Einruhr: Jedes Rennen gleicht einer Wundertüte

Einruhr: Jedes Rennen gleicht einer Wundertüte

Den Pulsgurt umlegen, die Trinkflaschen füllen, ein letztes Mal den Luftdruck der Reifen überprüfen. Eine kurze Aufwärmrunde, die Muskeln auf Temperatur bringen und dann den idealen Startplatz suchen: Die Vorbereitungshandgriffe bei den Teilnehmern des dritten Moutainbike-Marathons am Rursee sitzen.

Der Rahmen für ein spannendes Sportereignissen in der Eifel ist geschaffen. Es fehlt nur noch der Startschuss, um dieses mit Leben zu füllen. Der Countdown, für all die durchtrainierten Zweirradcracks gut sichtbar, tickt unerbittlich. Für den Beobachter am Rande bietet sich ein imposantes Bild: Helme über Helme, viele bunte Trikots.

Im sonst eigentlich beschaulichen Dorf am See kündigt sich ein Tag der neuen Rekorde an. Zumindest die Teilnehmerzahl der dritten Auflage des Moutainbike-Marathons in Einruhr hat an diesem Sonntag einen Höchststand an Teilnehmern erreicht - knapp 500 Sportler meldeten sich für die unterschiedlichen angebotenen Distanzen an. Zu den Klängen des Rocktitels „Highway to Hell” verrinnen die letzten Sekunden vor dem Start der Königsdisziplin, dem 78 Kilometer langen Marathon.

Ob das wirklich der „Highway to Hell” wird? Zumindest gibt es vor dem endgültigen Startschuss noch einiges, das unter den Sportlern diskutierfähig erscheint, etwa: Wie sind die Bedingungen auf der Strecke? Eine eindeutige Antwort kann auch Bernd Schütt, verantwortlicher Organisator des ausrichtenden SV Einruhr/Erkensruhr nicht liefern, einige Informationen aber doch: „Die Strecke ist nicht ganz so matschig wie im vergangenen Jahr und im Verlaufe der Veranstaltung wird es wohl nicht regnen. Es gibt ein paar gefährliche Down-Hill Passagen mit Felsvorsprüngen, aber sonst ist alles bestens gerichtet.”

Auch der Vussemer Frank Bützler, der zum dritten Mal an der Veranstaltung teilnimmt, ist optimistisch: „Mal sehen was die Strecke so macht, aber ich habe schon vor eine bessere Zeit als im vergangenen Jahr zu fahren.” Dafür wird schließlich das ganze Jahr fleißig trainiert. „Ich habe allein auf dem Moutainbike etwa 1200 Kilometer in den Beinen. Für die Top-Zeiten ganz vorne wird es aber trotzdem nie reichen.”

Für viele die an diesem Tag ihr Mountainbike nach Einruhr transportiert haben, zählt auch der olympische Gedanke, einmal dabei zu sein, die eigenen sportlichen Fähigkeiten und Grenzen auf die Probe zu stellen. Um Punkt zehn Uhr dürfen dies die ersten Mountainbiker versuchen, der Startschuss für den Marathon ist gefallen. Kurze Zeit später läuft der Countdown für die Teilnehmer der 54 Kilometer langen Runde. Gefolgt von denjenigen, die sich auf 34 Kilometern austoben wollen.

Von der Strecke gibt es unterwegs Livebilder im großen Zelt zu sehen, das aufgrund der hohen Voranmelderzahlen kurzfristig das Heilsteinhaus als Veranstaltungsort ersetzte.

Dass die sportliche Veranstaltung in Einruhr an diesem Tag etwas Besonderes ist, dazu tragen auch Titel bei. Ein Weltmeister fährt mit und ein Deutscher Meister wird in Einruhr ermittelt. Die Feuerwehren tragen ihre vierten Deutschen Moutainbike-Meisterschaften im Rahmen der Einruhrer Veranstaltung aus. Über die Langdistanz und die Kurzdistanz haben sich Feuerwehrleute aus dem gesamten Bundesgebiet eingefunden. „Es sind Leute aus Hamburg und Berlin hier in die schöne Eifel gekommen”, freut sich der Veranstalter Ingo Hilburger von der Berufsfeuerwehr Aachen.

Der aktuelle Feuerwehr-Radweltmeister Mathias Frohn kennt sich in der Gegend deutlich besser aus, als die Weitangereisten. Der in Marmagen Geborene startet für die Berufsfeuerwehr Düsseldorf und erklärt vor dem Startschuss: „Ich bin die Strecke vor einer Woche abgefahren, aber jedes Rennen ist eine Wundertüte, lassen wir uns also überraschen.” Nach anstrengendem Rennen, ausgepowert, aber glücklich, fuhren die meisten der etwa 500 Teilnehmer über die Ziellinie in Einruhr. Sie freuten sich auf ein kühles Getränk und etwas zu essen. Die rund 150 helfenden Hände, die auch noch lange nach der letzten Zieldurchfahrt mit anpackten, haben für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gesorgt.

Die Fahrer allerdings genossen erst dann den restlichen Sonntag, als die letzten Handgriffe ebenso routiniert wie vor dem Start erledigt waren. Die Pulsuhr wurde abgelegt, die Dusche für Fahrer und Räder rief und die Sportfahrzeuge wurden wieder in den Autos verstaut.

Den Titel des Deutschen Meisters hat der amtierende Feuerwehr-Radweltmeister Mathias Frohn gewonnen. Über 75 Kilometer gewann er vor Sebastian Wintringer und Franz Zwilcher. Über die Distanz von 38 Kilometern holte sich Mark Schneider vor Markus Rüttgers und David Richter den Titel.

Den Marathon gewann Mark Donné, gefolgt von Rob van der Werf und Atse ten Brinke. Bei den Damen gewann Helen Wolf vor Rosi Schings und Linja de Jong.

Der Sieger über die Distanz von 54 Kilometer heißt Carlo Porco. Er setzte sich gegen Kris de Nef und Ralf Brambring durch. Lynn Genius gewann bei den Damen.

Die Kurzdistanz absolvierte Ahmed-Ridvan Reichling als Schnellster, gefolgt von Fabio Porco und Simon Boecker. Schnellste bei den Damen war Claudia Claesen vor Hanna Boecker und Jule Hoff.

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