Jupp Hammerschmidt mit neuem Programm in Monschau

Eifel-Kabarettist Jupp Hammerschmidt : Mit Sarkasmus und etwas Wehmut

Jupp Hammerschmidt würzt in seinem neuen Programm Vergnügliches mit einem Hauch Melancholie. Denn auch „seine Eifel“ hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert.

Den Moment zu erleben, in dem die Schwalben in riesigen Schwärmen gen Süden aufbrechen: Dies war einst der sehnlichste Wunsch des jungen Jupp Hammerschmidt. Als Kind beobachtete er im Herbst, wie sich „de Schwaleme“ auf den Stromleitungen rund um sein Heimatdorf Höfen in lange Reihen einfanden. Jupp malte sich dann aus, wie die „Oberschwalbe“ plötzlich den Befehl zum Aufbruch geben würde. „Ich habe diesen Moment nie erlebt. Ich musste abends zeitig ins Bett – und am anderen Tag waren die Schwalben Jahr für Jahr schon aufgebrochen“, sagt Hammerschmidt heute.

Im Jahr 2019 sind die riesigen Schwärme aus den Dörfern der Eifel verschwunden – so wie vieles andere, das für die Kindheit und Jugend des 72-Jährigen und seiner Zeitgenossen prägend war. Heuböcke und Frisierkommoden etwa, oder „ett Beremeter“ (Barometer) neben dem Weihwasserpöttchen an der Wand. Hammerschmidt erinnert sich an den Duft von Heu, der an den letzten warmen Tagen im Spätsommer die Eifeler Ortschaften durchzog.

So schwingt ein Hauch von Melancholie mit, wenn sich der Kabarettist in seinem neuen Programm „Zömmermanns Jupp, dä arme Schlupp“ wieder zu einer Reise durch die Eifel aufmacht. Denn auch nach ungezählten Bühnenjahren gibt es für Hammerschmidt in der alten Heimat noch immer Neues zu entdecken, etwa die poetische Kraft der Eifeler Ortsnahmen. „Roooohhhren.“ Fehlen dürfen da natürlich nicht die grundlegenden satirischen Betrachtungen über die Natur der hiesigen Landbevölkerung.

Drei Säulen der Eifeler Existenz benennt Hammerschmidt, die da wären: das Schweigen, das Trinken und das Denken. Der „baschtisch wracke Wönk“ (starke Wind) habe dem Eifeler im Laufe der Evolution das Reden verleidet. „Aus Sorge um die Gesundheit macht er den Mund einfach nicht so oft auf.“ Stattdessen stapfe der Eifeler lieber ins Hohe Venn, um zu schweigen und zu denken. Und dabei natürlich aus dem Flachmann zu trinken. All das gipfelt in dem alten Witz vom Rheinländer, der einen Eifeler trifft, auf dessen Schultern ein Papagei sitzt. „Spricht der auch?“, will der Rheinländer wissen. „Ich weiß es nicht“, antwortet der Papagei.

Wer Hammerschmidts Programme kennt, der weiß: Für den Ur-Höfener sind Witze über Kalterherberg und seine Bewohner naturgemäß Pflicht. Mit sichtlichem Vergnügen arbeitet sich der Kabarettist am Kalterherberger und seiner „Affinität zum Umlaut, speziell zum Ö“ ab. Nichts ist ihm heilig, nicht einmal der Eifeldom mit seinen unterschiedlich hohen Türmen. „Für Kalterherberger Verhältnisse noch ganz gelungen“, befindet Hammerschmidt.

Erstmalig im Programm präsentiert er die berühmte Arie „Als ich einst Prinz war von Kalmuckien“ aus Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“ über den damaligen Herrscher über das Kaffeeschmuggler-Paradies „Kalmuckien“, von den einfachen Leuten „Muckefuckien“ genannt. „Die Unterwelt lag und liegt ja bekanntlich direkt unter dem Wald von Kalterherberg.“

Live und in Farbe zu erleben ist all das im November nicht in Kalterherberg, sondern in Mützenich: am Samstag, 9. November, um 20 Uhr im „Weißen Pferchen“, Eupener Straße 62. Und in Konzen „Bei Achim und Elke“, Trierer Straße 49, am Samstag, 24. November, um 19 Uhr. Weitere Termine auf der Webseite www.jupp-hammerschmidt.de

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