„Kaffee für Trauernde“ als neues Angebot des Ambulanten Hospizdienstes

Erstes Treffen am 11. September in Roetgen : Reden, zuhören oder einfach nur da sein

Miteinander reden, zuhören oder einfach nur da sein. Die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen ist eine Arbeit mit vielen Facetten. Und sie ist auch für die Ehrenamtler „unglaublich bereichernd“, wie die Mitarbeiterinnen des Ambulanten Hospizdienstes der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land übereinstimmend versichern.

Ab September möchte die Gruppe ihr Angebot in der Eifel deshalb noch erweitern und im nächsten Schritt auch trauernden Menschen unabhängig von Religion, Nationalität oder Weltanschauung regelmäßig eine Möglichkeit zum Austausch anbieten.

„Kaffee für Trauernde“ hat der Arbeitskreis sein neues Angebot genannt, das fortan an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr im Gemeindehaus, Rosentalstraße 12, in Roetgen, stattfinden wird (s. auch Termine in der Info-Box). „Besuchen Sie uns auf einen Kaffee, kommen Sie mit uns ins Gespräch, nehmen Sie sich eine kleine Auszeit“, heißt es auf kleinen beige-braunen Flyern, die derzeit in vielen Arztpraxen, im Krankenhaus, in Geschäften und Altenheimen ausliegen. „Wir sind sehr gespannt und wissen natürlich überhaupt noch nicht, was uns erwartet“, sagt Margarete Steger, seit 2013 hauptamtliche Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes, und fügt lachend hinzu: „Wir hoffen natürlich, dass wir nicht unter uns bleiben.“ Vielleicht müsse sich das neue Angebot auch erst einmal rund sprechen, vermutet Steger und kündigt an, dass es in jedem Falle nicht beim ersten Termin bleiben werde.

Dass der Hospizdienst neben der Sterbebegleitung nun auch in die Trauerarbeit einsteigen könne, liege „an der Luxussituation, dass wir mittlerweile rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben“, erläutert Pfarrer Wolfgang Köhne. Somit könne man einen Teil dieser Ehrenamtler quasi abzweigen, damit diese „sich einmal einer anderen Arbeit widmen und den eigenen Horizont erweitern können“, sagt Köhne.

Die zurzeit sechs Frauen, die beim „Kaffee für Trauernde“ zur Verfügung stehen werden, gehen alles andere als unvorbereitet in die Aufgabe. Monika Bahr und Angela Hoßfeld aus Roetgen, Claudia Heidbüchel aus Rurberg, Monika Jorewitz aus Imgenbroich, Manuela Völl aus Mützenich und Jutta Müller aus Walheim haben allesamt neben ihrer Ausbildung und jahrelangen Erfahrung als Sterbebegleiterinnen im vergangenen Jahr eine einjährige Ausbildung als Trauerbegleiterinnen absolviert, die in diesen Tagen endet.

Die starken, engagierten Frauen sind teilweise infolge eigener Erfahrungen und Betroffenheit zur Hospiz- und nun auch zur Trauerarbeit gelangt. Der Tod der eigenen Eltern habe sie damals nicht losgelassen, erzählt Claudia Heidbüchel, und auch Manuela Völl sagt, dass der Tod der eigenen Mutter den Impuls gab, sich zu engagieren: „Ich habe bei allem Leid die Trauerarbeit in meinem Heimatort bei Köln damals als Lichtblick empfunden und hätte mir ein solches Angebot auch hier in der Eifel gewünscht“, sagt sie. Deshalb freue sie sich nun, „dieses gute Gefühl von damals irgendjemanden zurückgeben zu können“. Jutta Müller kam über ihren Beruf als Arzthelferin zwangsläufig mit trauernden Menschen ins Gespräch und lernte mit der Zeit das richtige Maß von Reden und Zuhören, um den Patienten zu helfen, die um einen lieben Menschen trauern.

Dies, das richtige Verhalten gegenüber Trauernden, sei auch ein wesentlicher Inhalt des Trauerseminars, erläutert Margarete Steger. „Manchmal bedarf es auch überhaupt keiner Worte, sondern hilft es den Menschen schon, einfach nicht alleine zu sein mit der Trauer“, sagt sie. Auch im „Kaffee für Trauernde“ müsse man nicht zwangsweise über seine Trauer sprechen; wenn dies aber gewünscht werde, stünden die Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes als Gesprächspartner oder auch als Moderatorinnen für einen Austausch mit anderen Betroffenen zur Verfügung, verspricht die Sozialarbeiterin.

Für Wolfgang Köhne ist es auch denkbar, dass Menschen das Angebot wahrnehmen, die den Hospizdienst beim Tod eines nahestehenden Menschen kennengelernt haben. „Angehörige haben schon häufiger den Wunsch geäußert, auch über den Tod des Verwandten hinaus mit uns in Kontakt zu bleiben. Auch das wird unser ‚Kaffee‘ leisten können“, so der Pfarrer, der ausdrücklich betont, dass das Angebot für alle Menschen gilt, also unabhängig von Religion, Nationalität und Weltanschauung. „Hier gilt das Gleiche wie bei unserer Hospizarbeit, wo die Evangelische Kirchengemeinde lediglich als Träger fungiert, jedoch keinesfalls missionieren möchte“, betont Wolfgang Köhne.

Seit 1996 engagierte sich die Evangelische Kirchengemeinde Roetgen unter der Leitung von Pfarrer Wolfgang Köhne in der Hospizarbeit und gründete seinerzeit den „Ambulanten Hospizdienst Monschauer Land“ als einen der ersten Dienste dieser Art im damaligen Kreis Aachen. Heute ist die Evangelische Kirchengemeinde Monschauer Land Träger dieses Dienstes, der für die Ortschaften Monschau, Simmerath, Roetgen, Nideggen-Schmidt und Hürtgenwald-Vossenack zuständig ist.

„Sterben, Tod und Trauer sind Teile unseres Lebens und genauso einschneidend wie die Geburt. Während wir uns auf eine Geburt mit großer Sorgfalt vorbereiten, neigen wir dazu, den Tod und unsere damit verbundenen Ängste zu verdrängen. Die Idee des hospizlichen Gedankens ist, das Sterben wieder in das Leben zurückzuholen“, erläutert Margarete Steger. Gleiches gelte für die Trauer, die eine leistungsorientierte Gesellschaft genauso wie das Sterben gerne abschiebe in Altenheime, Krankenhäuser und das eigene Zuhause, glaubt die Leiterin und lädt ein: „Wir aber möchten unsere Türen öffnen und würden uns freuen, wenn viele interessierte Menschen das Angebot annehmen würden.“

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