Konzen: Kirchenumbau: Jetzt fehlt nur noch die Orgel

Konzen: Kirchenumbau: Jetzt fehlt nur noch die Orgel

Der Umbau der Kirche in Konzen ist weitgehend abgeschlossen. Ein wichtiges Element fehlt aber noch: die Orgel. Sie wird zurzeit an ihrem neuen Platz aufgebaut, erst danach ist die Kirche auch wieder für Besucher zugänglich.

Verantwortlich für den Aufbau des Instrumentes ist Orgelbaumeister Werner Gibisch aus Herzogenrath.

Bislang war die Orgel in dem Teil der Kirche untergebracht, der in den vergangenen Monaten zurückgebaut wurde, um Energiekosten einzusparen. Der Platz des Organisten wird in Zukunft links hinter dem Altar sein, dort steht der sogenannte Spieltisch mit den Tastenelementen.

Die eigentliche Orgel findet auf der dem Altar gegenüberliegenden Seite auf einer Empore Platz. „Das ist die klassische Aufstellung wie in 90 Prozent der Fälle. Vor dem Krieg muss die Orgel auch an dieser Stelle gestanden haben. Damals aber noch etwas höher“, sagt Gibisch.

Dafür musste jetzt zunächst die Empore errichtet werden. „Es bot sich an, die Empore zwischen zwei Säulen über der Tür zu befestigen“, erklärt Gibisch. Dabei galt es, die ideale Höhe zu finden: nicht zu tief, wegen der Tür und nicht zu hoch, damit die Pfeifen nicht an die Decke stoßen oder gedrungen aussehen.

Der Unterbau der Empore ist eine Stahlkonstruktion. Vor dem Richtfest hatte der Orgelbauer bereits den Holzbau aufgesetzt, „damit man erahnen kann, wie es aussehen wird“. Vom Glockenturm aus wurde ein Durchstoß zur Empore gemacht und eine kleine Tür eingebaut, so dass die Orgel über diesen Weg zugänglich ist, falls Wartungsarbeiten erforderlich werden.

Die alte Orgel hatte Gibisch abgebaut, in seiner Werkstatt eingelagert und notwendige Änderungen und Überholungsarbeiten vorgenommen. Seit drei Wochen ist er nun wieder in der Kirche zugange. Anfangen konnte er erst, nachdem die Handwerker ihre Aufgaben im Inneren der Kirche weitgehend erledigt hatten, da die Orgel auch gereinigt wird. „Das bringt nichts im laufenden Baubetrieb“, sagt Gibisch.

Jeden Tag könne er nicht in der Kirche arbeiten, weil noch andere Orgeln zu stimmen und zu warten seien. „Ich arbeite hier mit Priorität, ohne die anderen Dinge zu vergessen“, sagt Gibisch.

Inzwischen hat er mit der technischen Montage begonnen. Zuerst wurden die Herzstücke der Orgel, die sogenannten Windladen, mit Hilfe eines Montagelifts aufgestellt. „Das ist der Ort, wo die Pfeifen ihren Wind bekommen“, erklärt der Baumeister.

Diese Windladen erinnern ein wenig an Billardtische. „Die wiegen auch so viel“, sagt Gibisch. Darin sind die Steuerung der Orgel und die Ventile untergebracht, die die Pfeifen freigeben. Die besondere Herausforderung sei, das vorhandene Material bei bestmöglicher Ausnutzung zu verwenden. Um Raum zu sparen, musste er die Windlade für die Fußpedale zweiteilen. „Das war für mich als Orgelbauer die reizvollste Aufgabe“, sagt Gibisch. Eine andere Herausforderung wird die Neuanordnung der Pfeifen sein, die dann vom Kirchenraum aus sichtbar sind.

Jetzt ist er mit der Windanlage beschäftigt. Er baut das elektrische Gebläse ein, die Ventile und Bälge und verbindet die einzelnen Kanäle mit den Windladen. „Das ist hier ein relativ einfaches System mit flexiblen Kanälen beziehungsweise Schläuchen.“

Im nächsten Schritt geht es um die elektrischen Verbindungen. Der Spieltisch muss noch mit der Orgel auf der Empore verbunden werden. Die Kabel wurden schon im Rohbau verlegt, aber die Anschlüsse fehlen noch. Danach ist die technische Arbeit abgeschlossen und die Pfeifen werden Register für Register aufgestellt.

Anschließend steht die künstlerisch anspruchsvollste Aufgabe, die sogenannte Intonation auf dem Plan. „Man könnte das als Klanggebung übersetzen. Jede einzelne Pfeife wird in ihrem Klang auf den Raum abgestimmt. Wichtig ist, dass alle Pfeifen innerhalb eines Registers homogen sind, zum Beispiel nicht die eine laut und die andere leise. Das wäre ein furchtbares Durcheinander.

Es muss ein Gleichgewicht der Klangfarben geben“, erläutert Gibisch. Das kann in der Werkstatt vorbereitet werden, fertiggestellt werden kann die Arbeit aber nur im Kirchenraum. Dazu sind dann zwei Leute nötig, einer der sich um die Pfeifen kümmert und einer, der unten steht und sagt, in welche Richtung es gehen soll. Wichtig ist, dass es dabei keine Störgeräusche gibt. „Es ist sehr sinnvoll, wirklich Ruhe zu haben“, sagt Gibisch.

Der Umbau einer Kirchenorgel sei im Detail nicht planbar, sagt Gibisch. „Wichtig ist, ein Konzept zu haben. Man muss aber auch vor Ort spontan auf die Gegebenheiten reagieren.“ Ende Oktober will der Orgelbauer fertig sein.

Am Volkstrauertag, dem 15. November, soll es um 14.30 Uhr eine Kranzniederlegung geben. Um 15 Uhr wird Gottesdienst gefeiert, anschließend wird zu einer Agapefeier eingeladen. Und dann soll die „alte,neue Orgel“ erstmals vor Publikum erklingen.

(ag)
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