Benefizkonzert: Laienorchester „Bavarian Classics“ spielt im Eifeldom

Benefizkonzert : Laienorchester „Bavarian Classics“ spielt im Eifeldom

Die Klassik zog für einen bewegenden Abend nach Kalterherberg. Im Eifeldom erlebte ein recht zahlreiches Publikum ein Orchesterkonzert mit besonderen Höhepunkten. Das Interessanteste dabei: das agierende Orchester selbst.

Unter „Bavarian Classics“ verbirgt sich ein engagiertes und ambitioniertes klassisches Symphonieorchester mit etwa 50 Laienmusikern aus den unterschiedlichsten Altersklassen und Berufen.

Der Sitz ist in Baldham bei München. Die Musiker kommen aber aus verschiedenen Regionen Deutschland und treffen sich jedes Jahr für eine intensive Woche irgendwo im In- oder Ausland, um ein Programm auszuarbeiten und an Ort und Stelle ein- oder zweimal öffentlich aufzuführen. Diese Konzertreisen haben dabei durchaus auch touristischen Anstrich.

So auch bei der diesjährigen Tour nach Monschau und Eupen. Vom freundlichen Empfang des Orchesters durch die Stadt Monschau sprachen die Musiker in höchsten Tönen. Darum waren sie auch gerne bereit, das Konzert im Eifeldom als Benefizveranstaltung für die Monschauer Musikschule zu veranstalten. Bürgermeisterin Margareta Ritter dankte zusammen mit dem ebenfalls anwesenden Leiter der Musikschule, Axel Jansen, aufs Herzlichste für dieses besondere Entgegenkommen und warb bei dieser Gelegenheit für das vielfältige Angebot der städtischen Musikschule.

Schwierige Akustik

Für das äußerst anspruchsvolle Programm, das sich die „Bavarian Classics“ vorgenommen hatten, erwies sich freilich der Eifeldom in akustischer Hinsicht nicht unbedingt als günstig. Auch die eine oder andere unreine Intonation muss man einem Laienorchester sicherlich zugutehalten. Dessen ungeachtet war aber der musikalische Ertrag des Abends durchaus erstaunlich.

Schon die einleitende Egmont-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven zeugte von dem Ernst und dem Anspruch der Musiker, dem emotional und musikalisch hochgespannten Werk des Bonner Meisters standzuhalten. Schon hier war auch die engagierte und präzise Leitung durch den österreichischen Dirigenten Peter Schmelzer zu registrieren. Beim zweiten Werk des Abends, dem Klarinettenkonzert Es-Dur von Carl Maria von Weber trat zum Orchester ein junger Solist hinzu, der erst 20-jährige Adam Ambarzumjan.

Das bekannte Werk, an dem schon einiges an Webers spätere Oper „Freischütz“ anklingt, wurde von dem vielversprechenden Solisten überaus souverän dargeboten, obgleich auch hier die etwas schwierige Akustik die vor allem die Spitzentöne ein wenig „unrund“ klingen ließ. Man darf nach der Erfahrung dieses Konzerts dem jungen, aus einer armenischen Familie stammenden Künstler in jedem Fall eine erfolgreiche Zukunft in seinem Fach prognostizieren.

In jeder Hinsicht der Höhepunkt war dann aber eine veritable Sinfonie von Anton Bruckner, bei der man allein schon den Mut bewundern musste, dass ein Laienorchester sich an einen solchen „Brocken“ wagte. Nun, es handelte sich dabei um ein Werk, das von Bruckner selbst nicht in sein Werkverzeichnis aufgenommen worden war. Da er diese d-moll-Sinfonie, wie er selber schrieb, „annullierte“, kamen die späteren Herausgeber der im Nachlass aufgefundenen Partitur auf die aparte Idee, diese Sinfonie als „Nullte“ zu proklamieren.

In dieser Form wurde sie aber im Laufe der Zeit durchaus salonfähig und wird immer wieder aufgeführt. Auch die Interpretation durch Peter Schmelzer und die Bavarian Classics konnte eine Lanze für dieses bemerkenswerte Stück brechen, selbst wenn an der einen oder anderen Stelle die Grenzen der Musiker spürbar wurden. Untadelig jedoch das Engagement und die Musikalität aller Beteiligten, die die spirituelle Leidenschaft des frommen und doch auch angefochtenen Meisters auf eine bewegende Weise zum Ausdruck brachten.

Die Dankbarkeit des Publikums war spürbar, und sicherlich wird entsprechend der Zuspruch für die veranstaltende Musikschule Monschau ausgefallen sein.

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