Dedenborn: Klappern ersetzt das Läuten der Glocken

Dedenborn: Klappern ersetzt das Läuten der Glocken

Die Kirchenglocken sind verstummt. Selbst zu den gewohnten Zeiten erklingt kein Ton aus dem Glockenturm. Mit dem Gloria in der Messe am Gründonnerstagabend sind die Glocken zum Breiessen nach Rom geflogen, sagt der Volksmund.

Stattdessen ziehen die Messdiener, morgens, mittags und abends durch den Ort und übernehmen mit lautstarken Klappern die Aufgabe der Glocken.

Klappern gehört an den letzten drei Tagen vor Ostern auch für die 20 Messdiener der Pfarre St. Michael in Dedenborn zum Handwerk. Zu überhören sind sie nicht - jeder hat seine eigene Klapper, eine Holzplatte mit Griff und einem beweglichen Griff, und die machen einen Höllenlärm.

In vielen Fällen sind bereits die Großeltern, um genau zu sein die Großväter (Mädchen durften damals keine Messdiener sein), mit den gleichen Instrumenten durch Dedenborn gezogen. Sie werden in den Familien weitergegeben. Manch einer der neun bis 16 Jahre alten Messdiener präsentiert heute stolz seine Klapper mit der Erklärung: „Die hab ich von meinem Opa bekommen.”

Auch die plattdeutschen Sprüche haben die Messdiener von ihren Eltern und Großeltern übernommen. „Stoht op, stoht op err Sevveschlöffer”, werden die Dedenborner um 7 Uhr in der Frühe aufgefordert. Am Mittag werden die Leute zum Essen gerufen: „Et luckt Meddach, die Hohnder han jelaat, wä net kött, dä kritt nix.”

Abends heißt es dann die Kinder ins Bett zu bringen: „Ovensglock, die Kengk nom Bett, sos kött die Modder mem Bessemsteck.” „Natürlich verstehen wir die Texte, sonst würden wir sie nicht rufen”, reagieren die Messdiener fast beleidigt, als sie nach der Bedeutung der Sprüche gefragt werden.

Kreuzweg mit Lichterprozession

Ein besonderer Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten am Karfreitag in Dedenborn ist der Kreuzweg mit Lichterprozession entlang der Stationen quer durch den Ort. „Lött. Lött, Lött, Lött kott zosamme, wä zo spiet kött moss sich schamme. Maria hat ene Sohn empfange, dä hat vörr os am Krözz jehange, wör e net jestorve, wörre mer all verdorve”, schallt es dann vorher durch die Straßen.

Rund eine halbe Stunde sind die Kinder und Jugendlichen mehrfach am Tag unterwegs, um die Glocken zu vertreten. Dazu teilen sie sich in zwei Gruppen auf und beginnen ihren Weg an den Ortseingängen, um sich schließlich in der Ortsmitte an der Kirche wiederzutreffen.

Das größte Problem dabei ist für manche das frühe Aufstehen in den Ferien. Deshalb ist die Abendtour bei den Messdienern am beliebtesten, nicht zuletzt weil sie danach endlich ihren verdienten Feierabend haben.

Belohnung

Eine Belohnung für ihre treuen Dienste bekommen sie aber auch. Am Samstagvormittag gehen sie an den Haustüren vorbei und bitten um Eier oder Geld. Ein Teil des Geldes ist für einen Ausflug bestimmt, der Rest wird aufgeteilt. „Die Meisten warten dann schon auf uns, manche machen aber auch gar nicht erst auf”, erklären die Messdiener.

In der Osternacht hat das Klappern der Messdiener dann ein Ende - mit dem Gloria kehren die Kirchenglocken schließlich wieder zurück - bis zur Osterzeit im nächsten Jahr.