Nordeifel: Jugend hat jetzt keine Null-Bock-Einstellung mehr

Nordeifel: Jugend hat jetzt keine Null-Bock-Einstellung mehr

„Geht nun unbeirrt euren Weg! Schwimmt aus innerer Überzeugung auch mal gegen den Strom des Lebens! Denn wer aufhört, nach Besserem zu streben, hört auch auf, gut zu sein!“ Diese sinnigen Geleitworte der Klassen- und Schülersprecherinnen Joy Delhey, Rebecca Schmidt, Celine Stiel, Katharina Döpp und Carolin Weber galten ihren Mitschülerinnen, die nach sechsjährigem Besuch Monschaus Bischöfliche Mädchenrealschule Sankt Ursula mit dem Zeugnis der Mittleren Reife verließen.

Mit einem festlich und originell gestalteten Gottesdienst voller Denkanstöße in Eicherscheids voll besetzter Pfarrkirche leitete die Mädchenrealschule am Donnerstagabend die Entlass-Feierlichkeiten ihrer Absolventinnen der Klassen 10 a, b und c in der Festhalle „Tenne“ ein. Hardy Hawinkels, Jugendseelsorger Eifel, hatte die eindrucksvolle Eucharistiefeier unter das Motto „Gestern, heute, morgen“ gestellt und erinnerte die im Kirchenschiff nur mit Ersatzgestühl zu platzierenden Gläubigen daran, „was gestern war, ist endgültig vorbei, haben wir erlebt, das Heute sind aktuelle Szenen unseres Lebens, nur das Morgen liegt noch im Dunkeln. Sicher aber ist, dass Gott uns das ganze Leben begleitet“.

Offizieller Höhepunkt

Schulleiter Franz-Peter Müsch begrüßte zum Tennen-Festakt, samt anregendem Kulturprogramm und offiziellem Höhepunkt Zeugnisausgabe, die Schülerinnen, deren Angehörige, sein Lehrerkollegium und die Repräsentanten der Nordeifelkommunen Monschau, Roetgen und Simmerath, Bürgermeisterin Margareta Ritter, deren Kollegen Manfred Eis sowie Bernd Goffart als Vertreter des Simmerather Verwaltungschefs Karl-Heinz Hermanns. Rektor Müsch überraschte sein Auditorium mit einer These, die in unserer Gesellschaft (noch) nicht auf Allgemeinwissen beruht: „Diese Jugend tickt bürgerlich, von Rebellion ist die heutige junge Generation weit entfernt.“ Vielmehr, folgerte der Pädagoge, stünden, so belegten verlässliche Studien, bei den Jugendlichen traditionelle Werte wie Respekt, Ordnung, Heimat und Leistung wieder hoch im Kurs.

Bemerkenswert auch das Ergebnis jüngster Umfragen, sie zeigten ein klares Bekenntnis zur Leistung: 80 Prozent der Jungen und Mädchen bekannten sich laut Müschs Erkenntnissen „klar gegen die Abschaffung des Sitzenbleibens in den Unterrichtsstätten. Diese Tatsache offenbart ein hohes Maß an Verantwortung“. Ebenfalls stellte er mit Genugtuung fest, „viele von euch nun Verabschiedeten werden gleich Zeugnisse mit sehr guten Noten erhalten, nicht zuletzt deshalb, weil ihr euch besonders im letzten Schuljahr enorm angestrengt habt“.

So verkündete Müsch, von den insgesamt 81 Schülerinnen würden demnächst 54 verschiedene Gymnasien besuchen, 15 weitere fanden Aufnahme an weiterführenden Fachoberschulen. Neun junge Frauen schließlich begegneten mit ihrem Eintritt in die Berufswelt dem vielzitierten Ernst des Lebens. In früheren Jahren, erinnerte er, sei es für viele Angehörige der Nachwuchs-Generation populär gewesen, „null Bock zu haben, nichts leisten zu wollen, weil das ohnehin nichts bringe“.

Inzwischen aber stehe die Jugend „in der Mitte unserer Gesellschaft. Weil die Welt da draußen als unberechenbar wahrgenommen wird, suchen die Jugendlichen Halt, streben nach Sicherheit. Ihr seid pragmatisch, wisst genau, wie zunehmend wichtig Sekundartugenden wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit heute (wieder) sind“.

Ehe der Schulleiter eine Reihe von Ehrungen sozial und zum gesellschaftlichen Allgemeinwohl engagierter „Einjähriger“ vornahm, stellte er fest: „Mehr als die Hälfte von euch jungen Leuten stört, dass sich heutzutage alles so schnell verändert, dass man kaum mehr Schritt halten kann. Bürgerliche Werte bekommen wieder hohe Popularität. Schafft euch darum in der Familie, der Nachbarschaft eures Heimatortes, im Verein einen eigenen Mikrokosmos, in dem ihr euch sicher und geborgen fühlt.“

Ehe es an die Zeugnisübergabe ging, zeichnete Müsch die qualifizierten Vereinsassistenten Jule Dickmeis, Meike Mertens, Helen Jakobs und Birte Laufs aus. Meike Call, Celine Jahns, Celine Stiel, Cara Rongen, Tamara Natschke und Lara Hellweg fanden ebenfalls hohe Anerkennung: Sie haben sich mit Bravour und Hingabe der Belange von Senioren angenommen. In einer Grußadresse und Gratulationscour zum geglückten Schulabschluss räumte Bürgermeisterin Margareta Ritter ein, sie habe zum ersten Mal in ihrer Amtsführung die Freude, „einer so gut aussehenden Schar junger Frauen Lebewohl zu sagen“.

Ritter sprach auch im Namen ihrer Roetgener/Simmerather Kollegen, als sie die Scheidenden ermunterte, „den Abschluss, euren großen Tag, zu genießen, ihr habt ein wichtiges Etappenziel erreicht. Tragt eure Eifelheimat im Herzen und bleibt ihr treu, auch dann, wenn ihr demnächst in der Fremde leben solltet. Ehe die begehrten Notenblätter der besonderen Art an die Adressatinnen gelangten, moderierte Celine Jahns ein interessantes und beziehungsreiches Rahmenprogramm. „Wir haben es geschafft“, sang die Klasse 10 a im Chor, eine Lehrersatire beleuchtete den Unterricht der „Wunderkerzen Lehrer bis zum erlösenden Pausenklingeln“.

Träume leben

Vom Loslassen erzählte die Klasse 10 b („Let her go“). die 10 c sorgte zu guter Letzt für eine im Publikum vergnügt aufgenommene „Überraschung“.

Das Fazit: „Tschüss, es war eine schöne Zeit mit allen Höhen und Tiefen. Wir haben viel miteinander gelacht; besonders die Klassenfahrten bleiben unvergessene Highlights. Jetzt möchten wir manchen unserer Träume leben. Sankt Ursula hat uns für das Leben geprägt, Franz-Peter Müsch und seinem Kollegium gebührt unser herzlicher Dank, wir fanden bei diesem Team immer offene Ohren.“

(M. S.)
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