Umgang mit dem Tier in solchen Situationen nahebringen sollen.

Die Polizei bittet darum, mögliche Funde unbedingt den Behörden anzuzeigen, da solche Köder auch für Kinder lebensgefährlich sein könnten. Karl-Heinz Kuckelkorn verliert bei diesem Thema „den Glauben an die Menschheit“, wie er sagt. „Es ist ein Alarmsignal, dass unsere Gesellschaft verroht.“

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