Kesternich: Kesternichs Kirchturm im Karnevalszug

Kesternich: Kesternichs Kirchturm im Karnevalszug

Wie überall, so hat man auch in Kesternich am Rosenmontag selbstverständlich darüber nachgedacht, ob man den Zug wegen der angekündigten Orkanböen absagen sollte, aber am Mittag waren sich die Verantwortlichen der Karnevalsgesellschaft „Kester Lehmschwalbe“ einig, dass sich der Zug auf jeden Fall planmäßig wie immer in der Rurberger Straße aufstellen sollte.

„Abbrechen kann immer noch“, meinte KG-Präsident Rolf Schneider, und als der Zug sich dann um 14 Uhr bei Sonnenschein und einem strammen Westwind in Bewegung setzte, hatten die Verantwortlichen das Gefühl alles richtig gemacht zu haben, auch wenn man ebenfalls über ein Absage des Zuges nachgedacht habe. „Was in Köln geht, das geht auch in der Eifel“, meinte der Präsident, der sich am Ende in seiner Taktik bestätigt fühlte, bis zur buchstäblich letzten Minute abzuwarten.

Kein Angst vor wilden Tieren: Dieser „Käfig voller Narren“ in Kesternich war ganz und gar in friedlicher Absicht unterwegs. Foto: P. Stollenwerk

VW und FIFA dabei

Elvis lebt: Wer es nicht glauben will, der konnte sich beim Kesternicher Rosenmontagszug vom Gegenteil überzeugen. Foto: P. Stollenwerk

So machten sich rund 20 Wagen und Gruppen auf den Weg, und Akteure wie Zuschauer waren bester Stimmung, wenn auch hin wieder die eine oder andere Kopfdeckung sich in den Flug der Kamelle mischte.

Aktuelle und lokale Themen, dazu eine Vielzahl bunter und fantasievoll gestaltetet Fußgruppen sorgten einmal mehr für eine fröhliche Mischung in Kesternich. Sechs Gruppen stellten sich zudem der Jury, um später im Festzelt bei der Prämierung aufs Treppchen zu kommen.

Der VW-Abgas-Skandal („Willst du dampfen wie ‚ne Lokomotive, ist VW die Alternative“) spielte auch in Kesternich eine Rolle, nicht weniger auch der FIFA-Geldskandal. Selbst das Dschungel-Camp schlug in Kesternich („Holt uns hier raus, die Jecken flippen aus“) auf, während die Dorfbäcker sich mehr Sorgen darum machten, dass die Infrastruktur in Kesternich verloren geht: „Und gehen im Dorf die Lichter aus, so machen wir das Beste draus; ernähren uns von Brot und Kuchen, bevor die auch das Weite suchen.“

Ein großes Diskussionsthema aus dem vergangenen Jahr durfte auch im Kesternicher Rosenmontagszug nicht fehlen: Unter dem Motto „Unser Kirchturm klein und fein, hätte größer können sein“ wurde der letztlich gescheiterte Versuch, der Pfarrkirche zu einer neuen Turmspitze zu verhelfen, pointiert aufgegriffen.

Kamelle flogen nicht nur aus dem offenen Kirchturm sondern selbstverständlich auch von den anderen Mottowagen auf die Narrenschar herunter, wobei besonders Lehmschwalben-Prinz André und Prinzessin Susanne im Blickpunkt standen, die den Höhepunkt der Session hoch oben über dem Spalier der Jecken in vollen Zügen sowie wind- und wetterfest auskosteten.

(P. St.)
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