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Lit Eifel: Krönender Abschluss mit Elke Heidenreich

Lit Eifel : Krönender Abschluss mit Elke Heidenreich

Sie spricht schnell, aber artikuliert deutlich: Die vielseitige Autorin liest aus ihrem Buch „Ihr glücklichen Augen“ Lustiges und Nachdenkliches

Den krönenden Abschluss der Lit.Eifel 2022, die von Mai bis November „Literatur in neuer Form an ungewöhnlichen Orten der Eifel“ bot, bildete der Leseabend in der voll besetzten Grenzlandhalle Hellenthal: Elke Heidenreich las aus ihrem Buch „Ihr glücklichen Augen“.

Die vielseitigen Talente und unermüdliche, fast rastlose Schaffenskraft der Autorin, Kabarettistin, Moderatorin, Journalistin und Literaturkritikerin spiegeln sich in der Verleihung zahlreicher Preise und Auszeichnungen, zuletzt erhielt sie für ihr Werk den Ernst-Johann-Literaturpreis 2021. In der Grenzlandhalle stieg sie ohne Umschweife ein in ihren Vortrag; ihr Buch erzählt von ihren Reisen, sie scheint ständig unterwegs zu sein. Sie besucht berühmte und weniger bekannte Orte und bewegt sich dabei gern abseits von touristischen Trampelpfaden.

Unendliche Neugier

Wer eine sachliche Reise- oder Ortsbeschreibung erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr interessiert sich Elke Heidenreich für die Menschen, für den Wandel, für Kuriositäten – und am meisten für Begegnungen in der Kultur, in der Musik und der Literatur. Ihre unendliche Neugier auf das Leben und ihre Offenheit für neue Erfahrungen haben ihr einen inspirierenden Freundeskreis beschert; darunter die „Königin von Mailand“, der sie ein Kapitel widmet.

Elke Heidenreich ist eine Schnellsprecherin, doch artikuliert sie deutlich, und so konnte das Publikum in der Grenzlandhalle sich entspannt amüsieren über ihren Vortrag, über die Gegensätze dieser extravaganten Frau und ihrer eher unauffälligen Freundin: „Du siehst wieder nach gar nichts aus, so mausig!“ Elke Heidenreich schreibt: „Bei Inge lag immer alles offen auf dem Tisch, auch das Peinliche, aber ich war so glücklich, durch sie ein ganz anderes Mailand kennenzulernen, das der Künstler, der versteckten Villen mit Zitronenhainen, die ich sonst nie gesehen hätte.“

Aus ihrem Buch sprechen Lebensfreude und Humor, beispielsweise wenn sie das „Frauenbadi“ in Zürich beschreibt. Aber auch viel Nachdenklichkeit wie im Kapitel über Thessaloniki, die quirlige Hafen- und Universitätsstadt, die einst eine der größten jüdischen Gemeinden Europas beherbergte. Nach der Besatzungszeit durch die Deutschen hatten nur wenige Juden überlebt. „Ich weiß in diesen Ländern nie, wie ich damit umgehen soll“, beschreibt Elke Heidenreich ihre Ratlosigkeit.

Leselust

Sie scheint unentwegt zu lesen; immer wieder fließen Zitate aus Werken der unterschiedlichsten Schriftsteller in ihre Betrachtungen ein. So macht sie neugierig aufs Lesen, nicht nur ihrer Bücher. In ihrer melancholischen Rückblende auf Sankt Petersburg („eine schreckliche Pracht“) zitiert sie russische Autoren, die Stadt hat sie wenig beeindruckt. Doch es gibt auch Komisches: „Wenn ich geführte Gruppen sehe, schleich ich mich ran. Das mach ich öfter, wenn ich allein unterwegs bin“, erzählte sie. Dann ahmte sie mit komödiantischem Talent eine Reiseführerin namens Swetlana nach, die genießerisch und mit stark gerolltem „r“ lauter blutrünstige Geschichten zum Besten gab. Die Zuhörerinnen und Zuhörer hatten ihre Freude daran.

Liebe zur Musik

Atemlos war sie in Shanghai unterwegs, „in dieser Irrsinnsstadt mit ihren 27 Millionen Menschen“. Sie war dort als Berichterstatterin über ein gewagtes Projekt: „Die Kölner Oper bringt Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ nach Shanghai.“ Von den beinahe nicht zu überwindenden Schwierigkeiten und Hindernissen erzählt Elke Heidenreich detailreich und humorvoll. Den überwältigenden Erfolg beschreibt sie ergreifend: „Wir weinen, wir haben das nicht erwartet, wir sehen wieder, was große, starke Musik mit Menschen macht, überall auf der Welt. Sie sind Chinesen. Sie sind Menschen ... und wieder begreife ich, welche Macht, welche Kraft die Kunst hat – die Literatur, die Musik.“ Und doch kann die lebensfrohe Autorin es nicht lassen, einen witzigen Schlusseffekt darunter zu schreiben: „… am Schluss, ein Chinese mit Mopp auf der Bühne, er putzt, weil die Götter schon auch sehr schmutzen.“

Gegen den Korrektheitswahn

Nach Standing Ovation und anhaltendem Applaus las sie noch von Bad Oeynhausen und einem Abend mit Roberto Blanco. „Heute wütet der Kontroll-, Zensur- und Korrektheitswahn und zerstört das, was man mal kritischen Geist nannte.“ Als sie Roberto Blanco zitierte (Er sei Ehrenmitglied in der CSU. „Wir Schwarzen müssen doch zusammenhalten.“) und lustige Reime aus seinen Liedern vorlas, lachte das Publikum schallend. Im Hinausgehen meinte eine begeisterte Zuhörerin: „Ja, nun habe ich das schöne Buch. Aber am besten ist doch, wenn sie das vorliest.“

(red)