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Maria Offermann, genannt: „Lies sing Mie“: Konzens letzte Kriegerwitwe wurde 106 Jahre alt

Maria Offermann, genannt: „Lies sing Mie“ : Konzens letzte Kriegerwitwe wurde 106 Jahre alt

Im biblischen Alter von 106 Jahren ist am 10. Februar Maria Offermann gestorben. Sie war die letzte Kriegerwitwe im Dorf Konzen.

Maria Offermann war bei den älteren Bürgern in Konzen noch als „Lies sing Mie“ bekannt und nahm, solange sie konnte, aktiv am Dorfleben (Kirche, Vereine) teil. Ein Weggefährte, Otto Offermann, selbst kurz vor Ende des 2. Weltkrieges schwer verwundet, erinnert sich an gemeinsame Zeiten ab den 1950er Jahren und wie er Maria Offermann von seiner Kindheit an erlebt hat. Er schreibt:

„1952 wurde in Konzen der VdK-Ortsverband gegründet, und zwar als Schicksals- und Solidargemeinschaft nur für Kriegsbeschädigte und Kriegerwitwen und -waisen. Es war fast selbstverständlich, dass jeder und jede Betroffene dem Verband beitrat, also auch Maria Offermann, und auch ich wurde bereits als Achtjähriger angemeldet. Erst viele Jahre später öffnete der VdK sich als Sozialverband VdK für alle in sozialrechtlichen Fragen Hilfe suchender Personen wie Behinderte, Rentner und Andere.

Insbesondere Frauen, wie Maria Offermann, hatten millionenfach ihre Männer im Krieg verloren und blieben in der ohnehin schweren Nachkriegszeit auf sich allein gestellt, viele von ihnen mit Kindern. In den ersten Jahren gab es so gut wie keine soziale Unterstützung, erst nach einiger Zeit entstanden langsam Ansprüche auf Witwen- und Waisenrente, die aber selbst unter den damaligen Zeiten nicht zum Leben ausreichten. Die Familie, Nachbarn und Freunde halfen, so gut es ging, manche hatten auch eine kleine Landwirtschaft.

Heute, 70 Jahre später kann man nur noch erahnen, welche Not damals herrschte und mit wie viel Fleiß und Willen sie das Leben meisterten. Für ihre Kinder hatten die Frauen zwar das Sorgerecht, trotzdem bestellte das Jugendamt für jedes Kind einen „Vormund“. Ob das nun hilfreich oder für die Mütter eher demütigend war, sei dahingestellt.

Im VdK-Vorstand übernahm Maria Offermann zusammen mit zwei anderen Kriegerwitwen über Jahrzehnte vielfältige Aufgaben als Hinterbliebenenbetreuerin, machte Alten- und Krankenbesuche, kümmerte sich um Ehrungen bei Geburtstagen und konnte so manche Hilfe anbieten. Sie organisierten für uns Kinder (Behinderte und Waisen) jährlich eine Weihnachtsfeier mit Kuchen und Kakao bei Schartmanns, und bei der Planung von Kameradschaftsabenden und Ausflügen war sie ebenfalls beteiligt. Darüber hinaus übernahm Maria Offermann fast 40 Jahre die Pflege des Ehrenmals im Dorf.

Obwohl Maria Offermann keineswegs vom Schicksal verwöhnt war (kurz vor Einbruch des 1. Weltkrieges geboren, unsägliche Armut während und nach dem Krieg, Verlust des Ehemannes schon in jungen Jahren), hat man sie nie klagen gehört, im Gegenteil: Sie strahlte stets Zufriedenheit, Gelassenheit und Dankbarkeit bis ins hohe Alter aus. Auch während ihres Aufenthalts im Seniorenheim Seliger Gerhard in Simmerath brachte sie immer wieder zum Ausdruck, wie froh und dankbar sie hier lebte und wie gut sie versorgt wäre. Mit ihrem Rollator legte Maria Offermann bis in ihre letzten Tage mehrmals täglich den Weg vom Zimmer zum Speisesaal zurück, auch wenn sie immer mal wiederholte: ‚Mer merkt doch, dat mer alder wird’ (Man merkt schon, dass man älter wird).

Was mich ganz persönlich beeindruckte, war eine Begebenheit am 6. Januar an Marias 106. Geburtstag: Fünf, ihr gut bekannte Frauen standen zum Gratulieren an, doch ‚Mie’ erkannte sie zumindest beim Namen nicht mehr. Nur bei mir sagte sie: ‚Och Otto, du böset!’

Wir sollten heute, 75 Jahre nach Kriegsende, Maria Offermann und allen längst verstorbenen Kriegswitwen, so wie auch ihren gefallenen Männern, ein ehrendes Gedenken bewahren. Zu ihrer unvorstellenbaren materiellen Not kamen das persönliche Leid und die Trauer um den Verlust ihres Partners. Maria Offermann verlor schon wenige Tage nach der Eheschließung ihren Mann – durch einen unsinnigen grausamen Krieg.“