Lammersdorf: Junker entlässt: Personalabbau, Serviceausbau, bald ohne Gießerei

Lammersdorf: Junker entlässt: Personalabbau, Serviceausbau, bald ohne Gießerei

Die bereits Mitte des Jahres beim Lammersdorfer Industrieofenbauer Junker angekündigten Veränderungen, verbunden mit einer Neuausrichtung der Geschäftsfelder, nimmt konkrete Formen an. Eine schmerzliche Folge des Eingriffs in die bisherige Unternehmensstruktur ist die Tatsache, dass im Laufe des kommenden Jahres 33 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Insgesamt beschäftigt Junker am Standort Lammersdorf rund 500 Mitarbeiter. Der Personalabbau erfolgt je nach Verhandlungsergebnis mit den Betroffenen und dem Betriebsrat zum 1. Februar oder zum 1. Juni 2018. Für diese Maßnahme wurden zwei Transfergesellschaften gegründet. Die Entlassungen werden im Bereich des Anlagenbaus erfolgen, wo laut Unternehmensleitung besonders im Bereich der Verwaltung die Abläufe einer Prüfung unterzogen wurden, nachdem Mitte des Jahres bereits die Bereiche Schmelz- und Wärmeanlagen zusammengeführt wurden.

Die Umsetzung der strategischen, organisatorischen und personellen Veränderungen bei Junker gemeinsam mit dem Managementteam stellt sich als erste große Herausforderung dem neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der Otto-Junker-GmbH, Bernward Reif. Der 54-jährige neue „Chief Executive Officer“ verfügt über internationale Branchenkenntnisse und trat zum 1. November seinen Posten beim größten Arbeitgeber der Gemeinde Simmerath an.

Ziel: Gewinn optimieren

Seine nun begonnenen „Restrukturierungsbemühungen“ verfolgten in erster Linie das Ziel, den operativen Gewinn des Unternehmens zu optimieren, um sich auch in konjunkturell schwierigen Zeiten nachhaltig auf dem Markt behaupten zu können, sagt er. Reif: „Die bereits im Sommer eingeschlagene Strategie ist nun in der Phase der Umsetzung“. Bei den Entlassungen habe man sich im Dialog mit der Arbeitnehmervertretung um einvernehmliche Lösungen bemüht und versucht, Härtefälle sozial abzufedern.

Der Erneuerungsprozess bei Junker betrifft in wesentlichen Teilen den Bereich Service, der als eigenes Geschäftsfeld herausgelöst wurde und auch die Tochterunternehmen in China, USA und Tschechien einbezieht. Der neue Vorsitzende der Geschäftsführung strebt für die Zukunft eine „optimierte Abwicklung der Geschäftsprozesse“ und eine „verbesserte Abstimmung bei der Risikobewertung“ an.

Gerade was Serviceleistungen betreffe, „müssen wir uns weltweit besser aufstellen“, gibt Reif die Richtung der veränderten Unternehmensstruktur vor. Dieser Prozess habe unter anderem zur Folge, dass auch am Standort Lammersdorf neue Arbeitsplätze im „zweistelligen Bereich“ geschaffen würden. Nicht zuletzt sollen auch die Bereiche Digitalisierung und IT-Systeme Teil des Erneuerungsprozesses sein.

Die Gießerei des Lammersdorfer Ofenbauers, einst eine der Säulen der 1924 in der Eifel gegründeten Firma, wird im Laufe des kommenden Jahres vom Unternehmen abgekoppelt. Junker forciert derzeit seine Bemühungen, einen geeigneten Partner zu finden, damit etwa Mitte des Jahres 2018 die Übernahme an diesen erfolgen kann.

Diesen bereits seit Jahren angestrebten Schritt will das Unternehmen aber nur unter der Vorgabe von bestimmten Rahmenbedingungen vollziehen. Für die Veräußerung der Gießerei, sagt Bernward Reif, seien klare Kriterien festgelegt worden, um diesen Unternehmenszweig im Sinne von Junker fortzuführen. Zu diesem Interessensausgleich in Verbindung mit einem am 5. Dezember festgelegten Sozialplan gehöre die Übernahme der 140 Beschäftigten der Gießerei unter Beibehaltung der vorhandenen Ansprüche aus dem Vorgänger-Unternehmen wie auch die Verpflichtung für den neuen Partner, Investitionen in einem klar definierten Umfang vorzunehmen.

Die Umsatzerwartung der Junker-Gruppe mit einem Volumen von 150 Millionen Euro, sei in diesem Jahr „weitgehend erfüllt worden“, sagt Bernward Reif weiter. Die Pro­fi­ta­bi­li­tät bei der Auftragsentwicklung gelte es allerdings zukünftig zu verbessern. Auch schränkt Reif ein, dass Junker im Gegensatz zu anderen Unternehmen aus der Metallbaubranche nicht in so hohem Maße vom konjunkturellen Aufschwung profitiert habe. Diese Zurückhaltung der Kundschaft sei vor allem auf deren Überkapazitäten zurückzuführen.