Nordeifel: Klein, aber fein auf der weltgrößten Buchmesse

Nordeifel: Klein, aber fein auf der weltgrößten Buchmesse

Zugegeben: Es gibt Metropolen und Regionen, die sind zahlenmäßig stärker als die Eifel und deren Autoren und Verlage auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Und die großen Abschlüsse mit internationalen Größen werden die kleinen, aber feinen Eifeler Buchverlage auch nicht in Massen abschließen.

Aber dafür kann man unter den Eifeler Schriftstellern und Verlegern etwas beobachten, das man heute leider oft vermissen muss: Freundschaft und Solidarität.

So berichtet etwa Sven Nieder vom jungen „Eifelbildverlag“, dass Ralf Kramp vom — normalerweise — „Konkurrenzverlag“ KBV ihm bei der Gründung seiner Firma mit Rat und Tat zur Seite stand. Und Arne Hoben, Verleger vom Rhein-Mosel-Verlag, teilt sich wie selbstverständlich mit dem jungen Kollegen seinen Stand in Frankfurt.

Dazu muss allerdings auch gesagt werden, dass das Land Rheinland-Pfalz zu diesem Gemeinschaftsgefühl einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Gemeinsam unter anderem mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels schuf man schon vor Jahren das Verlags-Karree Rheinland-Pfalz mit eigener Bühne und — wie sollte es bei diesem Bundesland anders sein? - Weinausschank.

Nordrhein-Westfalen tut sich in dieser Hinsicht etwas schwer, und so wundert es nicht, dass viele Eifeler Autoren bei Verlagen aus dem Nachbarbundesland unter Vertrag sind. Aus dem Monschauer Land veröffentlichen Hubert vom Venn (Bücher) und Dirk Neuß (DVDs) schon seit Jahren beim Rhein-Mosel-Verlag aus Zell.

Eröffnet wurde das Podium Rheinland-Pfalz unter anderem von Staatssekretärin Daniele Schmitt (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau) Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse) und der Weinkönigin Laura Lahm.

Direkt danach trat nach Christof Wackernagel der Roetgener Autor Hubert vom Venn auf, der im Gespräch mit Arne Houben sein Buch „Christstollen sind doch auch schon da“ sowie die DVD „… auf die Socken machen“ vorstellte. Letztere in Zusammenarbeit mit Kurt Schreiber (Kamera) und Dirk Neuss (Schnitt und Bearbeitung) von „Mon TV“.

Apropos „Mon TV“: Dirk Neuss und Sabine Carl starteten in Frankfurt mit einer neuen Idee des lokalen TV-Senders: Live-Übertragungen! Interviews mit Arne Houben, Sven Nieder, Christian Humberg („Sagenhafte Eifel“) und Ralf Kramp bildeten den Auftakt zu einer fast einstündigen Live-Übertragung von der Buchmesse. Ob einer der großen Sender auch so lange berichtet hat?

Hier nur einige Eifeler Neuveröffentlichungen. „Eifelbildverlag“: Die Kinderbücher (z. B. „Weißt du, wie wertvoll du bist“) von Kerstin Werner, „Honigmuscheln“ von Hans Jürgen Sittig oder ein Eifel-Daumenkino über das Totenmaar. Beim Rhein-Mosel-Verlag gab es Neues von Harry Verhufen aus Münstereifel und Janosch Hübler aus Kelberg „Ein neiderregendes Heldenleben“ sowie die Neuveröffentlichung von „Die heilige Einfalt“ von Clara Viebig.

Deren Bücher werden seit vielen Jahren vom Zeller Verlag auf den Markt gebracht. Auch Krimis kommen von der Mosel — zum Beispiel Rosi Nieder mit „Die Teufelsband“ oder Peter Friesenhahn mit „Mord in Öl“. Thomas C. Breuer schrieb „Brücke zwischen Jucken und Zweifelscheid“.

Beim Hillesheimer KBV-Krimiverlag gab es „Acht Leichen zum Dessert“, ein Buch von acht Autoren, die sich acht Tage zum Schreiben zurückgezogen hatten. Und nach dem Dessert servierte Carsten Sebastian Henn noch „Der letzte Whisky“. Dazu spielte Martina Kempff den „Kehrblech-Blues“.

Auch wenn er diesmal nicht zur Buchmesse kommt — Star des Standes war und ist natürlich Jaques Berndorf, der am Samstag 80 Jahre alt wird. Von ihm gibt es in einer Neuauflage „Auf eigene Faust“ und „Bis der Hass euch bindet“.

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