Montjoie: „Kermes“ ist Publikumsmagnet mit historischen Fahrgeschäften

Montjoie : „Kermes“ ist Publikumsmagnet mit historischen Fahrgeschäften

Die „Kermes“ der Bürgerschützen Montjoie 1361 gehört zu den traditionsreichsten Festen in der historischen Altstadt, aber das Volksfest Anfang September drohte zur geschlossenen Veranstaltung zu werden und aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden, hätte da nicht im vorigen Jahr ein Geistesblitz das Fest wiederbelebt.

Mit dem mutigen Versuch, die Kermes in historische Jahrmarkt-Romantik einzubinden, landeten die Initiatoren der „Monev“ (Monschauer Event gUG) als Veranstalter in Kooperation mit der Monschau Touristik einen Volltreffer. Der gelungenen Premiere im Jahr 2017 folgte jetzt zum zweiten Mal nostalgische Kirmesromantik in malerischer Kulisse.

Seit Freitag bestimmen Gaukler, Zauberer, Straßenmusikanten und Spaßmacher das Geschehen in der Altstadt. Am Dienstag ist der letzte Tage der „Monscher Kermes anno dazumal“. Noch einmal kann man die „Dame ohne Kopf“ bestaunen, sich auf die mächtige Schiffschaukel auf dem Gerberplatz oder das historische Kettenkarussell begeben. Esmeralda, die viel beschäftigte Wahrsagerin mit Herz („Du kommst als fragender Gast und gehst als wissender Freund“) ist ebenso ein Blickfang wie auch das historische Riesenrad von 1902 auf dem Marktplatz.

Abwechslung in den Gassen

Die „Kermes anno dazumal“ mit historischen Fahrgeschäften und Straßenkünstlern erwies sich bei optimalen Wetterbedingungen als echter Publikumsmagnet. Das historische Jahrmarktambiente brachte neuen Schwung und neue Gäste nach Monschau.

Für Abwechslung in den Altstadtgassen sorgten derweil zahlreiche Kleinkünstler, die der bekannte Pantomime Gilbert für Monschau gewinnen konnte. Gilbert war Feuer und Flamme für die Idee, im historischen Altstadtkern die traditionelle Jahrmarktkultur aufleben zu lassen. Auf einer kleinen Bühne vor dem Roten Haus demonstrierten Illusionisten und Zauberer die alte Kunst der Jahrmarktunterhaltung.

Geheimnisvoll: Wahrsagerin Esmeralda aus Hamburg liest „Zigeuner-Weisheiten“ aus Karten. Foto: P. Stollenwerk

Gilbert Jakubczyk ist gerne in der Stadt. Er lebte 17 Jahre lang in Konzen, ehe er im Jahr 2005 nach Gotha zog. Der 66-Jährige, der in Brüssel geboren wurde und seit seinem 13. Lebensjahr Straßenkünstler ist, kann auf ein bewegtes Leben als Pantomime, Feuerspucker, Flohzirkus-Dompteur und Magier zurückblicken. Berühmt aber wurde Gilbert als Automatenmensch auf den Straßen von Paris, als er mit roboterähnlichen Bewegungen das Publikum faszinierte.

Dem Ruf aus Monschau folgte Gilbert im vorigen Jahr gerne, und nach der erfolgreichen Wiederauflage in diesem Jahr könnte er sich vorstellen, dass sich die „Kermes anno dazumal“ in Monschau wie auch schon in Kornelimünster und Kommern als festes Angebot etabliert.

Mit Gilbert als Straßenkünstler ist dann weiterhin zu rechnen, denn er denkt noch nicht daran, in Rente zu gehen. Außerdem steht im Oktober ein wichtiges persönliches Ereignis bevor. Dann heiratet er in Gotha, und niemand dürfte überrascht sein, dass die Braut eine Seiltänzerin ist und aus der bekannten Artistenfamilie Weisheit stammt. Dennoch weiß Gilbert, dass das Leben als Straßenkünstler harte Arbeit ist.

„Schwertschlucker und Feuerspucker sind vom Aussterben bedroht“, sagt er mit hintergründigem Schmunzeln, während er den korrekten Sitz seines leuchtend roten Zirkusdirektormantels prüft. Andererseits beobachtet er mit Freude, dass die Zahl der nostalgischen Märkte wieder größer wird. „Wir Straßenkünstler verfügen über ein Charisma, das die Menschen fasziniert“, sagt Gilbert, denn alle Shows verfügten über einen historischen Hintergrund.

Das kann auch Dr. Marrax bestätigen, der Zauberkunst aus alter Zeit darbietet. Max Matheis, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, macht allerdings in diesem Jahr aus Altersgründen Schluss mit der Kleinkunst. Die kleine Vorführung auf der Bühne vor dem Roten Haus in Monschau gehört praktisch schon zur Abschiedstournee des Stuttgarters. Erst vor zwei Wochen wurde er noch auf den Straßen Lissabons vom Publikum gefeiert, und mit Stolz verweist er auf seine beiden dritten Plätze bei der Weltmeisterschaft der Zauberer. Marrax liebt die Kleinkunst auf der Straße.

Der Marktplatz aus der Vogelperspektive: Das historische Riesenrad der Schaustellerfamilie Feldmann aus Oldenburg drehte sich ohne Pause. Foto: P. Stollenwerk

„Wir bereichern als die letzten Vertreter des fahrenden Volkes die historischen Jahrmärkte und halten die Unterhaltungskunst des 19. Jahrhunderts am Leben“, sagt der ganz in Schwarz gekleidete Magier. „Wir profitieren auch ein wenig von der gerade aktuellen Retrowelle“, ergänzt Dr. Marrax. Auch er ist von der „Kermes anno dazumal“ in Monschau begeistert: „Das passt wunderbar ins historische Stadtbild“, und er lobt auch die Veranstalter. „Hier hat man als Künstler das Gefühl, ein Teil der Konzeption zu sein.“

Idee hat Zeug zum Dauerbrenner

Auch Gilbert lobt das Engagement und die Unterstützung. „Sogar die Stadtbahn hat extra die Route geändert, um die Vorführungen nicht zu stören“, freut er sich. Gilbert kann sich vorstellen, „noch mehr Nostalgie nach Monschau zu bringen“, zumal die Stadt für ihn auch ein Stück Heimat bedeute. „Die Idee der historischen Kirmes hat bestimmt langfristig Bestand.“

(P. St.)
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