Konzen: Jupp Hammerschmidt präsentiert sein neues Programm

Konzen: Jupp Hammerschmidt präsentiert sein neues Programm

Das halbe Schwein hat ausgedient — jetzt folgt der Bohnerblock: Eifel-Kabarettist Jupp Hammerschmidt (68) hat ein neues Programm aufgelegt, das er am kommenden Samstag, 14. November, erstmals im Monschauer Land präsentiert. Beginn ist um 20 Uhr im Saal Achim und Elke in Konzen.

Nach gelungenem Programmstart am vergangenen Sonntag im belgischen Bütgenbach will Jupp Hammerschmidt jetzt auch die Freunde des Nostalgie-Humors aus der Nachkriegs-Eifel wieder mit Alltagsgeschichten aus seiner Höfener Kindheit erfreuen. Der Wiedererkennungswert für viele Besucher ist sehr hoch, denn wenn Jupp Hammerschmidt von Kreuzweg und Kommunionfest berichtet, dann leben Erinnerungen auf an eine Kindheit, die vielleicht nicht immer so unbeschwert war, wie sie dann oft später dargestellt worden ist.

Ein Jahr lang spielte Jupp Hammerschmidt mit großem Erfolg sein Programm „Das halbe Schwein — die ganze Wahrheit über die Eifel“. Nun folgt die konsequente Fortsetzung des Eifel-Anekdoten-Programms unter der Programmüberschrift. „Der Ritt auf dem Bohnerblock — Die Eifel im Zeitalter des Linoleums“.

„Der freitägliche Ritt auf dem Bohnerblock war im Zeitalter des Linoleums ein Riesen-Vergnügen — für den Blockhocker versteht sich. Für den Schieber war es dagegen schwere Arbeit“, erzählt Jupp Hammerschmidt. Bei einem Bruder und 15 Schwestern sei der Platz auf dem Bohnerblock, wie man sich denken könne, in der Familie Hammerschmidt heftigst umkämpft gewesen. „Das war wie Karrusselfahren.“

Für das neue Programm hat sich Hammerschmidt selbstverständlich auch einen original Bohner- block besorgt, aber nicht alles im Programm dreht sich um blitzblanke Fußböden und wilde Fahrten auf dem Bohnerblock.

Sehr hektisch ging es bei den Hammerschmidts auch am Muttertag zu, selbst in den Jahren, in denen das Tischtuch ausnahmsweise mal nicht in Brand geriet.

In der Fastenzeit hätte man mal ein bisschen zur Ruhe kommen können, wenn, ja wenn nicht das Kreuzwegbeten gewesen wäre. Täglich nach dem Mittagessen versammelten sich die Dorfjungs in der Kirche — und dann ging es darum, wer in einer Stunde die 14 Kreuzwegstationen mit Vaterunser, Gegrüßetseisdumaria und Ehreseidemvater am häufigsten „abgebetet“ hatte. Und dann gab es da noch das Ablass-Beten, was für Jupp Hammerschmidt „ein regelrechter sportlicher Wettbewerb“ war.

Jupp Hammerschmidt weiß aber noch viel mehr zu erzählen, zum Beispiel vom Tropfenfänger, der eigentlich an der Kaffeekanne das „Trösseln“ unterbinden sollte.

Dann schlägt er den Bogen vom Linoleum zum „Eisbahnschlagen“ auf der Straße, denn nicht nur Jupp Hammerschmidt weiß es noch als wäre es gestern gewesen: „Damals lag ja noch von Ende August bis Anfang Juni durchgängig Schnee.“

Die Präsentation der neuen Sommerklamotten bei minus 15 Grad an Ostern im Hochamt („Der Mittelgang in der Kirche war der Catwalk“) gehört ebenso zu den prägenden Kindheitserinnerungen wie auch die Rolle des Eierlikörs beim Flechten der Fronleichnamskränze in der Scheune und der damit verbundenen „Angst-Phantasien“.

Unvergessen bleibt auch, als Papa mit seiner „Agfa Silette“ per Selbstauslöser ein Familienfoto machte, aber beim Spurt vom Fotoapparat zur Restfamilie ausrutschte — und dann auf dem Foto äußerst dekorativ unten quer vor allen anderen im Matsch lag.

Und: Jupp sind neue Strophen des ersten Raps der Menschheitsgeschichte wieder eingefallen, die er über die Jahre vergessen hatte: „Zömmermanns Jupp, dä arme Schlupp!“

Zwischendurch streut er ein paar Gedichte und ein paar „philosophische Versenktexte“ ein.

„Die Ereignisse der Kindheit haben sich bei mir einfach fest eingeprägt“, erzählt Hammerschmidt. „Der ganze Jahresrhythmus im Dorf war doch bestimmt durch die kirchlichen Rituale und Feste“, selbst das Leben der Bauern sei von der katholischen Kirche dominiert worden. „Der Pastor erteilte dann von der Kanzel aus die Genehmigung, dass die Bauern auch sonntags im Heu arbeiten durften.“

„Die Kinder hatten in erster Linie ja zu gehorchen“, erzählt Jupp Hammerschmidt, und kann sich noch genau an „die Angst des Versagens beim Erstkommunion-Gottesdienst“ erinnern.

So darf sich der Zuhörer auf ein Wechselspiel aus Nostalgie und Melancholie zwischen dörflicher Idylle und dörflichen Pflichten fühlen. „Es soll keine Langeweile aufkommen“, verspricht Jupp Hammerschmidt. „Die Leute sollen sich amüsieren und sich wiederfinden.“

(P. St.)
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