Nordeifel: Jobcenter Eifel will Leistungsbezieher fit machen für den Arbeitsmarkt

Nordeifel : Jobcenter Eifel will Leistungsbezieher fit machen für den Arbeitsmarkt

Wenn das für die Eifel zuständige Jobcenter der Städteregion Aachen von einem „guten Jahresergebnis 2017“ spricht, ist damit nicht gemeint, dass die Zahl der Kunden gesteigert werden konnte — ganz im Gegenteil: Weniger Leistungsempfänger und damit weniger Kunden sind der Maßstab erfolgreicher Arbeit für das 15-köpfige Team Eifel, das für die Kommunen Monschau, Simmerath und Roetgen zuständig und im Gebäude der Polizeiwache Simmerath untergebracht ist.

Eine positive Bilanz des Jahres 2017 für die Eifel zogen jetzt in Simmerath Stefan Graaf als Geschäftsführer des Jobcenters der Städteregion Aachen, der Leiter der Geschäftsstelle Stolberg-Südkreis, Marcus Alt, und die stellvertretende Teamleiterin für Simmerath, Melanie Schmitz.

In einem ländlichen Gebiet wie der Nordeifel ist die Problematik der Leistungsbezieher, ob Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II (Hartz IV), noch gut überschaubar. Als „stabil, robust und wachsend“ bezeichnete Stefan Graaf den Arbeitsmarkt in der Eifel. Bei einer aktuellen Arbeitslosenquote in der Nordeifel von nur 3,3 Prozent (darunter 1,4 Prozent SGB-II-Bezieher) könne man praktisch von Vollbeschäftigung sprechen. In den drei Südkreiskommunen sind aktuell 678 Personen als arbeitslos gemeldet. In der Eifel waren Ende 2017 insgesamt 8423 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt (einschließlich Auszubildende).

Überall in der Region entwickele sich Gewerbe, das neue Arbeitsplätze schaffe. Einen spürbaren Aufschwung gebe es auch in der Gastronomie. Graaf: „Die Wirtschaft brummt richtig.“

Herausforderung Geflüchtete

Der Versorgung von Geflüchteten stellte im Jahr 2017 eine der ganz großen Herausforderungen dar. Auch dank guter kommunaler Zusammenarbeit habe man diese Aufgabe gemeistert, bilanzierte Graaf. Im September 2017 bezogen in den drei Eifelkommunen 275 Ausländer in Bedarfsgemeinschaften Leistungen vom Jobcenter (aktuell sind es rund 300). Seit dem Jahr 2014 (117 Ausländer) ist dieser Anteil markant steigend. Ein Drittel der Kundschaft ist inzwischen ausländischer Herkunft. Wie in vielen anderen Orten auch, ist der Anteil der Syrer mit Abstand am höchsten.

Insgesamt lag die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im September 2017 bei 509. In diesen Bedarfsgemeinschaften erhielten 975 Personen Leistungen. Bei näherer Betrachtung der Bedarfsgemeinschaften (das sind unterschiedliche Konstellationen von Personen, die in einem Haushalt leben) fällt auf, das über die Hälfte davon (282) Singles sind. Einen großen Anteil machen auch Alleinerziehende (86) sowie Partner-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern (74) aus.

Mühsam ist für das Jobcenter die Vermittlung von Geflüchteten, da am Anfang die Sprachförderung stehen muss, ehe man überhaupt ernsthaft ein Beschäftigungsverhältnis in Betracht ziehen kann.

Auf einem konstanten Level bewegt sich seit drei Jahren die Zahl der Langzeitarbeitslosen (140 waren es im September 2017). Gut gelingt dem Jobcenter Eifel die Integration, d.h. der Übergang in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. So fanden im Jahr 2017 fast 30 Prozent des Durchschnittsbestandes an „erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ einen Arbeitsplatz. Diese Erfolgsbilanz ist für Marcus Alt auch eine Mentalitätsfrage: „Der Eifeler ist viel mobiler als ein Kunde aus Aachen und er ist auch bereit, mehr für einen Arbeitsplatz zu investieren.“

In diesem Sinne definiert das Jobcenter auch sein Selbstverständnis, nämlich möglichst gute Rahmenbedingungen für die Rückführung der Kunden auf den Arbeitsmarkt zu schaffen. „Wir sehen uns eher in der Rolle des Trainers. Spielen müssen die Betroffenen dann selbst“, sagt Christian Neuß, Pressesprecher des Jobcenters der Städteregion. Gerade beim Wiedereinstieg von Langzeitarbeitslosen ist das Jobcenter als Begleitinstrument gefragt, damit nicht schon nach einigen Monaten wieder Schluss am Arbeitsplatz ist, wie es in der Vergangenheit häufig vorkam.

Zum Stichtag der Statistik (September 2017) erhielten 166 Personen Leistungen des Jobcenters, obwohl sie in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, aber das Einkommen dennoch für den eigenen Lebensunterhalt nicht ausreicht. „Dieses Problem kann das Jobcenter leider nicht lösen“, sagt Stefan Graaf. Hier müsse auf politischer Ebene eine Diskussion stattfinden.

Mit Blick auf die vielfältigen Aufgabenstellungen wird von Seiten des Jobcenters auch noch einmal die hohe Bedeutung eines Schul- bzw. eine Berufsabschlusses herausgestellt. So befinden sich unter den Arbeitslosen 18 Prozent ohne abgeschlossene Schulausbildung, und 57 Prozent der Arbeitslosen sind ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Das Jobcenter Eifel führt seine positive Bilanz auch auf die Nähe zum Kunden zurück. „Hier finden noch viele persönliche Gespräche statt, die manchmal auch zum Erfolg führen“, so Melanie Schmitz. Das Thema Flüchtlinge, hält Stefan Graaf abschließend fest, „wird uns auch in Zukunft vor hohe Herausforderungen stellen. Da müssen wir uns als Jobcenter auf veränderte Strukturen einstellen.“

(P. St.)
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