Monschau: Inklusionsprojekt „Wir Alle“ baut Barrieren in den Köpfen ab

Monschau: Inklusionsprojekt „Wir Alle“ baut Barrieren in den Köpfen ab

„Mit dem Projekt ‚Wir Alle‘ ist es gelungen, die Bürger mit und ohne Behinderung füreinander zu sensibilisieren und auf beiden Seiten Berührungsängste abzubauen.“ Dieses insgesamt positive Fazit des zweieinhalbjährigen Inklusionsprojekts zog nun Andrea Hein, Mitarbeiterin der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung (KoKoBe) und Leiterin des Projekts für den Sozialraum Monschau-Simmerath.

„Auch wenn in der Eifel an vielen Stellen Inklusion wie selbstverständlich gelebt wird, haben noch mehr Einzelanbieter und Vereine ihre Angebote für Menschen mit Behinderung geöffnet“, sagte Hein im Monschauer Sozialausschuss, wo sie den Abschlussbericht des Projekts vorstellte. Das beim Start im Januar 2013 formulierte Ziel des Projekts sei gewesen, „Brücken zu bauen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung“ und den Fragen nachzugehen: „Ist Inklusion bei den Menschen überhaupt gewollt? Und wenn ja: Wie viel Inklusion darf es sein?“

Andrea Hein betonte, dass es bei dem Projekt von vorneherein nicht um jene Inklusion gegangen sei, die in den Schulen mehr oder weniger erfolgreich praktiziert wird. „Es ging uns um die Teilhabe von Menschen mit Handicap am täglichen Leben, am Alltag. Und es ist uns gelungen, den Fokus von der Schuldiskussion dahin zu lenken, dass Inklusion überall notwendig ist und Spaß machen kann“, so die Sozialpädagogin.

Sechs Träger der Behindertenhilfe aus Stadt und Städteregion Aachen haben das von der Aktion Mensch geförderte Inklusionsprojekt „Wir Alle — Gemeinsam leben in der Städteregion Aachen“ mit Leben gefüllt: die Alexianer Aachen, die Caritas Lebenswelten, die Josefs-Gesellschaft, das Vinzenz-Heim Aachen, die Lebenshilfe Aachen, das Paritätische ABK-Hilfswerk und der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Aachen. Inzwischen ist die Förderung ausgelaufen und die Träger arbeiten an der Fortsetzung der Ergebnisse in neuen Netzwerken und Strukturen.

Im Rahmen des Projekts für den Sozialraum Eifel wurden 2013 mit der Stadt Monschau und der Gemeinde Simmerath Kooperationsverträge geschlossen, jedoch „vor dem Hintergrund knapper Haushaltsmittel legten die Kooperationspartner großen Wert auf die Vereinbarung, dass keinerlei finanzielle Verpflichtung besteht. Eigene Aktivitäten wurden in dem Projekt von den Kooperationspartnern nicht entwickelt“, heißt es im Schlussbericht, der aber auch lobt: „Die Kooperationspartner waren jedoch kompetente und hilfsbereite Ansprechpartner bei organisatorischen Fragen.“

Einzelpersonen und Vereine

Neben den Kommunen, arbeitete „Wir Alle“ in der Eifel vor allem mit Einzelpersonen und Vereinsvertretern zusammen. Hierzu gehörten der Stammtisch der KoKoBe Nordeifel, die Einrichtungen der Behindertenhilfe vor Ort, einzelne Schulen, Kirchengemeinden sowie die Seniorenresidenz in Simmerath.

Im letzten Jahr des Projektes hätten sich Streetwork Nordeifel (Jugendamt der Städteregion) sowie der Verein Jugend aktiv e.V. als zuverlässige Kooperationspartner erwiesen, so Andrea Hein. Projekte und Aktionen wie die Teilnahme am Karnevalszug in Simmerath („Wir Alle in einem U-Boot“) oder ein inklusives Sportfest in Simmerath wurden gemeinsam mit diesen Partnern erfolgreich durchgeführt.

Die Netzwerkarbeit sei in der Eifel überwiegend über persönliche Kontakte, Telefonate und E-Mails gelaufen. „Netzwerktreffen wurden nicht organisiert, da der Sozialraum viel zu groß ist und kaum ehrenamtliche Unterstützer bereit waren, in ihrer Freizeit große Strecken zurückzulegen. Eine Verkleinerung der Sozialräume erscheint für die Zukunft hier geboten“, so ein Fazit des Berichts.

Das Projekt ist nun beendet, die Ziele werden laut Andrea Hein weiter verfolgt: „Inhaltlich wird die Caritas Lebenswelten über die angegliederte KoKoBe Eifel diese Arbeit im Raum Monschau-Simmerath-Roetgen fortführen.“

(hes)
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