Simmerath/Rurberg: Kriegsgräberstätten als Lernorte

Simmerath/Rurberg: Kriegsgräberstätten als Lernorte

Der „Haufen” Knochen in einem Erdloch, das schlichte Kreuz aus Birkenholz mit dem Stahlhelm daran, die verzweifelten Männer im Schützengraben - es sind Bilder, die zeigen, was Menschen verlieren, wenn das Recht auf Leben missachtet und Menschenleben zerstört wird, mutwillig, organisiert.

Es sind Bilder aus den schrecklichen Kriegen, Bilder gegen das Vergessen. Die Ausstellung „Aus der Geschichte lernen” greift das Thema Krieg und Frieden in intensiver Weise auf, mit den mehr als 300 Fotos, Zeitdokumenten, Karten und Texttafeln verdeutlicht die Ausstellung schlagartig, was die beiden Weltkriege, was im Prinzip alle Kriege, für die Menschen bedeuten: Qual, Tod, Elend, Zerstörung, ein Leben ohne Zukunft.

Die Ausstellung „Aus der Geschichte lernen”, vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert und arrangiert, wurde am Sonntag mittag im „Antoniushof” eröffnet, vom 5. bis zum 13. Juli ist sie im Rathaus zu sehen.

Wie wichtig diese Ausstellung ist und wie wichtig und notwendig Kriegsgräberstätten sind, machte der Vorsitzende des NRW-Landesverbandes im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der frühere NRW-Innenminister Dr. Fritz Behrens in seiner Ansprache in Rurberg deutlich: Es werde nur noch wenige Jahre dauern, „dass uns nur noch Gedenkstätten und eben Kriegsgräberstätten bleiben, die uns an die Zeit von Krieg und Gewaltherrschaft erinnern”. Dies sagte Behrens auch mit Blick darauf, dass 66 Jahre nach Kriegsende jene Menschen, die den Krieg erleben mussten, immer weniger werden.

„Umso wichtiger wird es, Kriegsgräberstätten nicht nur als Stätten des Gedenkens und Erinnerns, sondern auch als pädagogische Ressource, als Lernorte zu verstehen”.

Aufforderung zum Handeln

Die Ausstellung „Aus der Geschichte lernen” informiert über die Geschichte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, sie zeigt Beispiele von Kriegsgräberstätten und führt über das Erinnern und Gedenken hin zum Lernen, zur Jugend- und Schularbeit des Volksbundes, erläutert Dr. Fritz Behrens, der ebenfalls betont: Der Titel der Ausstellung „Aus der Geschichte lernen” sei nicht als Frage zu verstehen, sondern als „Aufforderung zum Handeln”.

„Aus der Geschichte lernen” müsse als „nicht endender Prozess verstanden werden”, das heißt: Lernen als persönliche, familiäre, schulische und gesellschaftliche Aufgabe. Lehren ziehen bedeute, das „Gelernte zu eigenen Prinzipien werden zu lassen”. Schließlich gehe es darum, „das Gelernte und die Lehren zu wirkungsvollen Taten zusammenzuführen”. In Nordrhein-Westfalen gibt es etwa 2200 Kriegsgräberstätten mit über 300.000 Toten. Kriegsgräber wie die auf der Ehrenstätte in Rurberg, so Fritz Behrens, „sind ein immer währendes Symbol für die Tragik und die Grausamkeit des Krieges, ein ständiger Appell gegen Gewalt und für den Frieden.”

Zeichen der Hoffnung

Ein Zeichen der Hoffnung setzt da schon seit über 50 Jahren der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der 1953 auf der deutschen Kriegsgräberstätte im belgischen Lommel entstanden ist unter dem Leitwort „Versöhnung über Gräbern, Arbeit für den Frieden”. So zeigt die Ausstellung auch, was der Volksbund tut und was er im Rahmen seiner Möglichkeiten zum Frieden beiträgt.

Die Gedenkfeier auf dem Ehrenfriedhof für die sowjetischen Kriegstoten in Rurberg war für Bürgermeister Hermanns auch ein Anlass, all jenen Sammlern und Sammlerinnen zu danken, die Jahr für Jahr für den Volksbund von Tür zu Tür gehen und Spenden sammeln.

Der Volksbund fördere die Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten, er betreue Angehörige der Toten und unterstützt die internationale Zusammenarbeit. „Dafür gebührt allen Verantwortlichen unser aller Dank”, betonte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns.

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