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Nordeifel: Jupp Hammerschmidt hat seine Erinnerungen aufgeschrieben

Nordeifel : Jupp Hammerschmidt hat seine Erinnerungen aufgeschrieben

„Die Frisierkommode ist vom Aussterben bedroht. Selbst in der Eifel. Das ist eine der bittersten Wahrheiten zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Ausgerechnet die Frisierkommode! Früher ein absolutes Muss in jedem Eifeler Schlafzimmer.

Dieses majestätische Möbel mit dem breiten festen Spiegel in der Mitte und zwei schmäleren, aber dafür Scharnierspiegeln rechts und links. Für mich bis zum heutigen Tag die genialste Erfindung der Menschheitsgeschichte.”

Wer der schon etwas im Alter fortgeschrittenen Generation angehört, wird sich in diesem Text rasch wiederfinden und die Frisierkommode im Elternschlafzimmer der Nachkriegszeit vor dem geistigen Auge auftauchen sehen.

Es sind die ersten Sätze einer kleinen Kurzgeschichte mit dem Titel „Die Frisierkommode.” Es ist eine von 43 Geschichten, die Autor Jupp Hammerschmidt jetzt in einem Taschenbuch veröffentlicht hat, das im Eupener Grenz-Echo Verlag erschienen ist.

Das Buch ist eine Sammlung von Anekdoten und tatsächlichen Begebenheiten über den „abenteuerlichen Alltag in der Eifel” sagt der Autor. Er spricht von „Erinnerungen eines Nachkriegsgeborenen”, und die Eifeler aus dieser Generation werden beim Lesen der Geschichten, die von St. Martin, Aufklärung und Dorfkirmes ebenso liebevoll wie schonungslos erzählen, an ihre eigene Kindheit erinnert - im spießig eingerichteten Wohnzimmer, eingemauert in die festen Regeln des Alltags.

Der Autor Jupp Hammerschmidt wurde 1947 im Eifeldorf Höfen „bei pfeifendem Westwind hinter hohen Buchenhecken, nur einen Steinwurf entfernt von Kalterherberg” als Wendelin Rader geboren.

Im Kabarett-Duo „Die Zwei aus der Eifel” mit Hubert vom Venn ist er in der Region bekannt geworden, hat sich aber auch als Comedy-Autor in Rundfunk und Fernsehen einen Namen gemacht. Eine Vielzahl der Texte wird der Besucher der Kabarett-Veranstaltungen daher auch wieder erkennen.

Das Buch ist eine ebenso authentische wie originelle Betrachtung von typischen Kindheitserlebnissen in der Eifel zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre und damit zugleich auch ein Spiegelbild der oft überhaupt nicht guten, alten Zeit.

Die Geschichten sind tragik-komische Erinnerungen des erlebtem Alltags in der Eifel - und damit auch ein kleines Stück Zeitgeschichte. Und manchmal weiß der Leser nicht so recht, ob er weinen oder lachen soll, wenn Jupp Hammerschmidt von seiner „glücklichen Kindheit” wie folgt erzählt: „Wenn ich nur an den einen Sommerabend zurückdenke: Ich kam pünktlich mit der Abendglocke vom Fußballspielen nach Hause zurück, aber vor mir war leider schon unser Nachbarsbauer da gewesen, wir hatten seine Heuwiese platt gebolzt. Den Weg die Treppe hoch hätte ich mir im Grunde komplett sparen können: Oben angekommen, kriegte ich derart eine gescheuert, dass gleich wieder unten im Flur landete.

Zeitgleich mit meinem knallharten Aufschlag unter auf dem Steinfußboden hörte ich von oben die sensible, mitfühlende Vaterstimme: „Da werd ich dir noch enns die Heuwiese plattbolzen, du drössdämliche Kappeskopp!”