Rollesbroich: Klarinetten melden sich von der chinesischen Mauer

Rollesbroich: Klarinetten melden sich von der chinesischen Mauer

Am Ende hielt es in der voll besetzten Rollesbroicher Pfarrkirche keinen der Zuhörer mehr auf seinen Sitzen. Stehende Ovationen und laute Bravo-Rufe erhielten die 27 Musiker des Musikvereins Harmonie von den fast 200 Besuchern, die unter Leitung ihres Dirigenten Achim Breuer ein Konzert der Extraklasse geboten und ihre Gäste auf eine musikalische Weltreise mitgenommen hatten.

Von Schweden über Russland, China, Brasilien nach Tirol ging dabei der musikalische Mammuttripp, bei dem die Zuhörer auch auf pfiffige visuelle Art mit den Ländern vertraut gemacht wurden. Auf der großen Leinwand hinter dem Orchester erfolgten immer wieder „Live-Schaltungen“ in die ganze Welt, von wo aus die Mitglieder der einzelnen Register Wissenswertes mitteilten. Hierzu war großer technischer Aufwand betrieben worden. Viele Meter Kabel und eine große Technik-Crew im hinteren Kirchenbereich machten die Bild- und Filmeinblendungen auf der großen Leinwand möglich.

Mit legendärem Abba-Sound entführten die Musiker das Publikum zunächst nach Schweden, bevor es nach einer Live-Schaltung auf den Roten Platz in Moskau nach Russland ging und in der Rollesbroicher Kirche dazu ein Casatschok erklang. Glänzend dargebracht hiernach die Filmmusiken des Komponisten Morricone aus zwei Italowestern, worunter natürlich das „Lied vom Tod“ nicht fehlen durfte. Laute Bravo-Rufe zeugten von der Begeisterung des Publikums. Hiernach ging die Reise weiter nach Griechenland, wozu die Evergreens vom Mädchen aus Piräus, den weißen Rosen aus Athen, dem Abschied der Akropolis und dem ankommenden Schiff erklangen. Passend folgend zum englischen Reiseziel das James Bond-Thema, wobei die Harmonie den Filmsound so perfekt herüber brachte, als hätten sie damals im Musikstudio gesessen.

Nach der verdienten Pause erklangen zunächst brasilianische Klänge, bevor sich das Klarinettenregister mit Kathrin Arnolds, Petra Kahl, Dana Nießen und Yvonne Rau per Videobotschaft von der chinesischen Mauer mit Reiswein und Essstäbchen meldete. Weder diese, noch eine Stecknadel hörte man hiernach in Rollesbroich fallen, als die Harmonie den China-Marsch spielte. Voll in seinem Element war das Orchester dann bei der Präsentation von böhmischer Volksmusik, wobei die Zuhörer unaufgefordert rhythmisch klatschten. Natürlich durfte auch der Klassiker aus diesem Genre nicht fehlen. Die Landeshymne der Tiroler („Dem Land Tirol die Treue“) spielte die Harmonie mit Leidenschaft und Inbrunst, wozu die Musiker auch ihre gesanglichen Qualitäten unter Beweis stellten.

Unter dem Motto „Viva la France“ folgte ein überaus hörenswertes Potpourri bekannter französischer Lieder, bevor am Ende die Polka „Bis bald auf Wiedersehen“ zu hören war. Dass die Zuhörer eine Zugabe forderten, war verständlich. Mit dem Gefangenenchor aus Verdis Oper Nabucco hatte die Harmonie damit noch ein Stück im Köcher, das beim Publikum hervorragend ankam. Der eingeblendete Text zum Mitsingen war dabei von Dirigent Achim Breuer pfiffig auf sein Orchester „zugeschnitten“ worden. Kein Wunder, dass die Musiker noch zwei weitere Zugaben geben mussten.

Achim Breuer dankte am Ende allen Beteiligten für ihr Engagement und stellte zum Veranstaltungsort fest: „Ich bin stolz, dass wir dieses Jahr wieder in unserer Kirche spielen durften. Seit 2008 ist das nun schon das sechste Mal“. Nach dem Konzert ging es zum gemütlichen Beisammensein ins Pfarrheim.

(ani)