Nordeifel: „Kühe schubsen“ mit Hubert vom Venn und Nicholas Müller

Nordeifel: „Kühe schubsen“ mit Hubert vom Venn und Nicholas Müller

Eine der ältesten Formen der Kommunikation ist das Briefeschreiben. Diese in heutigen Zeiten oft als zu aufwendig empfundene Methode des Dialogs lassen die Autoren Hubert vom Venn und Nicholas Müller noch einmal aufleben.

Vor ziemlich genau einem Jahr starteten sie mit dem Zwecke einer Buchveröffentlichung das muntere Wechselspiel „Briefe in aus der Eifel“. Die Schreiben zwischen dem Kabarettisten und dem bekannten Musiker wurden jetzt im Band „Kühe schubsen“ veröffentlicht. In dem Briefwechsel dreht sich zumeist alles um ein Thema: die Eifel.

Hubert vom Venn, der umtriebige Eifel-Komödiant und Nicholas Müller, Sänger und Texter der Band „Jupiter Jones“, aus einem Dorfweiler aus der Nähe von Prüm und jetzt in Westfalen lebend, schildern aus unterschiedlichen Perspektiven ihren Blick auf die Eifel, wie sie sie in früherer Zeit erlebt haben.

Den besonderen Reiz bezieht der Briefwechsel, der ganz korrekt auf dem Postwege einschließlich Siegellack geführt wurde, aus der Tatsache, dass zwischen dem Gag-Produzenten und dem Musiker fast 30 Jahre Altersunterschied liegen. Auch der Leserschaft scheint die Idee zu gefallen, denn kurz nach Erscheinen pünktlich zur Frankfurter Buchmesse geht der Band bereits in die dritte Auflage.

Dazu beigetragen haben dürfte sicher auch die dramatische Wende im Leben von Nicholas Müller: Der heute 34- Jährige war die Stimme der Deutschrockband Jupiter Jones und auch Texter und Sänger des eingängigen Liebesliedes „Still“. Die Band aus der Südeifel stürmte damit 2011 die deutschen und österreichischen Charts.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs aber kam für Müller der Absturz. Drei Jahre nach Veröffentlichung des Songs folgte die überraschende Trennung zwischen Sänger und Band. In einem offenen Brief an seine Fans und bekannte sich Müller dazu, dass Angstzustände ihn verfolgen, die sein Leben völlig über den Haufen geworfen haben.

Nachdenkliches Ende

Inzwischen hat Nicholas Müller wieder ein neues Musikprojekt gestartet, und in einem Interview in dieser Zeitung geäußert, dass die Bühne jetzt wieder ein „angstfreier Raum“ für ihn ist.

Aber der Musiker ist auch ernsthafter geworden. Dass wird trotz der anekdotenreichen Episoden aus der Jugendzeit, von Kühe schubsen bis zum ersten Kinobesuch, immer wieder deutlich.

Für Hubert vom Venn ist das Buch dagegen eine perfekte Plattform, um eine Vielzahl seiner Geschichten, die den Gärtopf für seine zahlreiche Bühnenprogramme seit 1993 bildeten, gagreich neu aufleben zu lassen.

Das Buch endet aber dennoch nachdenklich: Nicholas Müller veröffentlicht einen Text mit nicht weniger als 43 Strophen („Damit das endet“). Eigentlich sollte es ein Lied werden, aber dann verschwand der Text in der Schublade. Jetzt muss es raus.

(P. St.)
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