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Roetgen: Kirchgang mit dem Leben bezahlt

Roetgen : Kirchgang mit dem Leben bezahlt

Wer im 19. Jahrhundert den damals beschwerlichen Weg zur Kirche von Roetgen nach Konzen auf sich nahm, musste mitunter mit dem Tod dafür bezahlen. Die Strecke, die heute in wenigen Autominuten zurückgelegt ist, war für frühere Generationen ein gefährliches Abenteuer.

Gut fünf Minuten oder etwas mehr brauchen wir mit dem Auto von Roetgen nach Konzen. Die Fahrt führt die „Kleine Himmelsleiter” hoch nach Fringshaus und dann über Hoscheit und das Venn hinab nach Konzen. Entlang der Straße (B258) liegt auch ein Radweg, der Wegweiser an der „Ampel” in Konzen zeigt die Länge der Strecke bis Roetgen an: sieben Kilometer. Selbst mit dem Rad ist der Weg von Roetgen nach Konzen kaum Problem.

Kirchweg der katholischen Christen

Das war früher anders, da war der Fußweg von Roetgen nach Konzen eine Tortour, im Winter mitunter sogar ein gefährliches Abenteuer, wie das Schicksal der Magdalena Menzerath zeigt. Die Frau war am 23. Januar 1827 auf dem Heimweg von Roetgen (dort hatte sie den Pachtzins für ein Grundstück bezahlt) in einen heftigen Schneesturm geraten und darin umgekommen. Ein Kreuz an der Straße (linke Seite Richtung Roetgen) erinnert an das tragische Schicksal der Magdalena Menzerath.

Der beschwerliche Weg damals von Roetgen nach Konzen war auch der Kirchweg der katholischen Christen aus Roetgen. Die Kirche der Roetgener stand in Konzen, dorthin mussten sie, um ihre Sonntagspflicht zu erfüllen. In der Konzener Kirche mussten sie ihre Kinder taufen lassen. Von Konzen musste der Priester kommen, um den Sterbenden die Sakramente zu spenden.

Nur 27 Häuser

Roetgen - das war nach dem Dreißigjährigen Krieg nur eine kleine Siedlung: 27 Häuser und etwa 120 bis 150 Einwohner, so überliefert die Chronik. Doch der Ort wuchs, und die Roetgener wollten ihre eigene Kirche, sie wollten, dass ihre Seelsorge unabhängig wird von der Mutterkirche in Konzen.

Ende Juni 1687 schickten sie ein Bittgesuch an den „Hochwürdigsten, Hochedelgeborenen gnädigen Weihbischof”. Darin beklagten sie den weiten, beschwerlichen Weg zur Kirche nach Konzen, zweieinhalb Stunden war der Fußweg weit. Besonders im Winter bei „Schnee und Ungewitter” war es den Christen nicht immer möglich, den Gottesdienst zu besuchen.

”Leib- und Lebensgefahr„

Wegen der „weiten Entlegenheit” blieben Kinder manchmal „ohne die heilige Taufe”; viele Kranke starben, ehe der Pastor von Konzen Roetgen erreichte, um das Sterbesakrament zu spenden. Etliche Verstorbene blieben tagelang „unbegraben”, weil der Schnee zu hoch lag und die Kirche in Konzen nicht erreichbar war.

In einem zweiten Bittgesuch einige Wochen später wird der Weg abermals als recht beschwerlich beschrieben, besonders im Winter war der Weg durch die „rinnbachtige wasserzüchtige Buschhecken” voller Gefahren. Die Gläubigen mussten sich dann „kümmerlich in Leib- und Lebensgefahr im hohen Schnee Bahn machen”. Im Winter, so überliefert die Chronik, wurden „große, lange, dicke Eichenstöcke” in die Erde gesteckt, um bei Schnee den Weg anzuzeigen. Einige haben den Weg zur Kirche über das „wüste Vehnn” sogar mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Losgelöst

Am Ende der heftigen Bemühungen wurde Roetgen von der Pfarre in Konzen losgelöst, die Roetgener erhielten eigene Pfarrer, 1754 wurde das „Rektorat Roetgen” zur Pfarre erhoben - 250 Jahre später ist dies Anlass, ein großes Jubiläum zu feiern. An den beschwerlichen Weg der Roetgener aber erinnert heute noch ein Kreuz am Hause Schreiber, Trierer Straße 10, dort, wo der Weg „Auf Aderich” beginnt.

Wer dieses Kreuz wann und warum aufgestellt hat, ist nicht überliefert. Überliefert ist jedoch dies: Die Kirchgänger aus Roetgen haben auf den Weg zur Kirche nach Konzen an dieser Stelle Rast gemacht, um sich herzurichten für den Gottesdienst. Das Kreuz vor hohen Buchenhecke steht also an historische Stätte der Roetgener Kirchengeschichte.