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Monschau: Kleine Teams sind die Seele am Ring

Monschau : Kleine Teams sind die Seele am Ring

„Wie auf rohen Eiern” hat Georg Weiss die Fahrten durch die Dämmerung, bei Regen und Nebel und vor allem Tempo 200 in lebendiger Erinnerung.

Bei aller Routine, die er als Freizeit-Rennfahrer in den letzten drei Jahren Runde um Runde am Nürburgring gesammelt hat, bleibt immer noch der Nervenkitzel.

Die große Herausforderung des 24-Stunden-Rennens haben Georg Weiss und seine Kollegen im „Captain Racing Team” wieder mit Bravour bestanden: Mit Platz sieben der Gesamtwertung haben sie den direkten Anschluss an die Profi-Teams der großen Autowerke geschafft und ein weites Feld von insgesamt 230 Startern hinter sich gelassen.

Sekt selbst mitgebracht

Kurz nach 15 Uhr am vorigen Sonntag knallten am Ring in der Eifel die Sektkorken - auf dem Podest vor laufenden Fernsehkameras, wo sich die Werkteams von BMW und Audi feiern ließen, und etwas abseits in der Boxengasse. „Den Sekt haben wir natürlich selbst mitgebracht”, erwartet Georg Weiss keine offizielle Ehrung für den siebten Platz.

Was ihn aber stört: Das Interesse der großen Sportmedien gilt fast ausschließlich den Werkteams. „In zwölf Stunden Übertragung müsste das DSF doch auch mal zwei Stunden Zeit für die Teams auf den hinteren Rängen haben”, äußert Georg Weiss seinen Unmut, den er begründet: „Das 24-Stunden-Rennen lebt von den Privatfahrern, die sich ihre Leistungen erkämpfen und manchmal ihr letztes Geld zusammenraffen, um überhaupt teilnehmen zu können, selbst wenn sie als letzter durchs Ziel kommen.”

Es geht um mehr

Die 220.000 Zuschauer, die das Langstrecken-Event am vorigen Wochenende verfolgten, sprechen für die Einschätzung von Georg Weiss, dass es hier um mehr geht, als den bloßen Sieg. „Klar, dass der ADAC (als Veranstalter) die Werkteams als Zugpferde braucht.” Aber auch die kleinen Teams seien von Sponsoren abhängig, die das Interesse verlieren, wenn immer nur über die Erstplatzierten berichtet werde.

Zunächst aber freuen sich Georg Weiss, Jörg Otto (aus Grevenbroich), Artur Erkes (Glehn) und Thomas Zinnow (Hagen) über ihren Erfolg. „Wir haben uns unter den ersten 20 gesehen”, verweist er auf die technische Überlegenheit der Werkteams.

Die vier Fahrer wissen, dass viel mehr als ihre eigene Leistung hinter diesem siebten Platz steckt: „Wir alle ziehen unseren Hut vor Manfred Kilian, der das Auto perfekt für das Rennen vorbereitet und wirklich alle Eventualitäten ausschließt.” Der Cheftechniker des „Captain Racing Teams” hat sich mit seiner Präzisionsarbeit auch beim Porsche-Werk und bei Reifenhersteller Michelin einen Namen gemacht.

28 Leute im Team

Während Georg Weiss und seine Fahrerkollegen im Porsche 996 GT 3 ihre 131 Runden um den Ring drehten, fieberte eine Crew von Enthusiasten mit: 28 Leute unterstützen das Team - „und vom Koch bis zu den Mechanikern sind alle bis in die Haarwurzeln motiviert”, beschreibt Georg Weiss die gute Stimmung an der Boxengasse.

Fans in der Boxengasse

Im Vergleich zur Formel 1 sind beim 24-Stunden-Rennen viele rennsportbegeisterte Amateure in Aktion. Aber genau das macht das Flair der Veranstaltung aus. „Das ist hautnah”, sagt Georg Weiss. „Bei uns kommen Zuschauer in die Box, fotografieren die Autos, und Kinder dürfen sich auch mal mit uns ans Lenkrad setzen. So etwas wäre bei der Formel 1 undenkbar.”

Dass er selbst einmal auf dem Siegertreppchen steht, glaubt Georg Weiss nicht. „Das wird wohl ein Traum bleiben.” Aber noch ein bisschen weiter nach oben wollen er und seine Teamkollegen schon.

Und so wie sie ihren Sekt zum Feiern selbst mitgebracht haben, wird Verleger Georg Weiss im nächsten Jahr auch aktiv dazu beitragen, dass den kleinen Teams die mediale Aufmerksamkeit zu teil wird, die ihnen als Seele des 24-Stunden-Rennens gebührt.