Lammersdorf: „KonTakt“: Gelebte Gastfreundschaft im Alltag

Lammersdorf: „KonTakt“: Gelebte Gastfreundschaft im Alltag

Die Kerzen brennen auf dem Tisch, Tee wird ausgeschenkt und ein Stimmengewirr erfüllt den Raum des Evangelischen Gemeindehauses in Lammersdorf: Die ehrenamtliche Initiative „KonTakt“ ist zu einem ihrer Planungstreffen zusammengekommen, um zukünftige Projekte vorzubereiten.

Ob Freude, Hoffnung, Trauer oder Angst - egal in welchem Gemütszustand ein Mensch sich gerade befindet, der Arbeitskreis ist für jede Gefühlslage die passende Anlaufstelle. Hans-Jürgen Fellgiebel aus Rollesbroich gründete vor über zwei Jahren diesen Arbeitskreis, der sich hauptsächlich mit Projekten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen beschäftigt.

Zeit miteinander verbringen

Das KonTakt-Café, das durchschnittlich drei- bis viermal im Jahr stattfindet, hat sich indes bereits etabliert und bietet für Menschen jeden Alters und unabhängig ihrer Herkunft die Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen, miteinander zu reden, gemeinsam zu spielen oder einfach interessante Menschen kennenzulernen.

Den Erfolg der Initiative könne man daran erkennen, dass „beim letzten KonTakt-Café im Frühjahr über 80 Personen teilgenommen haben“. „Gastfreundschaft für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Achtsamkeit der Menschenwürde gehören zu den angestrebten Werten von KonTakt“, sagt Fellgiebel.

Zur Idee, eine solche Initiative zu gründen, sagt Fellgiebel, dass sie zum einen durch den „Kontakt mit Flüchtlingen vor Ort in der hiesigen Region“ entstanden sei, auf der anderen Seite sei er ein sehr gläubiger Mensch und erläutert, dass sein „Glaube ihm die Motivation“ für ein solches Projekt gebe. Weiterhin geben ihm gemeinsame Freizeiten mit Betroffenen, Gespräche mit Freunden und Teilnahme an Gottesdiensten in der Evangelischen Kirchengemeinde zusätzlichen Antrieb.

Nicht zuletzt habe auch noch das Buch der deutschen Theologin Margot Käßmann „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“ einen Teil zu der Gründungsidee beigetragen. Zurzeit verfüge seine Initiative über 15 bis 20 ehrenamtliche Helfer, wobei „dies natürlich von Treffen zu Treffen schwankt, da manche neu hinzukommen und manche doch manchmal etwas kürzer treten sollen“, sagt er schmunzelnd.

Ziel der Zusammenkünfte sei es, dass sozial benachteiligte Menschen, häufig seien dies Menschen in Not, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge oder Kinder, nicht an den „Rand der Gesellschaft“ gelangen. Fellgiebel möchte dabei vor allem die diakonischen und caritativen Dienste der Evangelischen Kirchengemeinde im Monschauer Land unterstützen. Auch im Alltag seien die ehrenamtlichen Helfer häufig präsent und würden beispielsweise beim Einkauf, bei Behördenbesuchen, der Wohnungssuche oder auch durch persönliche Gespräche ihre Hilfe anbieten.

Der 46-jährige kaufmännische Angestellte, der in seiner Freizeit gerne zur Gitarre greift, kocht und mit seiner Frau wandert, betont dabei jedoch gleichzeitig, dass es in den Kommunen „zu wenig hauptamtliche Sozialarbeit“ gebe, da für viele Menschen eine „ehrenamtliche Sozialarbeit nicht mehr wegzudenken“ sei. Diese könne die professionelle Arbeit von sozialen Diensten zwar nicht ersetzen, wohl aber „sinnvoll ergänzen“. Fellgiebel erzählt, dass er bereits seit acht Jahren im ehrenamtlichen Bereich tätig sei und dort vorrangig mit behinderten Menschen zu tun habe. Sein Anliegen sei es, „sich Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu widmen und diesen zu helfen“.

Das nächste KonTakt-Café steht bereits in den Startlöchern und findet am Freitag, 28. Oktober, von 17 bis 20 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in der Bahnhofstraße in Lammersdorf statt. Das Motto dabei ist „Miteinander reden, miteinander spielen, miteinander singen, miteinander essen und trinken“.

Auch freut Hans-Jürgen Fellgiebel sich, neben dem bereits etablierten KonTakt-Café, die erste „Lesebühne“ in der evangelischen Stadtkirche Monschau ankündigen zu dürfen, die er als „kurzweiliges und entspanntes Programm für einen Vorabend“ beschreibt. Dabei lesen Gemeindemitglieder und Gäste der evangelischen Gemeinde aus Margot Käßmanns Buch „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 3. November von 18 bis 20 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche Monschau in der Laufenstraße statt.

Für Hans-Jürgen Fellgiebel wäre es eine gelungene Sache, wenn sich die „Lesebühne“ neben dem KonTakt-Café „ebenfalls etablieren kann“. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei. „Jedoch erleichtern Spenden und Fördergelder, die zu 100 Prozent für das Ehrenamt eingesetzt werden, die Arbeit von KonTakt“, erklärt Fellgiebel. Bisher seien die Aktivitäten des Arbeitskreises hauptsächlich „aus eigener Tasche“ sowie durch die eine oder andere Spende finanziert worden.

Weitere Menschen begeistern

Neuen Mitstreitern, die gerne gesehen sind, gibt Fellgiebel bereits im Voraus mit auf den Weg: „Wer andere schon mit Augenblicken echter Gastfreundschaft begegnet, wird nicht selten mit herzlicher Dankbarkeit beschenkt.“ Dabei ist sein Wunsch für die Zukunft, dass er mit seiner Initiative „weitere Menschen ansteckt“, die ihn bei seinen zukünftigen Planungen und Projekten tatkräftig unterstützen.

(maxs)