Monschau/Simmerath: König Fußball regiert auch die Pennäler

Monschau/Simmerath: König Fußball regiert auch die Pennäler

Deutschland hat sie doch, die Monarchie. Und so hat König Fußball sein Zepter erhoben und per Mitteilung der Bezirksregierung verfügt: Jede Schule darf selbst bestimmen, ob sie ihren Pennälern für das zweite Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft am Freitag um 13.30 Uhr gegen Serbien früher frei gibt.

Für manche Schüler in der Nordeifel heißt es deshalb ab mittags „Fußball-frei”; andere müssen „gefühlt nachsitzen”.

„Wir haben uns den vielen Anfragen aus den Kreisen der Schüler gebeugt - allerdings nicht aus Einsicht”, betont Dr. Lothar Stresius, Rektor des städtischen St.-Michaels-Gymnasiums Monschau. Man habe aber sonst damit rechnen müssen, dass die Nachmittagskurse „stark dezimiert” gewesen wären, hätte der Unterricht wie gewohnt stattgefunden.

Einen Mittelweg hat die städtische Elwin-Christoffel-Realschule gewählt: „Bei uns findet komprimierter Sportunterricht vor dem Bildschirm statt”, kündigt Schulleiter Peter Groten ein privates „Public Viewing” in der Aula an - für die drei neunten Klassen, die nachmittags noch „Dienst” schieben müssen.

So bezeichnet es Liane Mertens, Konrektorin an der Bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau. Dort gebe es „Dienst nach Vorschrift.” Aber: „Die 10er-Klassen feiern ihren letzten Schultag und werden mit Sicherheit etwas inszenieren”, sagt Mertens. Beim Dienst nach Vorschrift ist ein früher Feier-„Abend” also fast schon zu erwarten.

Glück hat die Mehrheit der Pennäler am Franziskus-Gymnasium in Vossenack: Dort fallen heute nämlich die letzten beiden Stunden wegen Abiturprüfungen ohnehin aus. Ansonsten aber zeigt Pater Peter Schorr dem Regime von König Fußball die Rote Karte. „Schule ist Unterricht, Fußball ist Freizeitvergnügen”, stellt der Rektor mit Blick auf eventuell noch bevorstehende Nachmittagsspiele mit deutscher Beteiligung klar.

Monika Dörfler, Leiterin der Hauptschule Simmerath, will ihren Schülern „den Spaß gönnen”, da sie in letzter Sekunde von der Erlaubnis der Bezirksregierung erfahren hat. Weniger Spaß versteht hingegen Magitta Isaac, Stellvertreterin des Konrektors in der Gemeinschafts-Hauptschule Monschau-Roetgen. Dort finde der Unterricht „ganz normal” statt, sagt Iaac und rückt die Verhältnisse zurecht: „Schließlich handelt es sich ja nicht um das Endspiel.”

Ein kleiner Trost für die Pennäler, die auch um 13.30 Uhr noch die Schulbank drücken müssen: Wer im Berufsleben steht, hat es meist noch schwerer während der WM. Bei der Otto Junker GmbH in Lammersdorf gebe es höchstens über Gleitzeitregelungen die Möglichkeit, das Spiel zu verfolgen, sagt Monika Mertgens, Assistentin der Geschäftsführung.

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