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Monschau: Kunstprojekt ermöglicht neue Sicht auf Monschau

Monschau : Kunstprojekt ermöglicht neue Sicht auf Monschau

„Ich möchte die normalen Sehgewohnheiten hinterfragen, die Menschen sollen sich auf eine andere Sicht der Dinge einlassen”, so die Künstlerin Hildegard Zieger.

Und welches Objekt eignet sich für eine solch „veränderte Sichtweise” besser als die Postkartenidylle der Monschauer Altstadt?

So rückte am Samstag das Eifelstädtchen in den Fokus ihres künstlerischen Schaffens. Mit dem Projekt „Television” schuf sie einen Gegenpol zur „Mega-Idylle” zwischen Glühweinstand und Fachwerkhaus, und viele Besucher des Weihnachtsmarktes ließen sich auf ihren etwas anderen Blickwinkel ein.

An drei Standorten der Altstadt, an der Burg, auf der Rurbrücke am Marktplatz und unmittelbar am KuK, dem Kunst- und Kulturzentrum Monschau, in dem die Glaskünstlerin ihr Atelier hat, installierte sie jeweils ein „Fernrohr”, das auf den ersten Blick eine schöne Aussicht auf Monschau verspricht. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn in die Rohre hatte die Künstlerin ihre „Sicht der Dinge” quasi eingebaut.

Das eigene Auge

Das Fernrohr auf der Burg zum Beispiel zeigt nicht den erwarteten vergrößerten Ausschnitt des Altstadtpanoramas, durch einen Spiegelung sieht man im Rohr das eigene Auge, es ist ein Blick auf das Sehen selbst. Und auch die anderen beiden Fernrohre zeigen unerwartete Bilder.

„Die Television soll nicht spektakulär sein, sie drängt sich nicht auf”, so die Glasmalerin Hildegard Zieger, die ihre Arbeit selbst als Glasgrafik bezeichnet. „Sie soll zu Irritationen führen und eine bewusstere Wahrnehmung ermöglichen”.

Und in der Tat fallen die schlichten Fernrohre kaum auf, dennoch musste die Aufstellung mit der Stadt abgesprochen werden, handelt es sich doch um eine feste Installation, die auf Dauer an ihren Standorten verbleiben soll.

Besonders Kinder wurden bei der Eröffnung des Projektes zur anderen Sehweise animiert, ihnen wurde mit einer „Nikolausrallye” der Rundgang zu allen drei Standorten schmackhaft gemacht. Auf der Burg konnten die Kids sich im Bogenschießen üben, auf der Rurbrücke am Markt ließ ein Jongleur alle möglichen Gegenstände in der Luft tanzen und am KuK sorgte ein Feuerspucker für strahlende Kinderaugen.

„Die Menschen, die durch die Rohre schauen, erwarten eine Intensivierung ihrer Sicht auf Monschau, die sie nicht bekommen, sie müssen sich durch das Rohr durcharbeiten”, so die Künstlerin zur Intention hinter ihrer Arbeit. Sie möchte mit ihrem Schaffen Dinge hinterfragen und Denkprozesse in Gang setzen.

Nach überstandener Rallye erwarteten die Kinder im KuK attraktive Preise; für die erwachsenen Besucher, die vom Weihnachtsmarkt den Weg in das Künstlerzentrum fanden, gab es Kaffee und Kuchen und beim „Tag der offenen Tür” einen freien Blick in die Ateliers der insgesamt zwölf Künstlerinnen und Künstler im KuK. Marie Madeleine Bellenger öffnete die Türen ihres Ateliers zudem für die Kinder, die dort nach Herzenslust malen konnten.

Jürgen Schmidt, Leiter des Kunst- und Kultur-Zentrums, zeigte sich erfreut über die Erweiterung des Weihnachtsmarktes um den Platz am Aukloster, bringt die Erweiterung die Weihnachtsmarktbesucher doch auch etwas näher an das KuK heran.