Jupp Hammerschmidt philosophiert in Mützenich über das „Klümpchensglas“

Jupp Hammerschmidt in Mützenich : Neues und Bekanntes vom Eifel-Rapper

Jupp Hammerschmidt philosophiert in Mützenich über das „Klümpchensglas“ und andere Eifeler Eigenarten. Der Eifeler Geschichtenerzähler präsentierte im „Weissen Pferdchen“ sein neues Programm.

Zunächst unter keinem guten Stern stand der Auftritt von Kabarettist Jupp Hammerschmidt in der Kunst- und Kulturstätte „Weisses Pferdchen“ in Mützenich, denn wenige Minuten vor seinem Auftritt am Samstagabend im Venndorf war der Bühnenscheinwerfer „verreckt“, wie sich der Botschafter Eifeler Kulturgutes aus Höfen treffend ausdrückte. Aber da der erfahrene Geschichtenerzähler aus dem Heckendorf die Kunst des Improvisierens beherrscht, agierte er eben aus dem Halbdunkel heraus, und mit dem Auftaktlied „Die Eifel ist kalt“ war das Eis bei den rund 60 Gästen im gemütlichen Saal dann auch schnell gebrochen.

„Das Klümpchensglas – Verzicht und Genuss in der Eifel“ hat der 71-Jährige sein neues Programm genannt, und die Besucher durften sich in der Tat an vielen neuen Geschichten, Episoden und Liedern erfreuen, wenngleich auch Altbekanntes aus dem Klümpchensglas hervorgeholt wurde, aber die Kalauer-Klassiker hört das Publikum eben immer wieder gerne. Jupp Hammerschmidt philosophierte über „Rodong-Kuchen“, den „Makkei“ und über „dröss Verzöll“. Seine Streifzüge durch das von Entbehrungen geprägte Eifeler Dorfleben aus früherer Zeit machte bei den Besuchern Erinnerungen aus der eigenen Kindheit lebendig, wenn es um Themen wie Brötchen holen oder die Beichte am Samstagnachmittag ging.

Voller Konzentration lauschten die Gäste den treffsicheren Abstechern Hammerschmidts in hohe Dichtkunst. Seine geknüppelten Reime und tiefgründigen „Versenktexte“ trug er mit Inbrunst und großer Gestik vor. Das Publikum war begeistert von der gekonnten Vortragskunst sinnfreier Textzeilen. Andererseits erzählt Jupp Hammerschmidt immer wieder fast beiläufig aus dem Familienleben mit seinen „15 Schwestern“, biegt dann wortreich ein in die Kurve zu Eifeler Eigenarten und Errungenschaften und liefert am Ende eine schlüssige Erklärung dafür, warum der Ursprung des „Schmachtphones“ ausgerechnet in Höfen liegt.

Die Übergänge zu den einzelnen Themen sind oft sprunghaft, aber bevor er sich verzettelt, findet Hammerschmidt, der mit wenigen griffbereiten Utensilien auskommt, stets wieder zurück in die Spur. Dabei testet er auch immer wieder die Grenzen des geschmackvollen Wortwitzes aus. Die „stabilen Eifeler Frauen“, denen der stramme Westwind nichts anhaben kann, sind für Hammerschmidt immer noch real vorhanden, und er findet in der aus der Vulkaneifel stammenden SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles ein treffliches Beispiel dafür.

Ganz am Rande gibt der Kabarettist auch noch praktische Tipps zur Stimmbildung, und nicht minder gekonnt ist sein neuer Eifel-Rap im Schieber-Rhythmus, den er als „DJ Hammersmith“ im Schneckentempo inszeniert. Am Ende gibt es dann als Zugabe noch große Opernmelodien in original Eifeler Vertonung, ehe die gut gestimmten Gäste den Künstler mit viel Beifall nach seinem einzigen Auftritt in der Nordeifel verabschieden.

„Die Zeit ist schnell vergangen“, sagt jemand im Publikum, und noch etwas mehr Zeit wird vergehen, ehe man Jupp Hammerschmidt in Mützenich wiedersehen wird. Der Termin steht aber schon fest: Am 9. November 2019 ist er wieder zu Gast im „Weissen Pferdchen“. Dann wird die Kunst- und Kulturstätte an der Eupener Straße unter neuer Leitung stehen. Hausherr Bernhard Schrouff kündigte zum Ende des Jahres seines Rückzug an. Die Einrichtung aber bleibt bestehen und wird künftig von seinem Sohn fortgeführt. Verbunden damit ist auch eine neue Konzeption. Am 5. Januar 2019 wird es die Wiedereröffnung des Bistros geben. Ab dann ist die Lokalität mit historischem Ursprung regelmäßig von freitags bis sonntags geöffnet.

(P.St.)
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