Rott: Kleines Haus als Startschuss für das Großprojekt Glasfaser

Rott: Kleines Haus als Startschuss für das Großprojekt Glasfaser

Wie eine Fertiggarage sieht er aus, der kleine viereckige Klinkerbau, der am Freitagmorgen am Ortseingang von Rott am Haken eines großen Krans baumelte. Für die mediale Zukunft der Gemeinde Roetgen wie der gesamten Nordeifel jedoch hatte die Aufstellung des unscheinbaren Häuschens durchaus große Symbolbedeutung.

„Dies ist der erste Hauptverteilerpunkt für das Ausbaugebiet hier oben in der Eifel und damit der sichtbare Hinweis, dass es hier nun wirklich losgeht mit der Glasfaser“, sagte Dennis Schiefke, Projektmanager Sales der Deutschen Glasfaser Netz-Entwicklung GmbH vor dem feierlichen Moment bei fünf Grad minus.

„PoP“ nennt die Deutsche Glasfaser (DG) selbst die drei Mal drei oder drei Mal sechs Meter großen Verteilerhäuschen. Dies steht für „Point-of-Presence“, was wörtlich so viel bedeutet wie „Punkt der Gegenwart“. Am PoP eingangs von Rott werden einmal die dicken Glasfaserkabel mit extrem hoher Geschwindigkeit enden, die voraussichtlich aus nordöstlicher Richtung in die Nordeifel kommen. Das Signal werde von Aldenhoven bis nach hier geführt, erläutert Projektleiter Sedat Akcay.

Die gesamte, am Rotter PoP ankommende Bandbreite wird dort aufgeteilt auf einzelne Bereiche eines Ortes, man nennt den PoP daher auch „Hauptverteiler“. Von hier legt das beauftragte Generalunternehmen Glasfaserleitungen zu den Unterverteilern, den sogenannten Distribution Points (DP), und dann weiter bis in die Straßen. „Dank hochmoderner Verfahren sind die Verlegearbeiten schnell erledigt und ausgehobene Gräben meist am selben Tag auch wieder verschwunden“, verspricht die DG auf ihrer Internetseite. Tiefbauarbeiten könnten teils komplett entfallen, wenn z. B. Leerrohre per Spühl-Bohr-Verfahren unter dem Gehweg verlegt werden können.

Rückgrat des Internets

Neben dem Glasfaser-Kabelnetz vor Ort wird noch ein Anschluss an den so genannten „Backbone“, also das „Rückgrat“ des Internets, benötigt, damit die angeschlossenen Haushalte nicht nur mit den Nachbarn kommunizieren können, sondern mit der ganzen Welt.

Zur weiteren Ausbauplanung mochte der Projektleiter am Freitagmorgen aber noch keine konkreten Angaben machen. „Mit der Aufstellung des ersten PoPs können wir nun aber in die konkrete Netzplanung einsteigen — sowohl was die Zuleitung angeht als auch das Netz hier im Ort“, so Sedat Akcay. Auch wie der Ausbau dann in Richtung Simmerath fortgeführt wird, ist noch Gegenstand der laufenden Planungen.

Fest steht, dass der am Freitag aufgestellte Hauptverteiler für 1496 Anschlüsse eingerichtet wird, unabhängig davon, wie viele der ca. 700 Haushalte in Rott und Mulartshütte einmal daran angeschlossen werden. „Insgesamt zählt die Gemeinde Roetgen 3500 Haushalte“, rechnete Bürgermeister Jorma Klauss vor; etwa 45 Prozent dieser möglichen Anschlussnehmer, also rund 1600 Haushalte, haben einen Vertrag mit der DG abgeschlossen. Der Abschluss eines Vertrags über einen kostenfreien Hausanschluss ist nach wie vor möglich. „So lange, bis der Bagger am eigenen Haus vorbei ist“, nennt Dennis Schiefke die Frist für Nachzügler. Danach kostet das Anschließen 750 Euro.

Zweiter PoP in Roetgen

Der zweite PoP im Gemeindegebiet soll indes möglichst zentral in Roetgen selbst aufgestellt werden; „wo genau, entscheidet sich wahrscheinlich am Montag“, kündigte der Bürgermeister an.

(hes)
Mehr von Aachener Zeitung